Kurzfilm macht Schule

SCHILDKRÖTEN PANZER (Tuna Kaptan, 2017) – Teil des Angebots von DOK Bildung (Filmvermittlungsabteilung von DOK Leipzig, bietet mit DOK Online verschiedene Kurzfilme für den pädagogischen Einsatz an) dok-leipzig.de/dok-bildung

 

Kurzfilme sind die Musterschüler*innen unter den Filmen. Sie sind aus verschiedenen Gründen perfekt für den Einsatz im Unterricht geeignet und tatsächlich ist es in diesem Fall wirklich mal die Länge, auf die es ankommt. Oder die Kürze, wenn man genau sein will. Denn ein Kurzfilm lässt sich ganz wunderbar in eine Unterrichtseinheit integrieren, der in Deutschland – noch immer – meist im Rahmen von Blöcken organisiert ist, die entweder 45 oder 90 min. betragen. Das heißt im Umkehrschluss für Pädagog*innen: wenn sie einen aktuellen Kinofilm im Unterricht zeigen und bearbeiten wollen, müssen sie den Rahmen des normalen Stundenplans sprengen. Langfilme können schlichtweg nicht sinnvoll in einer (Doppel-)Stunde bearbeitet werden. Das gilt umso mehr, wenn man bedenkt, dass die pädagogische Arbeit mit und am Film mit Vor- und Nachbereitung eigentlich mindestens genauso lang sein sollte wie der Film selbst.

Statt also mühsam Unterrichtsstunden zu tauschen oder Filmkunstwerke in zwei oder drei Teilen (meist mit einem Abstand von 7 Tagen zwischen den Abschnitten) vorzuführen, ist es für Pädagog*innen einfacher, stattdessen Kurzfilme in den Unterricht zu integrieren.

 

Hinzu kommt: Kurzfilme erleichtern nicht nur die Integration in den Unterricht, sondern entsprechen auch den Sehgewohnheiten der Schüler*innen, die ihre Filmerfahrungen heute eher auf YouTube oder Netflix machen als im Kino. Es steht außer Frage, dass es gerade aufgrund dieser sich ändernden medialen Gewohnheiten wichtig ist, das Kino als Raum im Unterricht immer wieder stark zu machen. Viele Initiativen ermöglichen Lehrer*innen, mit ihren Klassen Filme und Filmbildung direkt im Kino zu erleben. So finden in jedem Bundesland einmal jährlich die von Vision Kino organisierten Schulkinowochen statt und darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe von Angeboten (organisiert von Filmfestivals, Kinos und verschiedensten Institutionen), die Vorstellungen mit herausragenden Kinofilmen für Schulklassen im Kino anbieten und damit Angebote schaffen, die den klassischen Lehrplan ergänzen und Schüler*innen das Kino als Ort der Filmkunst näher bringen können.

 

Warum Kurzfilm in der Schule doppelt so gut funktioniert

An dieser Stelle soll es allerdings darum gehen, wie Pädagog*innen Kurzfilme vor Ort in der Schule zeigen und die Analyse des Films direkt – und meist ohne zusätzliche Unterstützung durch Filmvermittler*innen – in den Unterricht einbauen können.

Heute bieten viele Institutionen Kompilations-DVSs mit kurzen Filmen an. Inzwischen ermöglicht es das breite Angebot Lehrenden, für jedes Thema und jedes Schulfach den geeigneten Kurzfilm zu finden. Einige angebotene Kompilationen versammeln mehrere Kurzfilme zu einem Thema, andere bieten eine Palette unterschiedlicher Filme, deren Bearbeitung im Unterricht den Fokus gerade auf die Diversität verschiedener Filmstile lenken soll. Im Idealfall umfasst eine DVD Filme mit dezidierten Altersempfehlungen und medienpädagogisches Begleitmaterial, um Pädagog*innen Anregungen für die Analyse von Inhalt und Filmsprache zu geben.

