Online, bitte nicht für immer!
Einige Erfahrungen von Filmemacher*innen

© Madeleine Bernstorff

Als Kommissionsmitglied der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen stand ich mit dem Covid19-Lockdown und der Entscheidung, das Festival online zu veranstalten und dafür die Gespräche mit den Filmemacher*innen aufzuzeichnen vor einer neuen Herausforderung.

Filmgespräche in Oberhausen haben eine lange Geschichte. Von den bewahrpädagogischen ‚Aussprachen’ nicht ganz unbelasteter älterer Herren in den 1950er Jahren, den heftigen Debatten, in denen sich Inhaltisten und Formalisten attackierten, zu den heutigen ‚Werkstattgesprächen’ mit den Filmemacher*innen, die sich nach der Vorführung mit einem kleinen interessierten Publikum versammeln, von jeweils zwei Mitgliedern der Auswahlkommission moderiert. Für die Filmemacher*innen Qual oder Glück, je nachdem, gelegentlich auch beides. Manche sprechen überhaupt das erste Mal ausführlich und öffentlich über ihre Arbeit. Einige warten nervös ab, bis sie in der Reihenfolge des Screenings an die Reihe kommen, und legen dann allmählich im Gespräch die Künstlerselbstpräsentation als Werbefläche ab, beginnen sich idealerweise öffentlich miteinander auszutauschen, sprechen oft auch grundsätzlicher und bewegender zu ihrer Arbeit, als es die inzwischen üblichen Kurz-Q & A’s zulassen. Maßgeblich für die Festivalerfahrung sind aber auch die informellen Gespräche, die sich im Biotop eines eher unhierarchischen kleineren Festivals ganz selbstverständlich ergeben.

 

Videochats statt Filmgespräche

 

Und nun dieses Jahr: wir wurden katapultiert in die Online-Version. Hatten etwas mehr Zeit als andere Festivals, aber immer noch sehr wenig. Geplant waren kurze vorproduzierte Video-Interviews, die in der Abfolge der einzelnen Programme jeweils nach den Filmen zu sehen (oder zu überspringen) waren. Die Produktionsvorgaben: Fünf Minuten für diesen Salto in den digitalen Raum, nach einigen Protesten der Kommissionsmitglieder bekamen wir dann immerhin maximale zehn Minuten. (nachvollziehbar, dass sich einige Filmemacher*innen, deren 5-Minuten-Gespräche am Anfang aufgezeichnet worden waren, ungerecht behandelt fühlten.) Die live+Präsenz-Gespräche in eine angemessene Online-Form zu verwandeln war Aufgabe und Chance. Es erlaubte und erforderte Vertrauen herzustellen, ausführlicher zu recherchieren, Fragen zu erarbeiten.

Ein Filmemacher[i] beschrieb das so:

Ich finde es wie eine offene Tür, um sich mit dem Werk eines/einer Filmemacher*in genauer auseinanderzusetzen. Du kannst dir Zeit nehmen und – nachdem du den Film gesehen hast – recherchieren, frühere Arbeiten kennenlernen. (E)

Zu meinem Verständnis dieser Aufgabe gehörte es auch, Aufnahmen gegebenenfalls mehrmals zu ‚drehen’, da ich unbedingt wollte, dass die Filmemacher*innen einverstanden waren mit ihrem Bild in der Öffentlichkeit. Dafür war auch das nachvollziehbare gelegentliche Unbehagen an der Online-Präsenz im Überwachungskameramodus, an diesen konservierten Dialogen zumindest zu thematisieren, wenn schon nicht gänzlich zu zerstreuen. Wir zeichneten mit tools auf, die wir uns zum Teil auch erst hatten neu erarbeiten müssen. Die unterschiedlichsten Rede-Charaktere und Sprechgeschwindigkeiten waren zu moderieren, über eigene Fragetechniken und die gelegentlich auch heikle Selbst-Präsentationen nachzudenken.

 

© Madeleine Bernstorff

 

Es bedeutete für mich aber auch in der Zeit des rigiden lockdowns mit den mir zugedachten 23 Filmemacher*innen zumindest eine besondere ‚selective togetherness’ zu erfahren. Und die Vorzüge des Formats auszuprobieren. Eine Filmemacherin führte an ihrem Arbeitstisch zuhause während des Interviews ihr besonderes Makro-Objektiv vor, mit dem sie ihren Bolex-16mm-Film gedreht hatte.

