Ende September hat Netflix den Erwerb von vier dokumentarischen Kurzfilmen mit Promi-Appeal bekannt gegeben. Zum Netflix-Portfolio gehört jetzt THE TURNAROUND von Kyle Thrash and Proudfoot. Der Film über den Baseball-Club Philadelphia Phillies und seine Fans wurde von Higher Ground koproduziert. Higher Ground ist die Filmproduktionsfirma von Michelle und Barack Obama.
Der zweite Film ist MAKAYLA’S VOICE: A LETTER TO THE WORLD über ein autistisches Mädchen, der unter anderem beim Tribeca Filmfestival, bei Slamdance und bei den Indy Shorts Preise erhielt.
Der dritte Film ist JULIA’S STEPPING STONES – ein Film von Oscar-Preisträgerin Julia Reichert. Der autobiografische Film erzählt wie sie als Arbeitermädchen vom großen Leben träumte und von ihrer Karriere als Filmemacherin.
Nummer vier in dem Quartett der Neuerwerbungen ist THE ONLY GIRL IN THE ORCHESTRA von Emmy Preisträgerin Molly O’Brien über die Bassistin Orin O’Brien, die unter der Leitung von Leonard Bernstein als erste Frau in das New York Philharmonic Orchestra aufgenommen wurde. Der Film war für die letzten Oscars nominiert, hat aber keine Auszeichnung erhalten.
Àpropos Oscars: Da Netflix bei den letzten Academy Awards mit seinen kurzen Dokumentarfilmen ohne Nominierung blieb, wird in der Fachpresse darüber spekuliert, ob der Erwerb dieser Filme ein strategischer Zug von Netflix ist, um beim nächsten Mal wieder dabei zu sein.
Seit Jahren ist Netflix bei den Academy Awards erfolgreich in der Kategorie kurzer Dokumentarfilm vertreten gewesen (2017, 2019 und 2023 gab es sogar Oscars). Für den Streamer ist die Teilnahme wegen des Prestiges und für seine Werbestrategie wichtig. Außerdem spielt sie eine Rolle im fortgesetzten Streit zwischen Streamern und der traditionellen Kinobranche, die um das Privileg der Kinoerstaufführung („day-and-date“) fürchtet und Streamer am Liebsten von den Oscarverleihungen ausschließen würde.
Anmerkung: Kurzfilme sind einfacher bei den Academy Awards zu platzieren, denn sie müssen zur Zulassung kein einwöchiges Kinoabspiel nachweisen, wenn sie einen Preis auf einem gelisteten Festival erhalten haben.