
Am 5. Mai wurde im Rahmen der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen eine neue Studie zur Situation des Kurzfilms in Deutschland der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Studie entstand im Auftrag der AG Kurzfilm - Bundesverband Deutscher Kurzfilm und wurde von den Autoren Christina Kaminski, Michael Jahn und Reinhard W. Wolf erstellt. Hauptförderer waren die Filmförderungsanstalt (FFA) und die DEFA-Stiftung.
Die Kurzfilmstudie stellt in einem umfassenden Panorama alle Bereiche des Kurzfilms im Detail vor. Jeweils eigene Kapitel sind Themen wie Produktion, Finanzierung, Förderung, Vertrieb, Verleih, Fernseh- und Kinoabspiel, Festivals oder neue technische Entwicklungen gewidmet. Die Darstellungen sind Resultate einer groß angelegten Untersuchung, an der die drei Autoren Christina Kaminski, Michael Jahn und Reinhard W. Wolf mehr als ein Jahr arbeiteten.
Gegenstand der Studie sind Kurzfilme aus deutscher Produktion bis zu einer Länge von 45 Minuten. Für die statistische Auswertung wurden fast 7.000 Filme in einer Datenbank erfasst und systematisch ausgewertet. Sämtliche Filmverleihe, eine ganze Reihe von Archiven, aber auch Fernsehanstalten und Förderinstitutionen wurden kontaktiert und um Auskünfte gebeten. Die statistischen Resultate wurden durch Fragebogen und Interviews zu fast allen Teilgebieten der Untersuchung inhaltlich ergänzt. Unter anderem wurden mehr als 50 strukturierte Interviews mit Akteuren der Kurzfilmszene geführt, um nicht nur Daten, sondern auch Meinungen und filmpolitische Positionen in Erfahrung zu bringen. Insgesamt wurden Informationen von knapp 400 Personen, Institutionen beziehungsweise Firmen eingeholt und ausgewertet.
Anhand der Ergebnisse können jetzt fundierte Aussagen über die deutsche Kurzfilmproduktion gemacht werden, aber auch Fragen nach der Verbreitung von Filmgattungen, Formaten oder durchschnittlichen Laufzeiten auf Festivals, in Kinos oder im Fernsehen beantwortet werden.
Zu dem – auch für die Autoren – wohl überraschendsten Ergebnis gehört das starke Wachstum der deutschen Kurzfilmproduktion. So wurde festgestellt, dass in Deutschland jährlich etwa 2.000 neue Kurzfilme entstehen. Dies sind fast doppelt so viele Filme wie zum Zeitpunkt der letzten Untersuchung („Expertise zur Situation des deutschen Kurzfilms“, Wolf 1997/98).
Eher der Erwartung der Autoren entsprach der extrem hohe Anteil von Filmen, die außerhalb von Produktionsfirmen und Institutionen entstehen. Mehr als die Hälfte aller deutschen Kurzfilme werden von ihren Machern selbst produziert und meist werden auch noch andere Funktionen wie Regie, Kamera oder Schnitt von unabhängigen Filmemachern in Personalunion erfüllt.
Auffällig ist auch der hohe Anteil des künstlerischen Films und des Dokumentarfilms. Gleichwohl wurde festgestellt, dass konventionelle Kategorien nicht mehr ausreichen, um die Kurzfilmproduktion zu charakterisieren. Denn, in sehr vielen Filmen werden Merkmale des Spiel-, Dokumentar- und Experimentalfilms, aber auch der Animation miteinander kombiniert.
Im krassen Widerspruch zum Produktionsvolumen und zur Vielfalt, so stellen die Autoren fest, stehen hingegen die Finanzierungsmöglichkeiten für Kurzfilme in Deutschland. Nicht zuletzt aus diesem Grund verband die Geschäftsführerin der AG Kurzfilm, Sylke Gottlebe, mit der Studie die Hoffnung, dass sie bei der Formulierung von Forderungen gegenüber der Filmpolitik hilfreich sein wird, und, dass die gewonnenen Erkenntnisse dazu beitragen die Interessen des kurzen Films und der Filmschaffenden besser zu vertreten.
Die Präsentation der Kurzfilmstudie stieß auf großes Interesse bei Filmemachern und den Fachbesuchern der Kurzfilmtage Oberhausen, die im neu eingerichteten Podium des Festivals mit den Autoren über die Situation des Kurzfilms in Deutschland diskutierten. Die über 100 Seiten umfassende großformatige Publikation kann beim Herausgeber, der AG Kurzfilm, bestellt werden.
Bibliografische Angaben und Bezugsquelle:
„Kurzfilm in Deutschland - Studie zur Situation des kurzen Films“
Herausgegeben von AG Kurzfilm e.V. - Bundesverband Deutscher Kurzfilm
Autoren: Michael Jahn, Christina Kaminski, Reinhard W. Wolf
Dresden: AG Kurzfilm e.V., Selbstverlag
AG Kurzfilm e.V. - Bundesverband Deutscher Kurzfilm
Kamenzer Str. 60, 01099 Dresden
Vertriebsanfragen: presse@ag-kurzfilm.de
Schutzgebühr 15 Euro, ISBN-10: 3-00-018873-8 / ISBN-13: 987-3-00-018873-2