Jeffrey Katzenberg kündigt Premium Short Form Video-Plattform Quibi an – Hollywood meets Silicon Valley

[/caption] 

Der rapide Anstieg der Produktion von kurzen Videoformen für mobile Endgeräte ist offensichtlich. Doch das meiste, was wir sehen, sind benutzergenerierte Beiträge von Laien. Hollywood Produzentenlegende Jeffrey Katzenberg (“Shrek”, “Kung Fu Panda”) will das nun mit einem professionellen Ansatz ändern (und damit viel Geld verdienen).

 

Nachdem Katzenberg sich 2016 aus DreamWorks Animation zurückzog und das Unternehmen auch mit persönlichem Gewinn an Comcast/NBCUniversal verkaufte, kündigte er bereits 2017 große Investitionen in eine völlig neuartige VoD-Plattform für Kurzfilme (short form video) an. Das Projekt entwickelte und propagierte er zunächst unter dem Namen New TV.

 

Die Ankündigung für das Vorhaben 2 Milliarden US-Dollar einwerben zu wollen, elektrisierte die Fachwelt und die Wall Street gleichermaßen. Die Grundidee war ein qualitativ herausragendes Angebot an kurzen Nachrichten-Videos und professionell hergestellten Filmen bis zu 10 Minuten Länge ausschließlich für mobile Endgeräte. Doch es blieb lange Zeit bei der Ankündigung und vielen Gerüchten.

 

Erneut Schlagzeilen machte Katzenberg dann Anfang 2018 mit der Ankündigung, dass Meg Whitman, eine der prominentesten Geschäftsfrauen der US-Wirtschaft (ex-Chefin von Hewlett-Packard und eBay), als CEO seiner Holding Company einsteigt, die das Projekt – nunmehr unter dem Namen Quibi (quick bites) – vorantreiben soll.

 

Wiederum ein Jahr darauf gab Quibi bekannt, das Unternehmen habe 1 Milliarde $ Kapital bei Investoren wie Disney, NBCUniversal, Warner, MGM u.a. eingesammelt. Und Anfang 2019 habe CEO Meg Whitman bereits 100 Mio. $ Vorauskasse bei Werbeunternehmen gemacht. Hintergrund: Quibi soll zu unterschiedlichen Subskriptionspreisen mit und ohne Werbung angeboten werden.

 

Neben der Beschränkung auf kurze Formen ausschließlich für mobile Endgeräte, unterscheidet sich Quibi von YouTube, Netflix, Amazon und anderen Streaming-Video-Anbietern, vor allem durch das Vorhaben Original Content hoher Qualität von professionellen und talentierten Filmemacher anzubieten.

 

Für das Jahr Eins, das im April 2020 beginnt, soll von der Firma, die bereits 160 Mitarbeiter hat, Content mit einem Budget in Höhe von 1,1 Mrd. $[1] vorproduziert werden. Zum anvisierten Startziel gehören unter anderem 7.000 neue Kurzfilm-Episoden.

Die Projekte werden zum großen Teil von bekannten, ja namhaften, Regisseuren entwickelt. Dazu gehören unter anderem Guillermo del Toro, Sam Raimi, Steven Soderbergh und Katzenbergs Freund Steven Spielberg, der eine Horror-Serie beisteuert.

 

Ob der Coup, wie zuvor mit High Profile Animationsfilmen von Dreamworks, gelingt und Quibi erfolgreich sein wird, steht natürlich in den Sternen. Dreamworks war mit seinen kostspieligen Produktionen letztlich nicht mehr profitabel und wurde am Markt von preiswerteren Produktionen von Illumination überholt.

Katzenberg machte zuvor auch im Online-Sektor einschlägige Erfahrungen mit gescheiterten Projekten: Im Jahr 2000 wurde kurz vor dem geplanten Launch das Streaming-Projekt pop.com gestoppt, an dem u.a. Steven Spielberg beteiligt war und in das Microsoft-Mitgründer Paul Allen persönlich 15 Mio. $ investierte (d.h. mit Katzenberg in den Sand setzte).

 

Interessant und lehrreich ist die Beobachtung der Genese des Projekts und seiner zukünftigen Entwicklung aber auf jeden Fall. Es zeigt wie nahtlos die traditionelle, studiobasierte Filmindustrie in der neuen digitalen Plattformindustrie aufgehen kann. Vorausgesetzt, es ist – wie vielleicht nur in den USA – genügend Kapital und Risikobereitschaft auf Unternehmerseite vorhanden.

Angesichts der enorm hohen Investitionssummen und Wirtschaftsmacht in diesem Sektor, könnten sich so manche Träume junger KurzfilmemacherInnen, mit billig gemachten Serien und Webvideos online zu reüssieren, in Luft auflösen. Das offene globale Internet ist längst ein Marktplatz wie jeder andere auch und die Wirtschaftsmechanismen der New Economy unterscheiden sich kaum von denen der Old Economy.

