Rückblick auf die Kurzfilmpreisträger 2013 – eine kleine Auswertung

Analyse

Wie in den Jahren zuvor liefern wir wieder einen Rückblick auf die Kurzfilmpreisträger des Vorjahres. Erfreulich ist, dass im Jahr 2013 die Zahl der Länder aus denen weltweit Kurzfilmpreisträger kamen, deutlich gestiegen ist. Weniger erfreulich ist jedoch, dass es wieder eine Preisträgerpyramide gibt, also dass nur wenige Filmtitel an der Spitze sehr viele Preise akkumulieren.

Durch die Auswertung entsteht zwangsläufig eine Art Film-Hitparade. Ein solches Ranking kann selbstverständlich nicht zur Beurteilung der künstlerischen Qualität von Filmen herangezogen werden, gibt aber Auskunft über ihre Beliebtheit – gemessen an Voten von Fachjurys und in Publikumsabstimmungen. Letztlich sind dies Marktdaten. Der Umstand der Preisakkumulation lässt sich schwerlich als Ausdruck objektiver Qualitätsurteile interpretieren.

 

Die Untersuchungsbasis

Ausgewertet wurden alle Auszeichnungen und Preise, die auf shortfilm.de in der Rubrik “Auszeichnungen” im Jahr 2013 veröffentlicht wurden. Dies waren im vergangenen Jahr etwas mehr als 1.600 Nennungen. Berücksichtigt wurden in den Meldungen selbstverständlich nicht alle Preise und Auszeichnungen, die weltweit irgendwo Kurzfilmen verliehen werden.

Regelmäßig registriert werden in unserer Rubrik “Auszeichnungen” nur die größeren Kurzfilmfestivals mit internationalen Wettbewerben. Ausschließlich nationale Festivals oder regionale Veranstaltungen bleiben in der Regel unberücksichtigt. Nationale Filmpreise, wie in Deutschland der Deutsche Kurzfilmpreis oder in Spanien die Goya-Auszeichnungen, werden jedoch erfasst.

In der Regel wurden nur die Hauptpreise registriert. Nur bei wenigen, großen Festivals wurden auch lobende Erwähnungen berücksichtigt. Auch werden, mit Ausnahme bedeutender internationaler Langfilmfestivals mit Kurzfilmwettbewerben wie Cannes, Berlin oder Sundance, nur Auszeichnungen auf Kurzfilmfestivals berücksichtigt.

Insgesamt liegen uns für 2013 Jury-Entscheidungen von mehr als 300 Festivals und Wettbewerben vor –  knapp 70 davon in Deutschland. Wegen unseres eigenen geografischen Standorts sind neben den deutschen, auch europäische Auszeichnungen überrepräsentiert. Jedoch sind alle Kontinente und Weltregionen berücksichtigt.

 

Starke Produktionsländer

Die Preisträger kommen aus 102 Herkunftsländern. Dies ist eine deutliche Steigerung gegenüber den Vorjahren (2012: 85; 2010: 70 Länder). Neu hinzugekommen sind insbesondere Filme aus arabischen und kleineren asiatischen Ländern. Die mit deutlichem Abstand größte Zahl an Auszeichnungen im Jahr 2013 entfiel auf Filme aus Deutschland (248), Frankreich (185 Preise), USA (148), Spanien (100) Großbritannien (99), Polen (61) und Belgien (60). Reihenfolge und Zahl der Preise änderten sich unter den ersten Fünf gegenüber dem Vorjahr kaum. Auffällig ist lediglich, dass im Verlauf der letzten Jahre Filme aus Großbritannien immer weniger Preise erhalten hatten, jetzt aber den alten Status wieder zurückerobern. Neu ist, dass Brasilien und Italien relativ zurückgefallen sind. Von der Gesamtsumme der Auszeichnungen entfielen wieder mehr als die Hälfte auf Filme aus den sieben oben genannten Ländern (ca. 900).

Unter den kleineren Ländern – bezüglich ihrer Einwohnerzahl oder ihrer Kurzfilmproduktion – waren 2012 insbesondere Belgien und Polen erfolgreich. Die hohe Zahl der Preise für Filme aus Belgien ist wie bereits 2012 einer Koproduktion zu verdanken. Die belgisch-französisch-niederländische Koproduktion OH WILLY … holte, nach 27 Auszeichnungen im Jahr 2012, 2013 noch einmal 9 Preise.

