Das norwegische Videokunstarchiv – Projektabschluss und Ausblick

Videokünstlerin Marianne Heske auf Gjerdeløa im Tafjord © Norsk Videokunstarkivet

Videokünstlerin Marianne Heske auf Gjerdeløa im Tafjord © Norsk Videokunstarkivet

Im Jahr 2012 startete die Organisation PNEK (Production Network for Electronic Art) im Auftrag des norwegischen Kulturministeriums das Pilotprojekt Norsk Videokunstarkivet zur Archivierung norwegischer Medienkunst. Neben klassischen Archivaufgaben wie der Recherche, dem Sammeln und Bewahren, gehörten zu dem Projekt auch das Transkodieren analoger Videobänder, die Entwicklung und Veröffentlichung einer Datenbank mit einem Web-Interface und die Entwicklung einer Archiv-Software, die dies ermöglicht (siehe auch unsere Projektbeschreibung). Nach nunmehr drei Jahren ist das Pilotprojekt abgeschlossen und die Organisatoren haben kürzlich ihren Abschlussbericht mit einer Empfehlung für die Fortsetzung der Arbeit abgegeben.

 

Inzwischen wurden fast 3000 Objekte aus den Produktionsjahren 1965 bis 2014 registriert, aufgenommen und katalogisiert. Außerdem wurden mehr als 300 Arbeiten als ‚Sub-Master-File’ (unkomprimiertes AVI) zur Archivierung digitalisiert und anschließend für Sichtungszwecke transkodiert. Das Ergebnis dieser Arbeit ist nun über ein Web-Interface sichtbar und (nach Anmeldung) öffentlich zugänglich.

 

Die offene Datenbank bietet jedermann die Möglichkeit zur Recherche und Sichtung bislang ‚unsichtbarer’ norwegischer Videokunst. Darüberhinaus erfüllt das Norsk Videokunstarkiv aber weitere wichtige und attraktive Funktionen. So bietet es Galerien, Museen und Institutionen, die im Besitz von Videokunst sind, ein sicheres Backup- und Distributionssystem an. Auch jeder Künstler kann seine Arbeiten als digitales Masterfile hochladen, auf dem Archiv-Server sichern und bei Bedarf Kopien verbreiten. Das System transkodiert Material automatisch für die Online-Sichtung. Dabei entscheidet der Urheber in welcher Form dies geschieht und wem das Sichten und gegebenenfalls ein Download – etwa für Screenings und Ausstellungen – gestattet ist. Das Archiv ist mit unterschiedlichen Nutzerrechten (z.B. Künstler, Kurator, Verleiher, Publikum) online zugänglich.

 

Um all dies zu ermöglichen hat die Projektgruppe zusammen mit Kooperationspartnern wie Toxus, LIMA (NL) und Norgesfilm eine eigene Software entwickelt. Eine Besonderheit ist, dass dieses „Archive Tool“ genannte Software-Bündel, das aus Open-Source-Elementen speziell für diese Zwecke kompiliert wurde, nun selbst als Open-Source-Anwendung (MIT-Lizenz) für ähnliche Anwendungen lizenzfrei zur Verfügung gestellt werden kann!

 

Im Abschlussbericht heißt es: „Das Modell, die Archivverwaltung, Datenbank-Design, Forschung und Vermittlung mit künstlerorientierten Diensten (Digitalisierung und Lagerung) zu verbinden, war bisher unerprobt, hat sich jedoch in vielerlei Hinsicht bewährt. Wir sind deshalb der Überzeugung, dass das Videokunstarkivet eine eigene Institution werden sollte.“ PNEK hat hierfür ein Betriebsmodell in Trägerschaft einer Stiftung vorgestellt und einen entsprechenden Förderantrag beim Norsk kulturråd gestellt. Die Entscheidung über den Antrag wird in diesem Sommer erwartet … bleibt zu hoffen, dass es gelingt!

 

 

 

Über die Projektgruppe

Projektleitung: Per Platou (Künstler, Kurator im Bereich Medienkunst, Sound Art, Radio und Film) pnek@pnek.org

Koordination: Ida Lykken Ghosh (Art Consulting)

Forschung: Marit Paasche (Kuratorin, Kunstgeschichtlerin und Kritikerin)

Ältere (obsolete) Technik: Ivar Smedstad (Videokünstler, Studium an der KHM Köln, Atelier Nord)

Kommunikation: Anne Marthe Dyvi (Bildende Künstlerin)

Publikation

Marit Paasche: Lives and Videotapes – The Inconsistent History of Norwegian Video Art (Feil Forlag, 2014)

 

Links

Norsk Videokunstarkivet: http://www.videokunstarkivet.org/english/

Archive Tool: http://archivetool.net/

Production Network for Electronic Art: http://www.pnek.org

 

Beitragsbild: Chroma Key Experiment: „Video Or Not to Be“ © Kjartan Slettemark / Videokunstarkivet and collaborator

 

Norwegische Medienkunst