Selbst, wenn einige Studiobosse noch die Nase rümpfen mögen, ist die Konvergenz von Hollywood (Film/Kino) und Silicon Valley (online/Internet) längst im Gange. Dabei bewegen sich beide ‘Seiten’ gleichermaßen aufeinander zu, wie unter anderem die wachsende Zahl an Festivalteilnahmen und Starts von Eigenproduktionen der Video-on-Demand-Anbieter im Kino zeigt.

 

Auch scheint sich die Long-Tail-Theorie der Internet-Gründerszene (“selling less of more”, Chris Anderson 2004) nicht zu erfüllen. Jeffrey Katzenberg jedenfalls hat bereits 2014 seine andere Sichtweise offenbart. “Im Moment”, sagte Katzenberg gegenüber dem Wall Street Journal, “verdient YouTube 95 Prozent mit Inhalten der (qualitativ) untersten Stufe – einmalige Hits und Longtail-Inhalte”. “In 5 Jahren werden 95 Prozent an die Top 5 Prozent (der Produzenten) bezahlt”. Katzenberg selbst zahlt seinen Produktionspartnern 20% on top auf die Herstellungskosten – bis zu 6 Mio. $ per Programmstunde[2] für sieben Jahre Exklusivrechte.

 

Quibi startet am 6. April in den USA und Kanada mit einem Abopreis von 4.99 $ mit bzw. 7.99 $ ohne Werbung, expandiert danach nach Großbritannien und will in ein bis zwei Jahren auch in Deutschland sein.

 

 

URL https://www.quibi.com/

 

 

Vergleich: Investitionen in Original Content anderer VoD-Anbieter

Netflix  —  12 Mrd. $ (2018)
Amazon Prime  —  5 Mrd. $ (2018)
Hulu  —  2,5 Mrd. $ (2017)
Apple  TV+ — 1 –  2 Mrd. $ (2018-2019)
Disney+  —  0,5 Mrd. $ (2019)

 

Quellen (eigene Recherche): Handelsblatt, Cartoon Brew, Hollywood Reporter, Investor’s Business Daily, State of the Screens, tubefilter, Wall Street Journal, Washington Post, Variety

Bild: Jeffrey Katzenberg speaking at the 2014 VidCon at the Anaheim Convention Center in Anaheim, California; CC BY-SA 2.0 by Gage Skidmore

 

 

Bonus Kommentar;-)

David Lynch über Filme auf dem Telefon: Never, ever …

Schlagwörter: Film online, Ökonomie, Video-on-Demand

 

[1] 1,1 Mrd. $ = 986.766.000 € (zum Vergleich: im Jahr 2018 hat die FFA Fördermittel in Höhe von 73,7 Mio. Euro bewilligt

[2] zum Vergleich: Eine, als viel zu teuer kritisierte, Tatortfolge kostet 1,6 Mio. €[/caption]Der rapide Anstieg der Produktion von kurzen Videoformen für mobile Endgeräte ist offensichtlich. Doch das meiste, was wir sehen, sind benutzergenerierte Beiträge von Laien. Hollywood Produzentenlegende Jeffrey Katzenberg (“Shrek”, “Kung Fu Panda”) will das nun mit einem professionellen Ansatz ändern (und damit viel Geld verdienen).

 

Nachdem Katzenberg sich 2016 aus DreamWorks Animation zurückzog und das Unternehmen mit Gewinn an Comcast/NBCUniversal verkaufte, kündigte er bereits 2017 große Investitionen in eine völlig neuartige VoD-Plattform für Kurzfilme (short form video) an. Das Projekt entwickelte und propagierte er zunächst unter dem Namen New TV.

 

Die Ankündigung für das Vorhaben 2 Milliarden US-Dollar einwerben zu wollen, elektrisierte die Fachwelt und die Wall Street gleichermaßen. Die Grundidee war ein qualitativ herausragendes Angebot an kurzen Nachrichten-Videos und professionell hergestellten Filmen bis zu 10 Minuten Länge ausschließlich für mobile Endgeräte. Doch es blieb lange Zeit bei der Ankündigung und vielen Gerüchten.

 

Erneut Schlagzeilen machte Katzenberg dann Anfang 2018 mit der Ankündigung, dass Meg Whitman, eine der prominentesten Geschäftsfrauen der US-Wirtschaft (ex-Chefin von Hewlett-Packard und eBay), als CEO seiner Holding Company einsteigt, die das Projekt – nunmehr unter dem Namen Quibi (quick bites) – vorantreiben soll.

 

Wiederum ein Jahr darauf gab Quibi bekannt, das Unternehmen habe 1 Milliarde $ Kapital bei Investoren wie Disney, NBCUniversal, Warner, MGM u.a. eingesammelt. Und Anfang 2019 habe CEO Meg Whitman bereits 100 Mio. $ Vorauskasse bei Werbeunternehmen gemacht. Hintergrund: Quibi soll zu unterschiedlichen Subskriptionspreisen mit und ohne Werbung angeboten werden.