An dieser Stelle ist es wichtig zu betonen, dass die geringe Länge eines Kurzfilms einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Vorteil mit sich bringt. Kurzfilme können zunächst ohne eine pädagogische Aufmerksamkeitslenkung vorgeführt werden, so dass das Publikum bei der ersten Sichtung seinen eigenen Zugang finden kann. Es kommt der Filmanalyse sehr zugute, wenn die erste Sichtung ohne konkrete Aufgaben oder Fragen stattfindet können und der Film dann – nach einem kurzen Feedback – ein zweites Mal gesichtet werden kann. Dieser zweiten Sichtung können Beobachtungsaufträge oder Leitfragen voran gestellt werden, anhand derer der Film im Anschluss ausführlich diskutiert und analysiert wird. Diese Vorgehensweise, die aus naheliegenden Gründen für einen Langfilm nur schwer zu verwirklichen sein wird, erfüllt eine der wichtigsten Kriterien der filmästhetischen Bildung: das Recht, einen Film zunächst vorurteilsfrei und ohne zu erfüllende „Aufträge“ genießen zu dürfen, bevor die Analysephase beginnt.

 

Wo finde ich Kurzfilme für den pädagogischen Einsatz?

Die Nachfrage nach Kurzfilmen für den Einsatz in Kindestagesstätten, Schulen und in der freien Bildungs- und Jugendarbeit ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Wer nach passenden Kurzfilmen sucht, stößt schon bei einer flüchtigen Internetrecherche auf eine fast unendliche Zahl von Filmen, die in Frage zu kommen scheinen. Allerdings sollte man sich davor hüten, das erstbeste Suchergebnis direkt in der Schule vorzuführen, denn die Frage, ob die Nutzung eines Kurzfilms, den man bei YouTube oder Vimeo gefunden hat, im Unterricht legal ist, ist für den Laien kaum zu beantworten. Dabei ist die Verwendung von YouTube im Unterricht grundsätzlich durchaus gestattet, das Problem besteht viel eher darin, dass nicht nachvollziehbar ist, ob ein Film legal oder rechtswidrig auf die Plattform gelangt ist. Wurde ein Kurzfilm ohne das Wissen der Rechteinhaber illegal bei YouTube hochgeladen, dann machen sich auch diejenigen einer Urheberrechtsverletzung strafbar, die den Film im Unterricht zeigen. Mehr zu Urheber- und Vorführrechten hier: https://www.wer-hat-urheberrecht.de

Doch nicht nur die unsichere Rechtslage spricht dagegen, Kurzfilme für den Unterricht über ungesicherte Kanäle zu beziehen. Neben der oft schlechten Bild- und Tonqualität ist es vor allem der Mangel an pädagogischem Begleitmaterial, der dafür spricht, sich Kurzfilme für den Einsatz in der Schule lieber auf anderen Wegen zu besorgen.

Wer nachhaltig denkt und Kurzfilme mehr als einmal in den Unterricht integrieren möchte, der ist mit einer Kurzfilm-DVD, wie sie inzwischen von verschiedenen Institutionen (z.B. die Bundeszentrale für politische Bildung und der Bundesverband Jugend und Film) angeboten wird, gut bedient. Der große Vorteil solcher Kompilations-DVDs ist es, dass sie meist die nötigen Lizenzen mitbringen, um sie in der Schule (auch mehrfach und vor größeren Gruppen) einsetzen zu können. Die Möglichkeit zur Recherche und zur kostenpflichtigen Ausleihe bieten auch kirchliche und lokale Medienstellen und natürlich kommerzielle Anbieter wie das Unternehmen Methode Film, das sich auf die Arbeit mit Kurzfilm spezialisiert hat und zu jedem Film ausführliche Begleitmaterialien anbietet.

Eine weitere – sogar kostenlose – Möglichkeit bieten die Bildungsserver der verschiedenen Bundesländer, die – neben vielen cineastisch weniger aufregenden Lehrfilmen – oft auch einige Kurzfilme mit Bildungslizenz im Angebot haben. Ebenfalls kostenlos können Lehrer*innen Filme streamen, die die Bundeszentrale für politische Bildung bzw. einzelne Festivals im Programm haben. So bietet DOK Leipzig, das Int. Leipziger Festival für Animations- und Dokumentarfilm seit einiger Zeit Lehrer*innen verschiedene kurze Dokumentarfilme als Stream für die nicht-kommerzielle Nutzung an, die allesamt mit umfassendem medienpädagogischen Material versehen sind.