Eine Kommissions-Kollegin entwickelte gemeinsam mit den Filmemacher*innen aus den Konferenz-Tools neue Formen: Ein Gespräch auf dem Dach oder mit einem analogen oldschool Telefon. In einem Video konterkarierte sie die vermeintliche ‚online-togetherness’ im Gespräch mit der Filmemacherin bewusst zu zeitlich versetzten, nachträglich montierten Dialogen. Eine andere Kollegin bat die Filmemacher*innen am Schluss des Gesprächs noch um eine ‚direkte’ Nachricht an das online-Publikum. Viele der Filmemacher*innen schätzten unsere Videogespräche:

Mir persönlich gefiel das Interview-Format, das es als Option gab, und ich habe bisher nicht viele andere Festivals gesehen, die das gemacht haben. Es gab dem Film ein Gesicht, ein menschliches Wesen hinter dem Film, was immer so wertvoll ist, wenn man persönlich an einem Festival teilnimmt und bei den Fragen und Antworten anwesend ist. (E)

schrieb eine Filmemacherin.

Nach dem Festival dankte ich den Filmemacher*innen meiner Video-Interviews und bat sie um feedback, um Kritik, um ihre persönlichen Online-Festivalerfahrungen. Im Folgenden möchte ich in Absprache mit den Filmemacher*innen aus diesen und weiteren Zuschriften zitieren.

 

Feedback und Komplimente

 

Alle würdigten die Anstrengungen und den Aufwand des Festival-Teams:

Die Betreuung war persönlich, intensiv und professionell und wir fühlten uns sehr gut aufgehoben! … Auch wenn wir natürlich zu gerne den Film in der Oberhausener Lichtburg auf fetter Leinwand gesehen hätten, aber in Anbetracht der Lage: Respekt!

Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass das Festival-Team sehr präzise Entscheidungen getroffen hat. (E)

 

Und auch Komplimente für das Gesamtprogramm gab es:

Das Programm war sehr übersichtlich und facettenreich.

Ich habe es sehr genossen, das Programm von zu Hause aus zu sehen.

Es gab dieses Jahr einige sehr bewegende Filme. (E)

 

Viele berichten, dass sie weniger Filme aus dem Programm gesehen hatten, als sie vorhatten.

Ich denke, Ihr habt die Angleichung sehr gut hinbekommen, um es einem Festival so ähnlich wie möglich zu machen. Besonders die Q&As waren für mich sehr wichtig, so dass ich mich als Teil der Gemeinschaft der Filmemacher*innen fühlen, und alle über ihre Arbeit sprechen hören konnte. (E)

… das Online-Festival machte diese letzten Tage weniger isoliert und feierlicher, vor allem für die beteiligten Personen. … Und ich habe es wirklich genossen, genügend Zeit zu haben, um Filme und Interviews zu sehen, ohne in Eile zu sein. (E)

 

Technische Parameter

 

Das klingt erst mal ganz gut, doch bald schon kommen einige technisch-qualitative Parameter zur Sprache, welche die Rezeption maßgeblich beeinflussen:

Es war auch sehr schwierig, sich so zu verlieren, wie man sich im Kino verliert. Die kleine Leinwand eignet sich sehr gut für Vorträge und Seminare, aber nicht für die immersive Filmbetrachtung. (E)

Die Online-Ausgabe hat für mich gut funktioniert, wenn ich die Möglichkeit hatte, mit einer Projektion auf eine Leinwand, also in einem möglichst kinonahen Arrangement zuzuschauen. … Aber nur mit einem Laptop und einfachen Lautsprechern fiel es mir schwer, die Filme zu erleben, und am Ende sah ich weniger Filme, als ich wollte. Ich glaube, Oberhausen zeigt Filme, die man im Kino wirklich erleben muss, sie haben eine höhere audiovisuelle Qualität und sind nicht unbedingt sehr narrativ. Ich freue mich auf die nächste physische Ausgabe. (E)

 

Und noch ein Einwurf zum Sound, der eine/n im Kinoraum auf besondere Weise einhüllt:

