Mit einem Schreiben an den Board of Directors vom 1. Dezember 2005 haben die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen ihre Mitgliedschaft in der European Coordination of Film Festivals (ECFF) gekündigt. Der Austritt wird mit Versäumnissen der ECFF bei der Vertretung der Mitgliederinteressen gegenüber der Europäischen Kommission und mit kostspieligen Aktivitäten und Veranstaltungen der Coordination, von denen nur wenige profitieren, begründet.
Insbesondere wird das Stillschweigen der ECFF gegenüber den Festivalförderpolitik der Europäischen Kommission beklagt. Neben bürokratischen Hürden bei der Antragsstellung wird die Regelung kritisiert, nach der Festivals mindestens 70% ihres Programms mit europäischen Filmen bestücken müssen, um in den Genuss einer Förderung zu kommen. Diese Restriktion der Beteiligung nicht-europäischer Filme sei nicht vereinbar mit den kulturellen und ästhetischen Qualitätskriterien internationaler Festivals. Die Duldung dieser Politik berge die Gefahr einer stromlinienförmigen Anpassung der Festivals an einen eindimensionalen europäischen Standard und des Ausbaus der Festung Europa gegenüber dem Rest der Welt.
Die Kündigung der Mitgliedschaft in der ECFF verbinden die Kurzfilmtage Oberhausen mit einem Appell an die Europäische Kommission ihre europazentrierte Festivalförderpolitik zu revidieren und in Zukunft an qualitativen Kriterien zu orientieren. An die anderen Mitglieder der ECFF gerichtet, von denen einige diese Kritik teilen würden, aber nicht öffentlich auszuprechen wagten, verbinden die Kurzfilmtage Oberhausen die Hoffnung auf eine neue nicht-institutionalisierte, aber effektivere Formen der Zusammenarbeit.
Die Kurzfilmtage Oberhausen sind Gründungsmitglied der ECFF, in der etwa 250 europäische Festivals vertreten sind. Die European Coordination of Film Festivals/ Coordination Européenne des Festivals de Cinéma wurde 1996 nach europäischem Recht als ‚European Economic Interest Grouping’ (EEIG) gegründet. Ihr Ziel ist die Bildung eines europäischen Netzwerks und einer Lobby gegenüber dem Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission. Zu den Aktivitäten der ECFF gehören die gemeinsame Verpflichtung auf einen Code of Ethics, der Informationsaustausch zwischen den Festivals, die Veranstaltung von Workshops, die Erstellung von Untersuchungen zu festivalrelevanten Themen, der europaweite Austausch von Festivalmitarbeitern und der Aufbau einer Sammlung europäischer Filme. Die Aktivitäten im Bereich Kurzfilm bestehen im Wesentlichen aus den jährlichen Tourprogrammen „Europe in Shorts“ und der Zusammenarbeit mit Jameson Irish Whiskey bei der Ausschreibung der Jameson Short Film Awards. Sitz der Coordination ist Brüssel. Die Arbeit wird aus Mitgliedsbeiträgen, Sponsorgeldern und öffentlichen Mitteln (darunter mehr als 50% des Gesamtbudgets aus dem Media-Programm der Europäischen Kommission) finanziert.
Webseite der ECFF: http://www.eurofilmfest.org/