 

Neben der Beschränkung auf kurze Formen ausschließlich für mobile Endgeräte, unterscheidet sich Quibi von YouTube, Netflix, Amazon und anderen Streaming-Video-Anbietern, vor allem durch das Vorhaben Original Content hoher Qualität von professionellen und talentierten Filmemacher anzubieten.

 

Für das Jahr Eins, das im April 2020 beginnt, soll von der Firma, die bereits 160 Mitarbeiter hat, Content mit einem Budget in Höhe von 1,1 Milliarden $ vorproduziert werden. Zum anvisierten Startziel gehören unter anderem 7.000 neue Kurzfilm-Episoden.

Die Projekte werden zum großen Teil von bekannten, ja namhaften, Regisseuren entwickelt. Dazu gehören unter anderem Guillermo del Toro, Sam Raimi, Steven Soderbergh und Katzenbergs Freund Steven Spielberg, der eine Horror-Serie beisteuert.

 

Ob der Coup, wie zuvor mit High Profile Animationsfilmen von Dreamworks, gelingt und Quibi erfolgreich sein wird, steht natürlich in den Sternen. Dreamworks war mit seinen kostspieligen Produktionen letztlich nicht mehr profitabel und wurde am Markt von preiswerteren Produktionen von Illumination abgelöst.

Katzenberg machte zuvor auch im Online-Sektor einschlägige Erfahrungen mit gescheiterten Projekten: Im Jahr 2000 wurde kurz vor dem geplanten Launch das Streaming-Projekt pop.com gestoppt, an dem u.a. Steven Spielberg beteiligt war und in das Microsoft-Mitgründer Paul Allen persönlich 15 Mio. $ investierte (d.h. mit Katzenberg in den Sand setzte).

 

Interessant und lehrreich ist die Beobachtung der Genese des Projekts und seiner zukünftigen Entwicklung aber auf jeden Fall. Es zeigt wie nahtlos die traditionelle, studiobasierte Filmindustrie in der neuen digitalen Plattformindustrie aufgehen kann. Vorausgesetzt, es ist – wie vielleicht nur in den USA – genügend Kapital und Risikobereitschaft auf Unternehmerseite vorhanden. Angesichts der enorm hohen Investitionssummen und Wirtschaftsmacht in diesem Sektor, könnten sich so manche Träume junger KurzfilmemacherInnen, mit billig gemachten Serien und Webvideos online zu reüssieren, in Luft auflösen. Das offene globale Internet ist längst ein Marktplatz wie jeder andere auch und die Wirtschaftsmechanismen der New Economy unterscheiden sich kaum von denen der Old Economy.

Selbst, wenn einige Studiobosse noch die Nase rümpfen mögen, ist die Konvergenz von Hollywood (Film/Kino) und Silicon Valley (online/Internet) längst im Gange. Dabei bewegen sich beide ‘Seiten’ gleichermaßen aufeinander zu, wie unter anderem die wachsende Zahl an an Festivalteilnahmen und Starts von Eigenproduktionen von Video-on-Demand-Anbietern im Kino zeigt.

 

Auch scheint sich die Long-Tail-Theorie der Internet-Gründerszene (“selling less of more”, Chris Anderson 2004) nicht zu erfüllen. Jeffrey Katzenberg jedenfalls hat bereits 2014 seine andere Sichtweise offenbart. “Im Moment”, sagte Katzenberg gegenüber dem Wall Street Journal, “verdient YouTube 95 Prozent mit Inhalten der (qualitativ) untersten Stufe – einmalige Hits und Longtail-Inhalte”. “In 5 Jahren werden 95 Prozent an die Top 5 Prozent (der Produzenten) bezahlt”. Katzenberg selbst zahlt seinen Produktionspartnern 20% über den Herstellungskosten – bis zu 6 Mio. $ per Programmstunde für sieben Jahre Exklusivrechte.

 

Quibi startet am 6. April in den USA und Kanada mit einem Abopreis von 4.99 $ mit bzw. 7.99 $ ohne Werbung, expandiert danach nach Großbritannien und will in ein bis zwei Jahren auch in Deutschland sein.

 

 

 

URL https://www.quibi.com/

 

 

Vergleich: Investitionen in Original Content anderer VoD-Anbieter

Netflix  —  12 Mrd. $ (2018)
Amazon Prime  —  5 Mrd. $ (2018)
Hulu  —  2,5 Mrd. $ (2017)
Apple  TV+ — 1 –  2 Mrd. $ (2018-2019)
Disney+  —  0,5 Mrd. $ (2019)

 

Quellen (eigene Recherche): Handelsblatt, Cartoon Brew, Hollywood Reporter, Investor’s Business Daily, State of the Screens, tubefilter, Wall Street Journal, Washington Post, Variety

 

Bildquelle: Jeffrey Katzenberg speaking at the 2014 VidCon at the Anaheim Convention Center in Anaheim, California.

CC BY-SA 2.0 by Gage Skidmore

 

 

 

 

Bonus Kommentar;-)

David Lynch über Filme auf dem Telefon: Never, ever …