Ähnliche Effekte sind aber auch in Ländern mit hohem Produktionsvolumen zu bemerken. Zugunsten Spaniens wirkte sich der fortgesetzte Erfolg von UNA HISTORIA PARA LOS MODLIN (Sergio Oksman) und der neue Erfolgsfilm MISTERIO von Chema Garcia Ibarra aus. Einen ähnlichen Effekt erzielte Tomasz Popakul mit ZIEGENORT für Polen, während beachtliche zehn Preise für RABBIT AND DEER von Péter Vácz zwar Ungarn ins Spiel brachte, aber nicht in die obersten Ränge beförderte.

Die Herkunftszahlen der Preisträger reflektieren nicht nur das Produktionsvolumen an Kurzfilmen, sondern hängen auch von der Zahl der Festivals im betreffenden Land ab. Denn, insofern einheimische Filme größere Chancen auf Auszeichnungen im eigenen Land haben, hängt die Zahl preisgekrönter Filme auch von der Festivaldichte im jeweiligen Land ab. Beispiele hierfür sind Deutschland, Frankreich, die USA und Spanien.

Interessant sind auch die Auslandserfolge. Hier ergibt sich folgendes Bild: am Erfolgreichsten im Ausland waren 2013 Filme aus Frankreich (116 Auszeichnungen), Deutschland (76), Großbritannien (73), Spanien (56), USA (55) und Belgien (49). Dies ist fast dieselbe Reihenfolge wie 2012. Lediglich haben Deutschland und Großbritannien die Plätze getauscht und hat Frankreich zahlenmäßig zugelegt, während die USA im Ausland gegenüber 2012 kräftig verloren haben.

Unter den Ländern, die keine so ausgeprägte eigene Kurzfilmfestivalstruktur wie Deutschland, Frankreich oder Spanien haben, fallen Polen und Kanada mit überproportionalen Erfolgen auf. In Kanada sind es wieder die Produktionen des National Film Board, aber auch unabhängige Produktionen, die weltweit erfolgreich sind. Aus Polen sind insbesondere Filme von Filmschulen maßgeblich vertreten. Auf eine insgesamt gute Kurzfilmstruktur in einem kleinen Land zurückzuführen ist das erfolgreiche Abschneiden von Schweizer Filmen (48 Preise im Jahr 2013).

 

Inland- vs. Auslandserfolge

In den vergangenen Jahren erhielten im jeweils eigenen Land Filme aus Brasilien und den USA deutlich mehr Preise als im Ausland. Dies ist auch jetzt noch so, aber der Abstand hat sich verringert. Auch Österreich und Frankreich gehörten zu den Ländern, in denen eigene Produktionen in der Heimat mehr Auszeichnungen erhalten als im Ausland. Diese Situation hatte sich 2012 verändert. Abgesehen von Ländern ohne Kurzfilmfestivals oder Filmpreisen gab es keine große Diskrepanzen zwischen In- und Auslandserfolg mehr.
2013 erhielten, neben den USA und Brasilien, nur Filme aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Deutschland 2013 mehr Preise im In- als im Ausland. Deutschland ist aber statistisch ein Sonderfall, da wir die Preise sehr vieler inländischer, auch kleinerer Festivals registrieren.  Deutsche Kurzfilme holten 2013 im eigenen Land 172 (2012: 142) und im Ausland 76 (61) Preise.

Umgekehrt waren insbesondere Filme aus Frankreich, Großbritannien, Belgien, Kanada und Russland im Ausland deutlich erfolgreicher als im Inland.

Das Verhältnis von Preisträgern aus dem eigenen Land gegenüber Filmen aus dem Ausland war 2013 wieder einmal für die Portugiesen am Ungünstigsten. Auch in der Schweiz wurden deutlich mehr Preise an ausländische als an inländische Filme vergeben. Umgekehrt wurden in den USA wieder mehr Preise an inländische als an ausländische Filme vergeben.

Unter den größeren Produktionsländern war das Verhältnis von Inland- zu Auslandserfolgen vor allem für Filme aus Frankreich, Spanien und Polen ausgeglichen. Dies, obwohl es in den betreffenden Ländern eine hohe Festivaldichte gibt und es dort entsprechend viele Chancen auf Auszeichnungen für Filme aus dem eigenen Land gibt.

