Pixar bricht mit der Tradition des kurzen Vorfilms

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Pixar Place Signage, Disney Theme Park, Florida CC-BY-NC-2-0 c Matt Witmer

 

Seit der Veröffentlichung ihres zweiten abendfüllenden Films, „A Bug’s Life (1998)“, bündelt Pixar seine abendfüllenden Filme im Kino mit Kurzfilmen, die das Unternehmen selbst produziert.

 

Das Besondere der Pixar-Kurzfilme war, dass sie quasi eine firmeninterne Nachwuchsfördung darstellten, deren Schöpfer völlige Kontrolle und Freiheit hatten. Für die Kurzfilme erhielten MitarbeiterInnen des Pixar Animation Studios Budget und sechs Monate Zeit, um ein Team zusammenzustellen und ihren Film zu produzieren, zum Teil während sie weiterhin an Pixar-Spielfilmen mitarbeiteten.

 

Das Arrangement bot Pixar-Künstlern die Möglichkeit, originelle Geschichten in verschiedenen Animationsstilen in einem Kurzfilmformat zu produzieren. Die verschiedenen Pixar-Kurzfilme, die oft vor den Filmen laufen, waren eine gute Möglichkeit, neue Technologien und Ideen zu testen oder einem potenziellen Regisseur etwas Übung zu geben, bevor er einen abendfüllenden Film im Auftrag der Firma zu drehen.

 

Die Kurzfilme waren auf Festivals sehr erfolgreich, erhielten wichtige Preise und wurden beim Kinopublikum weltweit bekannt. 1999 brachte Disney „Toy Story 2“ von John Lasseter zusammen mit dessen „Luxo jr.“ (1986) als Vorfilm in die Kinos. Der bereits viele Jahre vor dem Kinostart hergestellte „Luxo jr.“ war der erste komplett computeranimierte Film des Studios und bahnbrechend für nachfolgende abendfüllende CGI-Filme.

Ein anderer Pixar-Kurzfilm, „Bao“, Vorfilm von „Incredibles 2“, gewann 2019 einen Oscar als Best Animated Short Film. Die Kurzfilme haben dem Studio schon drei Oscars und acht weitere Nominierungen in der Kategorie Animationsfilme eingebracht.

In ihrer Selbstdarstellung heißt es: »At Pixar, we LOVE shorts! (…) Angefangen mit Luxo Jr. haben uns Kurzfilme die Möglichkeit gegeben, Geschichten auf eine andere Art und Weise zu erzählen als unsere Spielfilme, aber oft mit einer ebenso großen emotionalen Wirkung.«[2]

Bereits im Jahr 2019 brach Disney einmal den langen Trend und brachte „Toy Story 4“ ohne Kurzfilm in die Kinos.

 

Der Rückzug der Pixar-Kurzfilme in den Kinos hängt offenbar mit dem Online-Programm SparkShorts auf Disney+ zusammen. Das Streaming-Angebot startete im November 2019 auf Disney+. Es bot Pixar-Künstlern die Möglichkeit, kurze Geschichten in verschiedenen Animationsstilen zu produzieren ­– allerdings nicht für das Kino.

2024 wurde bekannt, dass sich Pixar in Zukunft auf die Produktion von Serien fokussieren werde. Der neueste Film des Studios, „Inside Out 2“ (Alles steht Kopf 2), erschien diesen Monat ohne Vorfilm!

Gleichwohl wird heute noch in der Selbstdarstellung die ursprüngliche Idee gefeiert: »Ebenso wichtig ist, dass unsere Kurzfilme es uns ermöglichen, die nächste Generation von Geschichtenerzählern hier im Studio heranzubilden, indem wir Einzelpersonen die Möglichkeit geben, in kleineren Teams zu arbeiten und oft zum ersten Mal Führungspositionen zu übernehmen.«[2]

 

 

„Luxo jr.“ https://www.youtube.com/watch?v=6G3O60o5U7

[1] »At Pixar, we LOVE shorts! In fact, our first ventures in storytelling through film were with short films and commercials. Beginning with Luxo Jr., shorts have allowed us to tell stories in different ways than our feature films, but often with just as much emotional impact. Innovative storytelling has always been at the core of Pixar’s foundation, and our shorts allow the freedom to experiment and develop both new ways to tell stories and new technologies – many of which often then go on to be used in our feature films. Just as important, our short films also allow us to cultivate the next generation of storytellers here at the studio, letting individuals work on smaller teams and often hold leadership positions for the first time.«

[2] https://www.pixar.com/theatrical-shorts