 

BOY (Ginan Seidl, Yalda Afsah, 2015) – Teil des Angebots von DOK Bildung (Filmvermittlungsabteilung von DOK Leipzig, bietet mit DOK Online verschiedene Kurzfilme für den pädagogischen Einsatz an) dok-leipzig.de/dok-bildung

 

Eine gute Recherchemöglichkeit bietet der Bundesverband Deutscher Kurzfilm (AG Kurzfilm), der Lehrenden die Möglichkeit gibt, mehr als 586 Kurzfilme aus Deutschland passwortgeschützt online zu sichten, um dann gezielt eine Vorführgenehmigung bei den Rechtinhaber*innen (zu denen auch der Kontakt vermittelt wird) zu erwirken. Auch Agenturen wie die Kurzfilm-Agentur Hamburg oder interfilm Berlin bieten (gegen eine Gebühr) ihre Dienste für die gezielte Filmsuche und -ausleihe an.

Darüber hinaus gibt es im Internet einige weitere Adressen, bei denen man preisgekrönte Kurzfilme streamen kann, deren Rechtslage eindeutig geklärt ist. Kuratierte Kurzfilm-Portale bieten eine Vielzahl herausragender (aber oft fremdsprachiger) Kurzfilme temporär online an. Gute (kostenfreie) Adressen sind z.B. shortoftheweek.com, shortfil.ms oder die Rubrik Op-Docs der Webseite der New York Times (nytimes.com/video). Mit etwas Glück kann man auch in den Mediatheken der Rundfunkanstalten fündig werden. Generell sollte man sich bewusst sein, dass hier Spontanität gefragt ist: Viele dieser Angebote sind nur temporär verfügbar und damit man nicht im Klassenzimmer eine unangenehme Überraschung erlebt, wenn man einen Film ankündigt, der längst nicht mehr online ist, lohnt sich ein genauer Blick auf die Verweildauer des Streams.

Außerdem muss bedacht werden, dass jenseits pädagogischer Portale keine vorbereiteten pädagogischen Materialien verfügbar sind und man sich als Pädagog*in der Analyse ohne Hilfestellungen ‚stellen‘ muss.

 

Filmauswahl und Anmoderation

Die Filmauswahl orientiert sich selbstverständlich an der Zielgruppe und der pädagogischen Zielsetzung. Da viele Kurzfilme keine FSK-Freigabe bzw. FBW-Bewertung haben, sollten Pädagog*innen die Filme immer unbedingt vorher selbst sichten, um beurteilen zu können, ob sie für die konkrete Zielgruppe geeignet sind.

Als Faustregel gilt: Je jünger das Publikum, desto kürzer sollten der oder die Kurzfilme sein, die gezeigt werden. Für Grundschulkinder, die im Normalfall noch im 45 Minuten Rhythmus unterrichtet werden, reicht es absolut aus, wenn der Filmteil insgesamt 10-15 Minuten lang ist, so dass mit Vor- und Nachbereitung eine Schulstunde gut gefüllt werden kann. Ob man sich dabei auf einen Film beschränkt, oder mehr Filme zeigt, hängt davon ab, wie lang die Filme sind und ob es eher um den Vergleich oder um die fokussierte Auseinandersetzung gehen soll.

Es versteht sich von selbst, dass nur Filme gezeigt werden sollten, die das Zielpublikum auch verstehen kann. Das bezieht sich sowohl auf die im Film verwendeten Sprachen als auch auf die Thematik. Ob ein fremdsprachiger Film mit deutschen Untertiteln in Frage kommt, kann man ab einem Alter von 11-12 Jahren vorsichtig ausprobieren, wenn die Texte nicht allzu komplex sind und die Kinder genug Zeit zum Lesen haben. Auch hier bietet die Kürze einen entscheidenden Vorteil, macht es doch einen erheblichen Unterschied, ob Kinder 10 oder 90 Minuten Untertitel lesen ‚müssen‘. Ein bisschen schwieriger einzuschätzen ist, ob ein Film inhaltlich für die Altersgruppe geeignet ist. Aus meiner Erfahrung kommt es hierbei weniger auf das Thema an sich als auf die filmische Herangehensweise an. So gibt es eine ganze Reihe von wunderbaren Kurzfilmen, die sich mit ‚schweren‘ Themen wie Krieg, Krankheit oder Tod auseinandersetzen. Dass sie dennoch durchaus für Kinder geeignet sind, liegt daran, dass sie aus einer kindlichen Perspektive heraus erzählen und – anders als viele kommerziell ausgerichtete Kinderkinofilme – keiner auf Spannung und Emotion geeichten Standard-Dramaturgie folgen.