 

Die beliebtesten Produktionsländer in Deutschland

In Deutschland waren im Jahr 2012 am Erfolgreichsten Filme aus Großbritannien (19 Preise), Frankreich (14 Preise), USA (8), Niederlande und Polen (je 7) sowie die Schweiz und Spanien (je 6). Bezüglich Großbritannien und Frankreich wurde ein langfristiger Trend bestätigt. Filme aus Belgien und Italien fielen hingegen 2013 auf deutschen Festivals zurück.
Am Erfolgreichsten waren deutsche Filme in den USA, Spanien und Frankreich.

 

Ländervorlieben anderswo

Französische Filme erhielten in Deutschland (17), USA (10), Italien (9) und Spanien die meisten Auslandspreise. Britische Filme waren besonders erfolgreich in Deutschland (20 Preise), USA (9) und in Frankreich (7).
Filme aus den USA erhielten breit gestreut in vielen Ländern Preise, jedoch die meisten Preise in Italien (10), Deutschland (8) und Kanada (6). Spanische Filme erhielten in Italien (8), Deutschland (7) und Frankreich (11) die meisten Auslandspreise.

Filme aus den nordischen Ländern Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden erhielten in den USA (7) sowie in Deutschland, Kanada und Spanien (je 5) die meisten Auszeichnungen.

 

Internationalität von Jury-Entscheidungen

Von den Ländern, in denen die meisten Kurzfilmpreise verliehen werden, gab es im Vorjahr bezüglich der Internationalität kaum Unterschiede. 2013 wurden in Frankreich, Italien und der Schweiz jeweils mehr als die Hälfte der Auszeichnungen an ausländische Filme vergeben. In Großbritannien, Spanien, USA und in Deutschland wurden dieses Jahr mehr Preise an einheimische Filme vergeben. Letzteres ist wiederum ein statistischer Effekt der Berücksichtigung auch kleinerer Festivals in Deutschland.

Die größte Bandbreite an vertretenen Ländern unter den Preisträgern ist in Deutschland (43 verschiedene Länder!) und Frankreich (37), gefolgt von den USA (29), Italien (26) und Spanien (21) festzustellen. Auch in anderen Ländern schreitet diese Internationalisierung deutlich fort.

 

Die international erfolgreichsten Filme des Jahres

2013 war erstmals seit langem der erfolgreichste Film kein Animationsfilm. Die meisten Preise konnte der britische Kurzspielfilm “The Mass of Men” von Gabriel Gauchet einsammeln. Die knapp 20-minütige Produktion der National Film and Television School spielt in einem Arbeitsamt und handelt von einem aktuellen Thema: die soziale Missachtung von Menschen in unverschuldeten, finanziell prekären Lebenssituationen.
Bemerkenswert ist der hohe Rang der 15 bei uns verzeichneten Preise – bis auf einen Publikumspreis – alles Jurypreise mit hoher Auszeichnung, auch von renommierten Festivals wie Locarno und San Sebastian (beide bereits 2012) oder Tampere, Molodist und Sapporo. Viele weitere Preise und Auszeichnungen sind auf der Website verzeichnet.
URL: www.gabrielgauchet.com

An zweiter Stelle der Rangliste im Jahr 2013 steht mit 11 Auszeichnungen der deutsche Kurzfilm “Stufe 3” von Nathan Nill. Die Komödie über sozialen Pflegedienst in einer Behinderten-Wohngruppe ist ein Abschlussfilm an der Hamburg Media School, der insbesondere in Deutschland und beim Publikum großen Erfolg hatte.
URL: http://mypony.pro/directors/nathan-nill/stufe-3-trailer/rgmediaschool.com/praxis/filme/2012-abschlussfilme/stufe-drei/

An dritter Stelle steht mit zehn Auszeichnungen der ungarische Animationsfilm RABBIT AND DEER von Péter Vácz. Die 2-D-Animation, die in 3-D übergeht und dies thematisiert, entstand als Abschlussfilm an der Moholy-Nagy-Universität in Budapest.
URL: http://www.rabbitanddeer.com/

An vierter Stelle folgen knapp dahinter sechs Filme mit gleich vielen Auszeichnungen (9):

