Seit ca. einem Jahr kooperieren wir mit Indiefilmtalk, dem Podcast übers Filmemachen und möchten in loser Folge gemeinsam (kurz)filmrelevante Themen besprechen, die uns besonders am Herzen liegen.
In unserer heutigen Kooperationsfolge geht es erneut um Filmfestivals. Susanne Braun hat Victoria Leshchenko, Kuratorin aus der Ukraine (ehemals Docuday UA, derzeit DOK Leipzig) zum Gespräch getroffen. Dies ist die zweite Folge einer mehrteiligen Reihe zum Thema „Festivals in Zeiten von Krisen, Krieg und Konfrontationen“.
Filmfestivals bringen Menschen zusammen und bieten eine Plattform, um aktuelle gesellschaftliche und politische Fragen zu thematisieren. Doch wie werden die Filme ausgesucht? Wer entscheidet, welche Filme vorankommen und welche nicht? Und vor allem, an welchen Kriterien orientiert man sich bei der Entscheidung?
Mehr Offenheit für Veränderung in der deutschen Festivallandschaft
Victoria Leshchenko ist nicht nur eine erfahrene Filmfestival-Koordinatorin, sie bringt auch einen wertvollen externen Blick auf unsere hiesige Festivallandschaft mit. Durch ihre Erfahrung in der Filmfestivalarbeit in der Ukraine (vor dem russischen Angriffskrieg) kann sie zwei sehr unterschiedlicher Festivallandschaften vergleichen. So spricht sie zum Beispiel davon, dass deutsche Filmfestivals zwar gut organisiert und qualitativ hochwertig sind, jedoch wenig Offenheit für Veränderungen bieten würden. Häufig erlebt sie, dass Veränderungen und Innovationen nur langsam umgesetzt werden, während es in der Ukraine deutlich mehr Bereitschaft zur Veränderung gäbe.
Ratlosigkeit akzeptieren – Auf Krieg und Krisen gibt es keine einfachen Antworten
Auch wenn es darum geht, einen angemessenen Umgang mit sensiblen Themen zu finden, die starke Kontroversen auslösen können, bringt Victoria ihre Erfahrung ein. Als Ukrainerin und somit als jemand, dessen Heimat im Krieg ist, begreift sie die Komplexität, die ein solcher Konflikt für die Betroffenen haben kann. In Deutschland würde man immer nach klaren Antworten suchen und insgeheim den Wunsch haben, immer das Richtige zu tun. Für Victoria ist die Frage nach dem, was richtig oder falsch ist, keine, die sich so einfach beantworten lässt. Im Gegenteil, die Prämisse, mit der sie ihre Arbeit angeht, ist die Erkenntnis, dass Filmfestivals nicht die Antworten auf komplexe Konflikte liefern können, auch nicht sollten – sie sollten zum einen Wissen vermitteln und zum anderen einen Raum für Austausch und Diskussion schaffen.
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