Ökologische Standards für Kurzfilme

Interpretation des Themas „Green Shooting“ durch die KI Dream Lab von Canva

Mehr Nachhaltigkeit, besserer Klimaschutz, grüner produzieren – wer möchte das nicht? Doch im Produktionsalltag sieht es dann oft ganz anders aus. Aus vielerlei Gründen: manchmal, weil an allen Ecken und Kanten gespart werden muss, manchmal, weil Nachhaltigkeit in der Hektik des Drehs keinen Platz hat. Ganz oft aber auch aus purer Bequemlichkeit und Unachtsamkeit.

Spätestens seit es die „Ökologischen Standards für deutsche Kino-, TV- und Online-/ VoD-Produktionen“ gibt, reicht der gute Wille allein nicht mehr aus. Für Kurzfilmschaffende sind die „Ökologischen Standards“ vor allem dann von Bedeutung, wenn ihre Filme von der FFA und dem BKM gefördert werden. Dann sind sie Teil der Verpflichtungen, die man mit dem Fördervertrag eingeht. Bei den Länderförderern ist das Bild etwas differenzierter – einige beziehen sich auf das Regelwerk, andere fordern lediglich, dass nachhaltig produziert werden soll und wieder andere machen es erst ab einer bestimmten Höhe der Herstellungskosten zur Pflicht.

Die Einhaltung der „Ökologischen Standards“ ist durchaus eine Herausforderung. Insgesamt werden 39 Maßnahmen genannt. 22 davon müssen umgesetzt werden, der Rest sind Soll-Vorgaben. Die Muss-Standards reichen von der Selbstverpflichtungserklärung der Herstellungsleitung über den Veggie-Day bis hin zum Verbot von Einwegbatterien.

Allerdings ist die Herausforderung bei genauerem Hinschauen nicht ganz so groß, wie man beim ersten Lesen meinen könnte. Warum? Weil einige Vorgaben, wie etwa zum Drehen mit Dieselgeneratoren oder zum Setbau, für viele Kurzfilmschaffende nicht ins Gewicht fallen – und dann als eingehalten gelten.

Jedenfalls ist Vieles schon gewonnen, wenn einige Grundsätze beachtet werden.

 

Hier acht Dos & Don’ts:

Tipp 1: Ökostrom nutzen – auf Generatoren verzichten

Tipp 2: LED-Licht verwenden – auf Halogen-Scheinwerfer verzichten

Tipp 3: Bahn, Bus oder ÖPNV nutzen – auf Flüge verzichten

Tipp 4: Fuhrpark minimieren, E-Autos mieten – wenn Diesel, dann EURO 6

Tipp 5: Eigenes vorwiegend vegetarisches Catering anbieten – auf Einweggeschirr verzichten

Tipp 6: Kostüme mieten oder Second Hand kaufen – auf den Kauf bei Textildiscountern verzichten

Tipp 7: Recyclingfähiges Material verwenden – auf nicht-zertifiziertes Holz verzichten

Tipp 8: Abfall trennen – auf Einwegbatterien verzichten

 

Die meisten dieser Anforderungen sind bei Kurzfilmen leicht umsetzbar, einige haben es jedoch in sich. Beispiel Catering. Hier formulieren die Standards sehr konkrete Vorgaben, die sich allesamt gut erfüllen lassen, wenn man mit einem professionellen Caterer zusammenarbeitet. Schwierig wird es, wenn, wie bei kleineren Produktionen of üblich, Lieferdienste ins Spiel kommen. Denn welcher Pizzaservice garantiert die Regionalität der verwendeten Produkte? Und wie viele Lieferdienste verwenden tatsächlich Mehrwegverpackungen? Ein weiteres Beispiel: Holz. Hier ist der Neukauf von nicht-zertifiziertem Holz grundsätzlich untersagt. Das ist auch gut so. Problem ist nur, dass kaum ein Baumarkt sein Holz mit dem erforderlichen FSC- oder PEFC-Siegel kennzeichnet.

Was bedeutet das konkret? Ganz einfach: Wer nachhaltig und regelkonform produzieren möchte oder muss, sollte das frühzeitig mit einplanen. Hier sind alle Departments gefragt und alle müssen ihren Betrag leisten. Klare Vorgaben durch die Produktion und eine koordinierte Vorgehensweise helfen dabei.

Helfen können auch ausgebildete Green Consultants. Ihr Einsatz ist prinzipiell verpflichtend, allerdings kann innerhalb einer Ausnahmeregelung auf sie verzichtet werden, wenn genügend andere Muss-Vorgaben erfüllt werden. Green Consultants stehen Produzentinnen und Produzenten mit Rat und Tat zur Seite, kosten aber selbstverständlich Geld. Dafür übernehmen sie die CO2-Bilanzierung und das Verfassen des Abschlussberichts. Beides muss bei FFA oder BKM-geförderten Filmen gemacht werden. Hieran führt kein Weg vorbei.

CO2-Bilanzen müssen sowohl vor als auch nach der Produktion erstellt werden. Das ist vergleichbar mit einer Kalkulation und erfolgt mit dem CO2-Rechner der baden-württembergischen MfG-Filmförderung. Über den Rechner werden eine Vielzahl von klimarelevanten Daten erfasst. Das sind beispielsweise Stromverbrauch, gefahrene Kilometer, Hotelübernachtungen und vieles andere mehr. Anhand dieser Daten wird dann der Fußabdruck für die Produktion berechnet. Wer wissen will, welche Informationen abgefragt werden, kann sich leicht einen ersten Überblick verschaffen: einfach beim CO2-Rechner unter https://go.greenshooting.de/ anmelden und eine Soll-Bilanz anlegen. Diese Soll-Bilanz ist kostenlos und zeigt schon einmal, wo man mit der eigenen Produktion steht. Dagegen ist die Nutzung des Rechners für die wesentlich genauere Ist-Bilanz kostenpflichtig. Derzeit schlägt sie für eine einzelne Produktion mit rund 200 Euro zu Buche, falls kein Green Consultant an Bord ist. Sonst liegt die Lizenz pro Produktion bei 128 Euro.

Für viele geförderte Kurzfilmschaffende bedeuten die „Ökologischen Standards“ also einiges an Aufwand und in der Regel auch Mehrkosten. Für alle anderen liefern sie recht gute Impulse, wie wir unsere Kurzfilme grüner produzieren können Die MfG hat dazu auf https://greenshooting.mfg.de/praxiswissen/ zahlreiche Tipps für alle Gewerke zusammengestellt.

So oder so – grüner produzieren ist machbar und sinnvoll. Auch dann, wenn die Standards nicht verpflichtend sind. Jeder kleine Schritt zählt. Und viele dieser Schritte kosten weder Geld, noch machen sie große Mühe.