  • Der Animationsfilm ZIEGENORT von Tomasz Popakul ist vielleicht der Überraschungserfolg des Jahres. Unterhaltsam, aber keineswegs spaßig oder gefällig, erzählt der Film in animierten, holzschnittartigen Zeichnungen aus der Biographie eines Jugendlichen in der gleichnamigen polnischen Kleinstadt am Pommerschen Haff.
    URL: http://ziegenort.com/
  • Der deutsche Animationsfilm WIND von Robert Loebel erzählt von Leuten, die sich in windiger Umgebung dem Wetter und Klima anpassen müssen. WIND ist der Abschlußfilm von Robert Loebel an der HAW Hamburg.
    URL: robertloebel.com/WIND
  • Ebenso viele Preise erhielt WELCOME AND … OUR CONDOLENCES von Leon Prudovsky aus Israel. Thema ist die Einwanderung russischer Juden nach Israel. Der absurd-komische Kurzspielfilm handelt von den traumatischen Erfahrungen einer Familie bei der Heimführung einer toten Tante.
    www.2teamproductions.com/en/productions/completed/Welcome-and…-Our-Condolences-by-Leon-Prudovsky/
  • Der tschechische Animationsfilm PANDAS von Matus Vizár ist eine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis Tier-Mensch am Beispiel nur im Zoo lebender Tiere. Die Koproduktion mit der Filmschule FAMU wurde unter anderem in Cannes ausgezeichnet.
    www.nutprodukce.cz
  • NASHORN IM GALOPP von Erik Schmitt in Zusammenarbeit mit Stephan Müller erhielt ebenfalls 9 Auszeichnungen. In dem Coming-of-Age-Film geht es um die Beziehungsnöte eines jungen Mannes.
    URL: kamerapferd.com/nashorn
  • Der erfolgreichste Film des Jahres 2012 teilt sich mit 9 Preisen im Jahr 2013 den vierten Platz: der Stop-Motion-Animationsfilm OH WILLY… von Emma de Swaef & Marc James Roels.
    URL: www.emmadeswaef.be/ohwilly

Auch der Film mit den zweitmeisten Preisen im Jahr 2012 ist wieder dabei: der spanische Kurzfilm UNA HISTORIA PARA LOS MODLIN (A Story for the Modlins) des brasilianischen Filmemachers Sergio Oksman erhielt 2013 noch einmal 8 renommierte Preise. Ebenso viele Preise erhielt LUMINARIS von Juan Pablo Zaramella (Argentinien), der ebenfalls 2012 an der Spitze lag.
Mit gleich vielen Auszeichnungen neu dabei ist MISTERIO von Chema Garcí­a Ibarra aus Spanien, der Anfang des Jahres auf der Berlinale an den Start ging.

 

Filmgattungen

Vergleicht man die Filme, die mehr als drei Auszeichnungen erhielten, so waren von diesen 40 Filmen zwanzig Spielfilme, fünfzehn Animationsfilme, nur drei Dokumentarfilme und zwei Filme hybrid. Die hohe Zahl an Preisen für Animationsfilme ist sicher der großen Zahl an spezialisierten Animationsfilmfestivals geschuldet. Diesbezüglich sind die anderen Gattungen benachteiligt, zumal fast alle anderen Festivals nicht gattungsgebunden sind und ebenfalls Animationsfilme an ihren Wettbewerben teilnehmen lassen. Auffällig ist die geringe Zahl an Auszeichnungen für Dokumentarfilme und das Fehlen von künstlerischen und Experimentalfilmen an der Spitze der Preispyramide.

 

Deutsche Filme

2013 waren acht deutsche Filme in der Gruppe der 40 Filme mit mehr als drei Auszeichnungen. Außer den bereits genannten Titeln waren dies: DIE SCHAUKEL DES SARGMACHERS von Elmar Imanov mit 6 Auszeichnungen (2012: 3), SONNTAG 3 von Jochen Kuhn und GRÜNES GOLD von Barbara Marheineke mit 5 Preisen sowie DIE RUHE BLEIBT von Stefan Kriekhaus, GREAT von Andreas Henn und SUNNY von Barbara Ott mit je 4 Auszeichnungen.

Zieht man die 5 Filme mit je 3 Auszeichnungen ab, so bleiben ca. 155 deutsche Filme, die jeweils nur ein bis zwei Auszeichnungen gewonnen haben.

 

Publikumspreise

Insgesamt wurden mehr als 160 Publikumspreise erfasst. Die populärsten Filme waren 2013 STUFE DREI, AVANT QUE DE TOUT PERDRE von Xavier Legrand (F), PENNY DREADFUL von Shane Atkinson (USA) und LETTRE DE FEMMES von Augusto Zanovello (F). Die deutschen Filme mit Publikumspreisen erhielten diese Preise fast ausschließlich auf deutschen Festivals.

