Deutsche Kurzfilmpreise 2020 vergeben

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DER NATÜRLICHE TOD DER MAUS © Katharina Huber

Am 25. November wurden im Kino International in Berlin die Deutschen Kurzfilmpreise 2020 verliehen. Gastgebende Hochschule war in diesem Jahr die DFFB Berlin. Im Corona-Jahr fand dies natürlich unter Pandemiebedingungen statt – alle Laudarot*innen und Preisträger*innen wurden per Livestream zugeschaltet. Erstmals konnten alle Interessierten die Veranstaltung im Internet live miterleben.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters sagte in ihrer Festrede: „In diesen schweren Zeiten der pandemiebedingten Reise- und Kontaktbeschränkungen stillt der Film das Bedürfnis nach neuen Erfahrungen, öffnet er Horizonte, nährt er Visionen und Ideen.“

Die Filmschaffenden, die am Mittwochabend mit dem Deutschen Kurzfilmpreis ausgezeichnet wurden, freuen sich über jeweils 30.000 €. Über die goldene Lola für den besten Kurzspielfilm bis 10 Minuten freute sich Jannis Alexander Kiefer für seinen Film MEETING. – die Jury befand: „Im weltweiten Jahr des Homeoffice setzt Jannis Alexander Kiefer dem Zoom-Meeting das Krönchen auf: schmissige Dialoge mit komödiantisch perfektem Timing, gespielt von einem Ensemble, das nicht besser besetzt sein könnte.”

In der Kategorie Kurzspielfilm bis 30 Minuten wurde LAND OF GLORY von Borbála Nagy (DFFB Berlin) ausgezeichnet. Die Jury konstatierte „Der Film gleicht einer Parabel, die brennende Themen unserer Zeit neu verhandelt. Dabei vermag es Borbála Nagy, das vordergründig karikierte Geschehen in eine europäische Dimension zu übertragen. Ein großartiger Kurzfilm mit klaren Bekenntnissen für Aufrichtigkeit und Zivilcourage!”

In der Kategorie Experimentalfilm ging der Deutsche Kurzfilmpreis an UNTITLED SEQUENCE OF GAPS von Vika Kirchenbauer. Die Jury begründete ihre Entscheidung: „Vika Kirchenbauers beeindruckender Essayfilm breitet sich multiperspektivisch aus wie ein unterirdisches Wurzelgeflecht – zwischen fragiler Subjektivität und Lichttheorie, zwischen Heimat und Hexenverbrennung, zwischen Sonnenfinsternis und Fastnacht.”

Als bester Animationsfilm wurde DER NATÜRLICHE TOD DER MAUS von Katharina Huber ausgezeichnet. Die Jury lobte: „Mit der bitterbösen Animation DER NATÜRLICHE TOD DER MAUS entblößt Katharina Huber eine Gesellschaft, die im tagtäglichen Widerspruch vom gleichzeitigen Streben nach Weltverbesserung und Selbstverwirklichung so langsam moralisch verhärmt. Konsequent und enorm präzise in Text und Ton entwickelt ihre Zeichen- und Collagetechnik im Zusammenspiel mit einer herausragenden Soundebene einen unwiderstehlichen Sog mitten hinein ins Zentrum unserer aktuellen Befindlichkeit.”

Als bester Dokumentarfilm wurde Roxana Reiss’ ALTURAS prämiert – die Jury bemerkte: „Das Erleben in diesem sensiblen dokumentarischen Film liegt in der direkten Körperlichkeit der Kameraarbeit und Montage. Sensibel und eigenwillig ist das Zusammenspiel der beiden. Zugleich im Stil des Direct Cinema und mit der Haltung des Cinéma vérité – Regie, Kamera und Schnitt liegen in Roxana Reiss‘ Hand. So ist ein sinnlicher Film auf 16mm entstanden, der jenseits von Klischees der Wirklichkeit der indigenen Gemeinde eine Stimme und einen Körper gibt: eine »Echo Chamber«. Von den Höhen, den Alturas – ein Film, der nachhallt. Präzision.”

Der Sonderpreis für Filme von 31 bis 78 Minuten Lauflänge, der mit 20.000 € dotiert ist,  ging an Ann Carolin Renninger für MAMAN MAMAN MAMAN (Regie und Drehbuch: Lucia Margarita Bauer). Hierzu befand die Jury: „MAMAN MAMAN MAMAN ist eine kraftvolle Suggestion vom Leben, umgesetzt mit den cinematographischen Mitteln der Lust – keine Regel gilt, alles ist möglich. Das Leben ist ein Fest. Der Tod ein wunderbarer Teil davon. Ein Album wird zum Leben erweckt. Die Künstlerin Lucia Margarita Bauer konstruiert ihren eigenen Ablauf der Geschichte durch die Dekonstruktion und Neuorganisation von Ereignissen und Objekten. Sie gestaltet die Hierarchie der Bedeutungen. Maman Maman Maman ist eine mögliche zeitgenössische Antwort auf die Suche nach Autonomie.”

Wir gratulieren allen Preisträger*innen ganz herzlich!

Weitere Informationen, auch zu allen Nominierten unter: www.deutscher-kurzfilmpreis.de

 

Beitragsbild: Deutscher Kurzfilmpreis 2020 – Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Moderator Tim Oliver Schultz © BKM /Foto Christian Schulz