Mehr als der kleine Maßstab eines Monitors war ich um den Ton besorgt – ich frage mich, wie die Leute zuhörten: mit anständigen Kopfhörern, Lautsprechern, … in Zukunft müssen wir vielleicht mehr Zeit darauf verwenden, einen guten Internet-Sound-Mix zu machen. Aber … mehr als der Laptop-Monitor, finde ich, dass eine Internet-Soundmischung wirklich ein trauriger Kompromiss ist. So viel geht verloren! (E)

 

Sozialität

 

Viele fanden die 48-Stunden-Begrenzung eine gute Idee, die Spannung aus Verfügbarkeit und Verknappung, sowie die Möglichkeit die Filme sowohl einzeln, oder auch als ganze Programme mit den angekoppelten Videotalks zu sehen. Wünsche nach einer Online-Plattform, auf der sich die Filmemacher*innen treffen könnten, wurden formuliert, größere kompetent moderierte online-Gruppengespräche oder der organisierte Austausch mit Professionals vorgeschlagen:

Eine Einladung zu einem Gruppen-Zoom, z.B. für bis zu 20 Filmemacher*innen des deutschen Programms unter der Leitung eines Moderators, der für Community-Kommunikation sensibilisiert ist, würde die nächste Online-Zeit erleichtern. … Oder eine Chat- oder Kommentarfunktion neben den Filmen bzw. einzelnen Programmen zu haben … IRGENDETWAS, worüber Filmemacher*innen eine Reaktion erhalten oder mit anderen kommunizieren oder auf sie reagieren können, halte ich für sehr notwendig. (E)

 

Festivalerlebnisse

© Madeleine Bernstorff

 

In den Zuschriften häufen sich – trotz gewonnener Reichweite – Beschreibungen des Mangels an sozialem Austausch. Es fehlten direkte Reaktionen von Unbekannten, das, was ein Festival eben ausmacht.

So sehr ich selber das Schauen der vielen Filme online wahrgenommen und genossen habe, ist es doch einfach unendlich schade letztlich kein wirkliches Feedback zu bekommen. Hin und wieder habe ich über Ecken eine kurze Reaktion gehört … aber nie direkt. Auch muss ich zugeben dass ich selber mich nicht hingesetzt habe, um anderen Filmemacher*innen zu schreiben, selbst wenn ich überbeglückt von Filmen war.

Auf gewisse Weise bleibt ein Festivalerlebnis über die Menschen um einen herum in Erinnerung, die Gespräche, die Auseinandersetzungen, die Gerüche, der Anblick – kein Online-Erlebnis kann es mit unvermittelten Gesprächen, Rückmeldungen von Fremden und neuen Freundschaften, die man schließt, aufnehmen. Es war jedoch wunderbar, alle Filme online zugänglich zu haben, was eine größere Öffentlichkeitswirkung für ein Publikum bedeutet, das sonst nicht die Möglichkeit gehabt hätte, die Filme zu sehen, wofür ich sehr dankbar bin. (E)

Eine Online-Plattform hat … viele Vorteile und bietet die Möglichkeit, eine große Anzahl von Menschen zu erreichen, was großartig ist. Als Filmemacher ist es jedoch immer ein bisschen traurig, nicht von Angesicht zu Angesicht mit dem Publikum über Filme diskutieren und die anderen Filmemacher kennenlernen zu können – ein Festival ist immer eine großartige Gelegenheit, mit neuen Leuten in Kontakt zu kommen.

 

Einige organisierten sich ihre ‚community’ selbst:

Die Online-Screenings ermöglichten es mir, die Arbeit mit meinem eigenen Kreis von Künstler*innen, Filmemacher*innen und Freund*innen zu teilen – der Festivalpass war erschwinglich, und Leute, die das physische Festival nicht mit mir besucht hätten, konnten es sich zu geringen Kosten ansehen. (E)

Die Erfahrung mit meinem Film und dem Skype-Interview fühlte sich etwas irreal und verletzlich an. Seltsam war es auch, dass meine aktive Beteiligung am Festival nach der Aufzeichnung des Gesprächs vorbei war. (E)

Ich hoffe […] dass das offline Festivals nicht durch eine online Alternative ersetzt werden, die (selbst super gut organisiert) sich mehr wie Konsumieren, Sichten, Studieren anfühlt statt wie Erfahren, sich Verbinden und Lernen.