Ist die Filmauswahl abgeschlossen, sollte die Unterrichtseinheit vorbereitet werden. Kann dabei auf Begleitmaterial zurückgegriffen werden, sind darin häufig kurze vorbereitende Fragen und Hinführungen beschrieben, die das Publikum sowohl thematisch als auch in Hinblick auf die Filmsprache auf den Film vorbereiten. Generell sollte VOR der Vorführung immer eine kurze Information stehen, um welche Art von Film es sich handelt. Gerade wenn ein Dokumentarfilm gezeigt wird, lohnt sich der Hinweis darauf, dass es sich hier um eine reale Geschichte handelt. Sofern Hintergrundinformationen (z.B. Interviews mit dem Filmteam) verfügbar sind, sollten diese gesammelt werden, um gegebenenfalls auf Fragen nach dem Produktionshintergrund oder der Intention der Autor*innen antworten zu können. Wichtig ist es, in der Anmoderation immer eine Verbindung zum Alltag der Zuschauer*innen herzustellen, bzw. kurz die eigenen Beweggründe zu nennen, die zur Auswahl dieses Filmes geführt haben.

 

Beobachtungsaufgaben – ja oder nein? Und wenn ja, wie?

Die sehr grundsätzliche Entscheidung, ob man seinem Publikum vor der Sichtung eine (oder mehrere) Beobachtungsaufgabe(n) mit auf den Weg gibt, sollte jeder selbst treffen. Dafür spricht, dass man auf diese Weise die Aufmerksamkeit der Zusehenden auf bestimmte Aspekte des Films (sowohl thematische als auch filmsprachliche) richten kann. Dagegen, dass eine unvoreingenommene Sichtung auf diese Weise erschwert wird und es dem Publikum schwer gemacht wird, den Film einfach auf sich wirken zu lassen. Die perfekte Lösung dieses Dilemmas ist die bereits angesprochene doppelte Sichtung des Films, die gerade im Kurzfilmbereich gut machbar ist.

Die Beobachtungsaufgaben sollten sich auf inhaltliche und filmsprachliche Elemente beziehen. Dabei empfiehlt es sich, das Publikum in Kleingruppen aufzuteilen, so dass jede Kleingruppe gemeinsam um jeweils eine oder zwei Fragen kümmern kann. Die verschiedenen Aspekte der Beobachtungen können dann im Gespräch nach dem Film zu einer komplexen Analyse zusammen geführt werden.

Dabei sollten die Aufgaben präzise, aber offen (und natürlich dem Alter der Schüler*innen gemäß) formuliert sein.

 

Beispiele für inhaltlich fokussierte Aufgaben:

  • Welche Geschichte erzählt der Film? Um welche Themen geht es?
  • Wer sind die handelnden Personen? Wie heißen sie und was zeichnet sie aus?
  • Was ist der Ausgangspunkt der Geschichte? Wie hat alles angefangen?
  • Wie entwickelt sich die Handlung? Gibt es Wendepunkte? Wenn ja, welche sind das?
  • Zu welchem Schluss kommt der Film? Lässt sich ein Fazit oder eine Moral ableiten?

 

Um sich auf filmsprachliche Aspekte zu konzentrieren, können folgende Bereiche näher untersucht werden:

  • Konzentriert euch auf die Bilder und die Bildgestaltung! Wie setzt der Film seine Protagonisten/Figuren ins Bild? Wie arbeitet der Film mit Licht und Farben?
  • Hört genau hin und schließt ab und zu mal kurz die Augen! Wie ist die Ton-Ebene des Films gestaltet? Gibt es einen Kommentar? Wie ist der Kommentar im Film integriert und welche Funktion erfüllt er?
  • Gibt es Musik? Wenn ja welche und wie wirkt sie auf euch? Erinnert ihr euch an einzelne Szenen, in denen die Musik euch besonders stark berührt hat? Beschreibt diese den anderen und schaut sie euch gegebenenfalls noch einmal gemeinsam an!
  • Um den Schnitt, bzw. die Montage näher zu betrachten, ist es meist am besten, das an einer Beispielszene zu tun, die ganz bewusst daraufhin untersucht wird. Im Filmverlauf ist es für Kinder oft sehr schwer, die Montage bewusst wahrzunehmen.

