Neues vom Super-8-Film

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Neues vom Super-8-Film

Obwohl der Super-8-Film heute kaum noch eine Rolle spielt, da der Amateurmarkt längst von der Digitalisierung ergriffen ist, gibt es doch noch eine kleine, lebendige Filmszene und immer mal wieder Neuigkeiten von den Filmherstellern.

So hat Kodak kürzlich einen neuen Super-8-Film auf den Markt gebracht, der den bisher letzten Farbumkehrfilm von Kodak, den Ektachrome 64T, ersetzt. Der neue Ektachrome 100D Color-Umkehrfilm reagiert damit auf das Drängen der Super-8-Gemeinde, die insbesondere mit den Farben des Ektachrome 64T nicht zufrieden war. Die neue Emulsion hat nicht nur ein feineres Korn, sondern verfügt auch über intensivere und wärmere Farben als der 64T.

Wie sich dem Namen entnehmen lässt, ist der neue Film lichtstärker (100 ASA), aber im Unterschied zum Vorgänger auf Tageslicht kalibriert (D=Daylight). Dies bedeutet, dass man in Kunstlichtumgebungen entweder Tageslichtlampen einsetzen muss oder einen Filter aufschraubt, der aber die Lichtempfindlichkeit um etwa 2 Blenden auf 25 ASA reduziert. Wie sein Vorgänger wird der 100D mit dem weit verbreiteten und unkomplizierten E-6-Prozess entwickelt. Ohne Entwicklung kostet die neue Kassette ca. 15 und mit Entwicklungsgutschein ca. 26 €.

Bezüglich Farbsättigung und Schärfe soll die neue Emulsion an die Qualität des alten K40-Film heranragen. Laut Berichten aus der Szene ist dies zwar eine Verbesserung, doch trauert man immer noch dem beliebten K40 nach (1965-2007). Mit Kodachrome ist nun aber endgültig Schluss, denn das letzte Entwicklungslabor – die Firma Dwayne’s in Kansas – wird Ende 2010 die Entwicklung mit dem K-14-Prozess einstellen. In Deutschland ist der 30. November Annahmeschluss. Wer noch K25- oder K40-Kassetten im Kühlschrank lagern hat, sollte diese Filme also möglichst bald verbrauchen!

Eingefleischte Super-8-Fans verfolgen sicherlich mit Interesse die Geschäftspolitik von Kodak was die Super-8-Konfektionierung angeht, doch da Kodak sein Netz der Annahmestellen und Entwicklungslabors geschlossen hat, ist die Abhängigkeit von oder Bedeutung des “gelben Riesen” längst nicht mehr so groß. Es gibt weltweit alternative Super-8-Filmanbieter und private Entwicklungslabors. Auch der Ektachrome 100D ist kein Unbekannter, da es sich um eine 16mm-Emulsion handelt, die bereits zuvor von Spezialfirmen in Super-8-Kassetten konfektioniert wurde. Neu und interessant ist lediglich, dass Kodak überhaupt noch einmal in diesem Sektor aktiv wird.

Weltweit werden etwa 20 verschiedene Filmsorten für Super-8-Kameras angeboten. Die Bandbreite des Filmangebots ist dabei sogar größer als zur Zeit des Super-8-Booms. So ist die Auswahl an Schwarz-Weiß-Filmen ebenso größer wie die Bandbreite der Lichtempfindlichkeiten (bis zu 1000 ASA) und gibt es auch verschiedene Negativfilmsorten auf diesem dezentralisierten Markt. Eine Abhängigkeit blieb aber bestehen, nämlich die Abhängigkeit von Filmherstellern selbst. Denn bei den Filmsorten und Varianten für Super-8-Kameras handelt es sich lediglich um Konfektionierungen von Meterware, die von Filmherstellern für den 16mm- und 35mm-Markt produziert wird. Und das sind nicht mehr viele!

Eine Alternative zu den Kodak-Emulsionen bietet immer noch das Filmmaterial von Fuji. In der Anfangszeit des Super-8-Films ist es als Single-8-Film auf den Markt gekommen und war mit Kameras für Kodak-Kassetten nicht kompatibel. Dabei hatte die Single-8-Kassette Vorteile: der Film wurde nicht – wie bei Kodak – seitlich versetzt auf der gleichen Achse, sondern wie in einer Musikkassette auf einer anderen Achse ohne Versatz wieder aufgewickelt. Auch war das Acetat-Trägermaterial stabiler als der Kodak-Träger.

Inzwischen wird das Filmmaterial wieder angeboten und zwar in Kodak-Kassetten. Konfektioniert wird es von der Firma GK-Film (Bielefeld), deren Inhaber Gottfried Klose gemeinsam mit Frank Bruinsma (Super 8 Reversal Lab, Rotterdam) die Weiterverarbeitung von Fuji Velvia Professional 35mm-Rohmaterial hierfür entwickelte. Die Kassetten werden unter der Bezeichnung Cinevia Super 8 angeboten.

Cinevia hat eine Lichtempfindlichkeit von 50 ASA und ein sehr feines Korn. Im Unterschied zum alten K 40, handelt es sich aber, wie der Ektachrome 100D, um einen Tageslichtfilm. Das heißt, feines Korn und hohe Schärfe werden mit dem Nachteil niedriger Empfindlichkeit erkauft. Von Vorteil wiederum ist, daß auch dieser Film nach dem E6-Prozess entwickelt werden kann. Die 15m-Kassette wird für knapp 24 € Euro (33 € inkl. Entwicklung) angeboten.

Der systembedingt ungleichmäßige Filmandruck der Kodak-Kassette bei der Belichtung in der Kamera läßt sich durch eine andere Erfindung von GK-Film korrigieren: eine einsetzbare Filmandruckplatte, die eine gleichmäßig scharfe Belichtung des Bildfeldes verspricht. Die Entwicklung geht aber noch weiter: GK-Film hat eine eigene Kassette mit präziser Bildführung entwickelt, die marktreif ist und für diesen Herbst angekündigt wurde. So gibt es also, erstaunlicherweise, immer wieder Überraschungen und Neuerungen beim Super-8-Film!

rww

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