 

Premierengefühle

© Madeleine Bernstorff

 

Besonders für Filmemacher*innen, deren Film als Premiere lief, war die online-Aufführung aber auch eine enttäuschende Erfahrung:

Die Dame, die das Q&A gemacht hat, war die erste völlig Fremde, die auf unseren Film reagiert hat. Und das war es; die Premiere. Sie können sich also vorstellen, dass dieser Tag, nachdem ich das erkannt hatte, kein guter Tag war. Dann kam das Festival und es passierte nicht wirklich viel. Kein Geplauder, kein Kontakt. Vielleicht haben ein paar Social-Media-Freunde zugesehen, aber es gab keine wirklichen Reaktionen. Die Erfahrung des Online-Festivals ist also nichts, worüber ich mich sehr freue. Ich vermisse es, Anderen Komplimente zu machen, genauso sehr wie selbst Komplimente zu bekommen. Es war eine sehr kalte Erfahrung. (E)

 

Eine Filmemacherin aus dem Deutschen Wettbewerb beschreibt es so:

Für meinen Film war es die Premiere. Ich hatte den Film kurz vorher fertig gestellt. Nach dem Festival stellte sich das Gefühl einer gewissen Leere ein. Üblicherweise hätte man gemeinsam mit anderen Teilnehmern und neuen Bekanntschaften die Preisverleihung besucht und das Festival in Geselligkeit ausklingen lassen. Hier herrschte nach dem Festival größtenteils völlige Stille…. Der Eindruck und das Gefühl von Zusammengehörigkeit und das Anstecken mit Begeisterung für das, was man da tut und sich nun anschaut im Zusammenhang mit dem eigenen Leben stellt sich online einfach nicht ein. So eine Zusammenkunft ist ja auch antreibend. Man will dann schnell nach Hause und mehr schaffen. Die Anonymität ist demotivierend oder zumindest suggeriert sie ein Stück Gleichgültigkeit.

 

Ein weiteres anrührendes Statement:

Ich muss sagen, dass ich vor dem Bildschirm saß, während mein Film […] eine Filmfestival-Weltpremiere hatte, und ich wusste nicht, was ich tun sollte… mit ihm… oder für ihn… oder mit wem. Wer zuschaute, wen es interessierte, wen es überhaupt nicht kümmerte… Ich hatte nicht einmal eine Ahnung, was meine eigenen Facebook-Aktivitäten für Oberhausen taten oder nicht taten. NICHTS – KEINE SOZIALE REALITÄT, keine Reaktionen während und nach den Vorführungen? Das hatte ich noch nie in meinem Leben und es war ein unangenehmes Gefühl. Dann kam ein Like: Eine Filmemacherin aus dem deutschen Programm fand mich auf Instagram und markierte den Flyer und mein Porträt mit gefällt mir. Sie muss auf der Suche gewesen sein…

 

Ein Filmemacher meinte:

Vielleicht werden “physische Premieren” das neue Ding! (E)

 

Vorschläge

 

Es gibt Vorschläge für Ergänzungen auf der Plattform :

Vielleicht könnte jedes Programm von einem kurzen Text eingeführt werden. Im Allgemeinen bin ich der Meinung, dass die Motivation und Argumentation der Kurator*innen in diesen Online-Ausgaben oft zu wenig sichtbar ist, insbesondere auf den Online-Plattformen selbst. (E)

 

Viele sind aber sehr deutlich der Meinung, dass die „echte“ Präsenz nicht zu ersetzen ist:

… denn eigentlich gehe ich vielleicht zu 50% wegen der Filme und zu 50% wegen der Menschen zu Filmfestivals.

Was in der virtuellen Erfahrung wirklich fehlte, war das starke Gemeinschaftsgefühl und die Begegnung, die so einzigartig und besonders ist, besonders bei kleinen Filmfestivals in kleinen Städten wie Oberhausen. (E)

Ich habe wirklich kein Feedback zu dem Film bekommen, außer in der Presse, und als meine 48 Stunden vorbei waren, überwog ein Gefühl der Enttäuschung. (E)

 

Andere können sich durchaus vorstellen „online etwas Soziales“, etwas Interaktiveres herzustellen:

Das Internet ja auch ein weit fortgeschrittener sozialer Raum und entsprechende Software und Plattformen wie soziale Netzwerke oder Forensoftware gibt es ja schon.

 

Und hoffen demzufolge darauf Festivals könnten

… in der Zukunft niederschwellige Möglichkeiten [zu] erstellen, wo online zumindest Reaktionen abgegeben werden können.

