Haus für Film und Medien in Stuttgart nimmt Gestalt an

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Haus für Film und Medien Stuttgart – Entwurf ©Stadt Stuttgart / Delugan Meissl Associated Architects

In Stuttgart plant seit mehr als 10 Jahren der Verein „Haus für Film und Medien Stuttgart e.V.“ ein Haus für Film und Medien (HFM), das zu den größten Projekten dieser Art in Deutschland gehört.

Neben Film sollen auf 4500qm auf dem Gelände eines Parkhauses alle Formate des Bewegbildes von Animation über Games bis zu Virtual Reality ein Zuhause finden. Es ist als analoger und digitaler Ort für das Bewegtbild in all seinen Formen von der Vergangenheit bis zur Zukunft konzipiert.

 

Das Haus für Film und Medien (HFM) soll als Produktions‐, Präsentations‐ und Lernort dienen und die digitalen Kompetenzen der Menschen und damit die gesellschaftliche Teilhabe stärken. Als Elemente sind Labs, Studios und Workshop‐Räume für die aktive Medienarbeit sowie Kinosäle, multifunktionale Veranstaltungsräume, Ausstellungsbereiche und Gastronomie vorgesehen. Folgende vier Bereiche sind definiert: Vermittlung/Bildung, Digitale Medien, Ausstellung/interaktives Bewegtbild und Kino. Letzteres schließt auch eine Lücke, die mit der Schließung des Kommunalen Kinos Stuttgart, das eines der Flaggschiffe unter den Kommunalen Kinos in Deutschland war, im Jahr 2008 entstand.

 

Das Filmhaus ging aus der Initiative für ein neues Kommunales Kino hervor, die sich gründete als das Kommunale Kino in Folge einer Insolvenz von der Stadt abgewickelt wurde. Damals gründeten 21 Institutionen ­– praktisch alle Filminstitutionen der Region[1] – einen Verein für ein neues Kommunales Kino. Der Verein Neues Kommunales Kino e.V. machte sich für einen neuen Standort stark, aus dem der Verein für das Haus für Film und Medien hervorging. Die bundesweit einzigartige, vernetzte Vereinsstruktur bündelte die Potentiale von Forschung & Wissenschaft, Interkultur, Film- und Medien-Festivals, Kunst, Bildung und Medienpädagogik, Stadtteil- und Kinokultur. Zu den Gründungsorganisationen gehörten auch Festivals wie „Filmwinter“ (Wand 5), die „Filmschau Baden Württemberg“ (Filmbüro) und das Filmfest „Cine Latino“. Die Beteiligten erkannten wie wichtig ein nicht-gewerbliches kulturelles Kino für ihre Aktivitäten und als zentraler Katalysator für medien- und filmkulturelle Aktivitäten unabdingbar ist. Es dauerte aber 10 Jahre bis die Idee für ein neues Kommunales Kino und Filmhaus kulturpolitisch durchgesetzt werden konnte[2]. Das jetzt definitiv geplante Haus für Film und Medien soll auch die Lücke, die mit der Schließung des Kommunalen Kinos Stuttgart entstand, endlich schließen.

 

Mit dem HFM entsteht eine bundesweit einzigartige Institution für das bewegte Bild und wird das Zentrum für Film‐ und Medienkultur in Stuttgart werden. Es soll ein Identifikationsort für alle BürgerInnen Stuttgarts sein und mit seinem interdisziplinären, medienpädagogisch und kulturell hochwertigen Programm eine zentrale Kultureinrichtung, die weit über die Stadt hinausstrahlt. Etwas Vergleichbares zum geplanten HFM existiert bislang nicht.

 

Die Planung hat einige Jahre gedauert. Nach einem Grundsatzbeschluss 2020 wurde ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben, den Delugan Meissl Associated Architects aus Wien mit Wenzel+Wenzel Freie Architekten PartmbB aus Karlsruhe gewonnen haben. Deren Entwurf[3] berücksichtigt nicht nur die technischen Voraussetzungen und eine hochgradige Wandelbarkeit der Räume, sondern reflektiert mit seiner durchlässigen Fassade den Anspruch auf Transparenz und Offenheit und fördert mit hoher Aufenthaltsqualität auch die Attraktivät für die BürgerInnen als Angebot im Sinne kollektiver gesellschaftlicher Teilhabe. Auch an Nachhaltigkeit wurde gedacht. Photovoltaik und Fassadenbegrünung gehören dazu.

 

Die Ausführung des ambitionierten Vorhabens wurde dieses Jahr, am 16. Mai 2024, vom Gemeinderat beschlossen. Stuttgart will 115 Millionen Euro in das Gebäude investieren. Der Baubeginn ist für 2026 und die Eröffnung für 2029 geplant. Aktuell wird beim Kulturamt ein Planungsstab gebildet, der das Konzept des Filmhaus-Vereins in ein detailliertes Betriebskonzept überführen soll. Letzte Woche wurde ein weiterer Schritt bekannt: Im Februar 2025 beginnt Lars Henrik Gass als Gründungsdirektor mit der Arbeit.[4]

Die Umsetzung des ambitionierten Konzepts in eine Betriebsstruktur stellt den Planungsstab vor große Herausforderungen: Welche der Gründungsorganisationen benötigen Raum im neuen Haus und wie wird er verteilt. Wie können als Synergieeffekt Verwaltung und Technik kollaborativ und abteilungsübergreifend genutzt werden. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen Trägerverein und Kulturverwaltung und wie kann das Projekt gesellschaftlich eine reale kommunikative Rolle einnehmen und die BürgerInnen ‚mitnehmen‘.

Die Innovation des Konzepts liegt in der Integration seiner unterschiedlichen Bereiche. Wenn in der praktischen Umsetzung mehr als die Addition der Bereiche in einem Haus gelingt, wird das Haus für Film und Medien Stuttgart sicher als ‚role model‘ und Impulsgeber für andere Projekte zukunftsweisend sein.

 

 

URLs

Projektseite: https://hfm-stuttgart.de/de

HFM-Seite des Kulturamts: https://www.stuttgart.de/kultur/kulturservice/kulturentwicklung/haus-fuer-film-und-medien.php

 

[1] Mitglieder (Stand August 2011): Akademie der bildenden Künste, Deutsch-Türkisches Forum, Filmbüro Baden-Württemberg, FilmCommission Region Stuttgart, Forum der Kulturen, Haus des Dokumentarfilms, Landesverband Kommunale Kinos Baden-Württemberg, Linden-Museum, Merz Akademie, Stadtmedienzentrum Stuttgart, Stadtteilkino Stuttgart, Stuttgarter Jugendhaus, vhs Stuttgart und Wand 5

Beitrittskandidaten, die nach der Gründung eintraten waren u.a.: Film- und Medienfestival gGmbH mit dem internationalen Animationsfilmfestival, Künstlerhaus Stuttgart und die Filmakademie Baden-Württemberg.

Siehe auch https://hfm-stuttgart.de/de/verein#members

[2] Mit einem Grundsatzbeschluss am 5. März 2020 bereitete der Gemeinderat den Weg zur Planung und Realisierung für das Haus für Film und Medien Stuttgart.

[3] Architektonischer Entwurf (pdf) https://www.stuttgart.de/leben/bauen/bauprojekte/wettbewerb-haus-fuer-film-und-medien.php.media/278022/1005_Delugan-Meissl-Associated-Architects.pdf

[4] siehe auch: https://www.shortfilm.de/18127-2/