 

Natürlich müssen diese beispielhaften Fragen auf den jeweiligen Film, das Unterrichtsziel bzw. Alter und Vorwissen des Publikums abgestimmt gestellt werden (und können auch deutlich konkreter auf den Film eingehen als diese Beispielfragen). Die Bearbeitung der Beobachtungsaufträge sollte nach einer allgemeinen Frage- und Feedbackrunde direkt im Anschluss an den Film erfolgen und kann zwischen 10 und 40 Minuten dauern. Es ist sinnvoll, die Ergebnisse in Stichworten an der Tafel zu visualisieren, um die verschiedenen Beobachtungen im Anschluss zu einer gemeinsamen Analyse verknüpfen zu können.

 

Die Vorteile von Beobachtungsaufgaben sind:

  • Die Aufgaben führen zu einem aktiven Sehen statt zu passivem Filmkonsum.
  • Konkrete Anknüpfungspunkte für das Gespräch nach der Vorführung
  • Die Kraft der Gruppe nutzen – viele Augen sehen mehr als zwei!
  • Die Fokussierung auf verschiedene Elemente führt zu einer Vielfalt von Erkenntnissen
  • Die gezielte Konzentration auf die Filmsprache lenkt die Wahrnehmung
  • Die Ansprache und Aktivierung einzelner Schüler*innen mit konkreten Aufgaben

 

Die Stille nach dem Film vermeiden – weitere Praxistipps

Trotz sorgfältigster Planung folgt nicht immer automatisch eine engagierte Diskussion auf die Filmvorführung. Gerade wenn ein Kurzfilm eine Herausforderung für das Publikum war, kann es passieren, dass sich direkt nach dem Film niemand mit einem ersten Statement aus der Deckung wagt. Für diesen Fall kann es nicht schaden, ein paar Kniffe in petto zu haben, um die Schüler*innen aus der Reserve zu locken. Bewährt hat sich zum Beispiel die einfache Ja/Nein-Frage: Wem hat der Film gefallen? (Wahlweise auch: Wem hat der Film nicht gefallen?). Gerade weil man sich hier auf den ersten Blick nur kurz melden muss, beteiligt sich meist jeder. Nun kann die Moderation diejenigen, die ihre Wertung abgegeben haben, behutsam nach den Gründen für die Ablehnung oder die Wertschätzung fragen.

 

Hilfreich sind auch Fragen, die nicht der direkten Filmanalyse dienen, sondern eine Verbindung zwischen Film und Publikum herstellen:

  • War schon mal jemand von euch in einer ähnlichen Situation?
  • Habt ihr etwas erfahren, das ihr noch nicht wusstet? Was war das?
  • Könnt ihr nachvollziehen, wie die Personen im Film reagieren?

 

Sollten thematische Fragen das Publikum zunächst nicht zu einer Reaktion ermuntern, ist es gegebenenfalls sinnvoll, stattdessen eher zunächst die filmsprachliche Umsetzung zu fokussieren und sich zu fragen, wie und warum eine bestimmte Szene so gefilmt wurde oder was die Gründe für die Musikauswahl, die Dramaturgie oder eine bestimmte Szenenabfolge sein könnten.

Ältere Schüler*innen (ab ca. 6. Klasse) können auch gut in die Moderation oder die Kurzfilmauswahl eingebunden werden. Denkbar ist auch ein Programm aus unterschiedlichen Filmen, das in Eigenverantwortung von der Gruppe oder einer Kleingruppe zusammengestellt wurde. Wenn hinter jedem Kurzfilm empathische Filmpat*innen stehen, können Jugendliche die Stärken und Schwächen der verschiedenen Filme miteinander verglichen, ohne dass sich die Pädagog*innen selbst mit ihrer persönlichen Sicht zu stark verorten müssen. Eine gute Übung ist auch ein Vergleich zwischen zwei oder mehr unterschiedlichen Kurzfilmen zum gleichen Thema.