 

Mehrwerte

 

Sehr viel grundsätzlicher schreibt ein Filmemacher zur Ökonomie:

Es ist eine komplett andere Erfahrung, als zu einem Festival zu gehen, wie ich finde. In Zukunft werde ich zurückhaltender sein, meine Arbeiten auf Online-Festivals zu zeigen, weil mir das Umfeld eines Festivals, das ich persönlich besuche, weitgehend fehlt. Wenn diese Pandemie anhält und Festivals online bleiben müssen, ist es wichtig, dass die Festivals, Filmemacher*innen eine Vorführgebühr für ihre Arbeit zahlen. Viele der anderen Vergünstigungen eines Festivals fehlen, so dass das Mindeste, was man tun kann, um einen Filmemacher zu unterstützen, ihm eine Filmmiete zu bezahlen, wenn seine Arbeit gezeigt wird. Es ist schwer für einen Filmemacher, ein eigenes Festival zu starten, aber nicht so schwer, seine Arbeit online über eine App wie Vimeo zu zeigen. Festivals müssen deutlich machen, warum es wichtiger ist, auf ihrem Festival zu laufen als unabhängig davon, und die Unterstützung von Filmemacher*innen durch eine Bezahlung von Filmmiete ist ein Schritt in die richtige Richtung. (E)

Mal abgesehen von einem kurzen 5-minütigen Interview mit mir gab es weder Interesse noch Resonanz an meinem Film. Ich habe das Gefühl, er ist einfach komplett untergegangen. … Auch, dass ihr auf das Geoblocking verzichtet habt, und nicht wie viele andere Festivals nur deutschlandweit Zugang zu den Filmen geschaffen habt, finden wir im Nachhinein bedenklich. Das hat uns in diesen schweren Zeiten als Filmemacher*innen mit Sicherheit auch den Weg auf andere Festivals erschwert. … z.B. auf dem Krakow Film Festival [und da] wurde das alles sensibler gehandhabt. Interessierte aus der Branche, Festivalveranstalter, etc. konnten sich z.B. in Listen eintragen, nachdem sie den Film gesehen hatten und daraus sind für mich interessante Kontakte für die Zukunft entstanden.

 

Aussichten

 

Wie viel besser sich kurze Filme für die Online-Präsentation ohne Geo-Blocking und Exklusivitätsdruck eignen, wurde nirgends erwähnt. Abschließend, denn immer neue feedbacks erreichen mein E-Mail-Konto, möchte ich dieses Statement einer Filmemacherin zitieren:

Letztendlich fand ich dieses Jahr jedoch auch faszinierend, herzerwärmend und auf eine Weise zutiefst inklusiv, die sich niemand je hätte vorstellen können. Endlich mussten sich die Filmfestivals von ihrem elitären Ruf verabschieden, wodurch die Teilnahme von Filmemacher*innen und Publikum selbst viel umfassender und zugänglicher wurde. Wenn dein Film akzeptiert wurde, konntest du irgendwie gleichberechtigt mit allen anderen dabei sein. Du musstest dir keine Sorgen mehr machen, ob du dir das Flugticket, die Hotels und die Mahlzeiten, die Teil des gemeinschaftlichen Erlebnisses auf Filmfestivals sind, leisten kannst. Natürlich vermissen wir alle die Teilnahme vor Ort, die in dieser Zeit verloren ging, aber ich habe das Gefühl, dass das Internet zum ersten Mal wirklich herausfordernde, nicht-kommerzielle Undergroundfilme für so viel mehr Menschen zugänglich gemacht hat. Letztendlich wird dies der Branche zugutekommen. Ich hoffe, dass nächstes Jahr die Kinos wieder geöffnet werden, aber alle Festivals gleichzeitig auch einen Online-Stream für diejenigen anbieten werden, die nicht selbst zu den Festivals fahren können. Es ist eine beängstigende, aber sehr aufregende Zeit. (E)

 

Vielen Dank an alle Filmemacher*innen, die bereitwillig und offen auf meine Fragen geantwortet haben.

Hoping to meet you (again) in real life.

 

 

[i] zur besseren Lesbarkeit haben wir für die deutsche Version alle Zitate ins Deutsche übertragen, die mit (E) markierten Statements können in der englischen Variante dieses Artikels im Original nachgelesen werden

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