 

Akkumulation von Preisen – auch 2013 dünne Luft an der Spitze

Bereits im Rückblick auf das Jahr 2008 stellten wir fest, dass sich die Verteilungspyramide der Preise an der Spitze stark verjüngt. Im Jahr 2009 waren es nur 15 Filme, die mehr als 4 Auszeichnungen akkumulieren konnten. Im Festivaljahr 2010 akkumulierten 54 Filme (aus 870 Preisträgern) fast ein Viertel aller Auszeichnungen.

Im Jahr 2011 verzeichneten wir etwas mehr als 1.200 Preise, die an insgesamt 884 Filme verteilt wurden. Davon erhielten 718 Filme nur je einen Preis. 18 Filme erhielten mehr als 4 Auszeichnungen.

2012 ist die Pyramide zwar flacher geworden, doch akkumulierte immer noch eine relativ kleine “Spitzengruppe” von 35 Filmen mit mehr als drei Preisen zusammen fast ein Sechstel (226) aller Auszeichnungen. Hingegen erhielten 876 Filme nur je einen Preis.

Im letzten Jahr schließlich akkumulierte eine “Spitzengruppe” von 42 Filmtiteln zusammen mehr als 253 Preise. Insgesamt 977 Filme erhielten aber nur je 1 Preis!

 

Kurzfilmpreise auf renommierten Langfilmfestivals

Früher spielten Kurzfilme auf großen Festivals, die überwiegend lange Spielfilme zeigen, nur eine Nebenrolle. Dies hat sich in den letzten Jahren geändert. Seit die meisten großen Festivals Kurzfilme nicht mehr als Vorfilm, sondern in eigenen Wettbewerben programmieren, sind diese in ihrer Filmauswahl auch experimentierfreudiger geworden. Teilnahmen und Preisverleihungen auf Langfilmfestivals wirken deshalb auf die Kurzfilmszene zurück, beeinflussen aber deren eigene Jury-Entscheidungen nicht unbedingt.

  • Berlinale (02/2013): Von den fünf im Rahmen der Berlinale ausgezeichneten Kurzfilme erhielten drei Filme später auf Kurzfilmfestivals mehrere Preise: der sehr erfolgreiche MISTERIO von Chema Garcí­a Ibarra (+7), DIE RUHE BLEIBT von Stefan Kriekhaus (+3) und LA FUGUE von Jean-Bernard Martin (+2).
  • Cannes (05/2013): Von 9 Preisträgern in Cannes hatten drei Filme anschließend Chancen auf mehrere Preise auf Kurzfilmfestivals: PANDY (Pandas) von Matus Vizár, HVALFJORDUR (Whale Valley) von Guí°mundur Arnar Guí°mundsson und KOMM UND SPIEL von Daria Belova. Der Palme d’Or Preisträger SAFE erhielt anschließend nur bei Alternativa Barcelona einen Preis.
  • Locarno (08/2013): Von sieben Auszeichnungen beim Festival in Locarno erhielt kein Film im Anschluss mehr als einen weiteren Kurzfilmpreis.
  • Rotterdam (02/2013): Einer der Preisträger erhielt später Preise auf zwei Kurzfilmfestivals.
  • Sundance (01/2013): Erfolgreich hingegen waren die Preisträger von Sundance. Vier von acht Preisträgern erhielten zwischen 2 und 5 Preisen auf Kurzfilmfestivals (darunter THE WHISTLE von Grzegorz Zariczny und IRISH FOLK FURNITURES von Tony Donoghue).
  • Venedig (09/2013): Wie bereits 2012 erhielt keiner der beiden Orrizonte-Preisträger 2013 noch einen weiteren Kurzfilmpreis, den wir verzeichnet hätten.

Die großen Spielfilmfestivals verlangen in der Regel als Teilnahmevoraussetzung eine Weltpremiere, zumindest aber eine nationale oder europäische Premiere. Kurzfilme, die dort eingereicht werden, sind erst einmal blockiert und stehen dort am Anfang (oder schlimmstenfalls gleich am Ende) ihrer potentiellen Festivalkarriere. Was die Preis-Statistik nicht zeigt, ist die Tatsache, dass Filme, die später auf Kurzfilmfestivals Preise erhalten, häufig ihre Premiere auf diesen Festivals hatten. Auffällig ist jedoch, dass im Falle des Erfolgs auf einem dieser Festivals eher selten weitere Preise auf Kurzfilmfestivals folgen – es ist vielleicht nur gerecht, wenn dann andere eine Chance bekommen!

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