Der Phantasie sind in der pädagogischen Arbeit mit Kurzfilmen kaum Grenzen gesetzt. Im Idealfall übernehmen Kurzfilme in der Schule viele Aufgaben. Sie können einen Einstieg in ein neues Thema oder eine Vertiefung eines bereits bearbeiteten Themenfeldes ermöglichen, sie ermöglichen vielfältige Perspektivwechsel, können Diskussionen anstoßen und tiefere Einblicke in bisher unbekannte Filmsprachen und -genres ermöglichen. Last but not least können Kurzfilme Gegenstand einer genauen Filmanalyse sein, bei der sowohl filmsprachliche, ästhetische Elemente, als auch Narration und Dramaturgie genauestens untersucht werden können – ohne dass dafür Stundenpläne geändert werden müssen oder schulische ‚Überstunden‘ drohen.

 

 

Linkliste:

Veranstaltungstipps und Ansprechpartner in Sachen Film/Kurzfilm in der Schule:

kinofenster.de/lehrmaterial/veranstaltungen/

visionkino.de/schulkinowochen/

bjf.info/veranstaltungen/termine.htm

 

Kurzfilm Kompilationen

Kurzfilm macht Schule

18 Filme mit Arbeitsmaterialien

bpb.de/shop/multimedia/dvd-cd/173777/kurzfilm-macht-schule-18-filme-mit-arbeitsmaterialien

 

Kurzfilme für Kinder – Mit Prädikat!

Vier verschiedene DVDs versammeln fast 40 ausgezeichnete für Kinder aller Altersgruppen

bjf.clubfilmothek.de/filme.php?id=2930439&krit=f&fff=Kurzfilme+f%C3%BCr+Kinder&fwo=tit

 

Anima for Kids 1 und 2

Aus dem Programm von DOK Leipzig stammen zwei DVDs mit Animationsfilmen für Kinder aller Altersstufen.

absolutmedien.de/film/6503/Noch+mehr+Anima+fuer+Kids

 

Cinemanya – Filmkoffer für geflüchtete Kinder und Jugendliche

Neben 20 deutschsprachigen Spielfilmen mit arabischen, persischen (Dari) und deutschen Untertiteln/Sprachfassungen enthält der Filmkoffer auch zwei non­verbale Kurzfilmprogramme.

bjf.info/projekte/cinemanya

 

Kurz und gut macht Schule

Zwei DVDs des Goethe-Instituts als abwechslungsreiche Grundlage für den Unterricht (DaZ oder DaF), die aus lizenzrechtlichen Gründen allerdings nur außerhalb Deutschlands genutzt werden kann.

goethe.de/ins/us/bos/prj/kgs/deindex.htm

 

Kurzfilme im Internet/ in Mediatheken

Warum Armut?

Das internationale Dokumentarfilmprojekt versammelt 15 Kurzfilme, die Aspekte von Armut und Ungleichheit aufzeigen.

bpb.de/mediathek/207565/warum-armut

 

Filmpraktisches Projekt “Mix it!”

Einheimische und geflüchtete Jugendliche drehen kurze Videoclips rund um das Thema Identität

bpb.de/mediathek/232684/filmprojekt-mix-it

 

DOK Bildung

Die Vermittlungsabteilung von DOK Leipzig bietet mit DOK Online verschiedene Kurzfilme für den pädagogischen Einsatz an.

dok-leipzig.de/dok-bildung

 

Bildungsserver

Die Suchmaschine für Bildungsmedien für die Schule und berufliche Bildung.

bildungsserver.de

 

Bundesverband Jugend und Film

Verkauf und Verleih einer breiten Palette qualitativer Kinder- und Jugendfilme, zum Teil in didaktisch aufbereiteten Editionen.

bjf.info

 

Evangelisches Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit

Verkauf und Verleih von Spiel- und Dokumentarfilmen mit Begleitmaterial zum Themenfeld Dritte Welt, Nord-Süd-Konflikt und Entwicklungspolitik.

ezef.de

 

Methode Film

Verkauf von Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilmen mit Empfehlungen nach Unterrichtsfächern und Klassenstufen.

methode-film.de

 

100 Kurzfilme für die Bildung

Empfehlungsliste mit einer Auswahl von 100 herausragenden Kurzfilmen, inkl. Didaktischer Hinweise und Kontaktinformationen zu Verleihern.

ag-kurzfilm.de/de/filmbildung