
„Alumbramiento“ von Eduardo Chapero-Jackson © p.o.v No. 27
Der britische Wissenschaftsverlag Intellect (Bristol, UK) bereitet zur Zeit die Herausgabe einer neuen Zeitschrift vor, die dem Kurzfilm gewidmet ist. „Short Film Studies“ will einen Beitrag zur Forschung leisten, indem die Auseinandersetzung mit einzelnen Kurzfilmen als Grundlage für ein besseres Verständnis dieser Kunstform dienen soll. Für jede Ausgabe werden zwei oder drei Kurzfilme als Untersuchungsgegenstand ausgewählt und aus unterschiedlichen Perspektiven umfassend in mehreren Artikeln von Experten besprochen. Dazu gehören auch jeweils Interviews mit den Regisseuren, die Darstellung aller Einstellungen des betreffenden Films und ein Link zur Sichtung des Films im Internet.
Herausgeber des Magazins ist Richard Raskin, der an der Universität Aarhus in Dänemark lehrt und bisher die Zeitschrift p.o.v. mit einer ähnlichen Konzeption herausgegeben hat. Mit der Dezember-Ausgabe letzten Jahres wurde p.o.v. zugunsten des neuen Magazins eingestellt.
Für die erste Ausgabe von „Short Film Studies“ ruft Raskin nun Autoren auf, sich mit Beiträgen zu beteiligen. Als Untersuchungsgegenstand wurden folgende Filme ausgewählt: „The War is over“ von Nina Mimica (I), „Undressing my Mother“ von Ken Wardrop (Ireland) und „Village/Old Man“ von Miles Goodall (F/ZA). Wer sich beteiligen möchte, ist eingeladen sich mit einer Kurzbeschreibung des geplanten Beitrags an Richard Raskin zu wenden. Die Deadline für den kompletten Artikel ist der 15. April 2010. In Zukunft soll „Short Film Studies“ zweimal im Jahr erscheinen.
URL des Verlags: Intellect Books http://www.intellectbooks.co.uk/journals/view-Journal
Kontakt zum Herausgeber: raskin(at)imv.au.dk
Das National Film Board of Canada/Office National du Film du Canada (NFB/ONF) hat Ende 2009 ein Projekt ins Leben gerufen, das ein Jahr lang die Auswirkungen der Finanzkrise auf das tägliche Leben der Kanadier begleitet. Die Web-Dokumentation besteht aus jeweils vierminütigen Kurzfilmen und aus Fotoreportagen, in denen sich Bürger mit ihren alltäglichen Erfahrungen und Sorgen äußern können.
Das Projekt mit dem Titel „GDP – Measuring the Human Side of the Canadian Economic Crisis“ (GDP = dt. Bruttosozialprodukt) wird zweisprachig produziert und flächendeckend auf das ganze Land ausgedehnt. Unter der Leitung der Dokumentarfilmemacherin Hélène Choquette steht „von Küste zur Küste“ ein Team von Filmemachern und Fotografen zur Verfügung, um die Erfahrungsberichte gemeinsam mit den betroffenen Bürgern vor Ort in den Regionen des Landes zu erstellen.
GDP ist ein Multimedia-Projekt, das ausschließlich im Internet veröffentlicht wird. Nach Ablauf eines Jahres soll es als kollektive Geschichte eines Landes in der Krise abgeschlossen werden. Insgesamt sind bis dahin 250 Kurzfilme und Photo-Essays geplant.
Die Website ist nach Regionen und nach Themen strukturiert. In Ergänzung zu den Kurzfilmen und Photo-Essays besteht die Möglichkeit in einem Blog Stimmen und Meinungen zu den Beiträgen und Themen des Projekts, aber auch generell zur Krisensituation zu äußern und öffentlich zu diskutieren.
URL: http://gdp.nfb.ca/index

Kortfilmer.nu © Screenshot
Eine der ersten professionellen Pay-per-View-Plattformen für Kurzfilme, das schwedische Glimz.net, wird vom Netz genommen. Die Betreiber widmen sich ab sofort ausschließlich als Aggregator dem Vertrieb von Kurzfilmen.
Glimz.net wurde von Johan A. Larsson und Palle Torsson, einem Filmemacher und einem Informatiker, gegründet, um qualitativ anspruchsvolle Kurzfilme im Internet gegen Gebühr anzubieten. Die Online-Plattform startete im Jahr 2003 mit Kurzfilmen aus dem Katalog von Folkets Bio. Später kamen viele Partner - ab 2005 auch aus dem nicht-schwedischen Ausland - hinzu. Im Unterschied zu vergleichbaren Plattformen, bot glimz.net nicht nur Fiction, Animation und Unterhaltung an, sondern auch Kinder-, Dokumentar- und Avantgardfilme.
Bereits in den letzten Jahren war Glimz AB parallel zu dem Online-Angebot im Filmhandel tätig. Diese Aktivität wurde jetzt zum Kerngeschäft und die Pay-per-View-Seiten sind vom Netz genommen. An deren Stelle bietet glimz.net jetzt Produzenten und Einkäufern die Möglichkeit Filme des Portfolios zu recherchieren und in einem passwortgeschützten Bereich kostenfrei zu sichten.
Das Portfolio umfasst inzwischen mehr als 800 Titel aus 57 Ländern, die Glimz AB als Aggregator anderen Online-Plattformen, aber auch traditionellen Kanälen und Medien anbietet. Lizenzen für ein Teil der Filme, genauer gesagt, für das 2008 von Glimz gemeinsam mit Filmkontakt Nord herausgegebene, kuratierte Programm Vision IN/OUT (s.a. unser Bericht wurden an die Firma Headweb verkauft, die diese Filme auf ihrer Video-on-Demand-Plattform Kortfilmer.nu (dt. „Kurzfilm jetzt“) anbieten.
URL: http://www.glimz.net

Poster 2009 © Kara Filmfest
Eigentlich hätte Ende Januar in Karachi (Pakistan) das 8. Kara-Filmfestival stattfinden sollen. Die Filmauswahl und weite Teile des Programms standen bereits fest. Aus finanziellen Gründen musste das Festival kurzfristig abgesagt und auf unbestimmte Zeit verschoben werden.
Wie die Veranstalter mitteilen, war es nicht möglich das Festival durchzuführen, da aufgrund der Wirtschaftskrise die Fördermittel des Festivals zu stark gekürzt wurden.
Das Karachi International Film Festival wird von der nicht-gewerblichen KaraFilm Society, ein Zusammenschluss junger Filmemacher, ausgerichtet und versteht sich als Plattform für das alternative und unabhängige Kino.
URL: http://karafilmfest.com/index.htm

Frank Otto u. Aaron Koenig mit Filmbits © Bitfilm
2010 will sich das Hamburger Bitfilm-Festival neu erfinden: anstelle eines Online-Festivals für digitale Filme experimentieren die Veranstalter mit der weltweiten Crowd Production eines Episodenfilms zum Thema Geld. Das besondere an dem Projekt ist die gemeinsame Beteiligung von Filmemachern, Publikum und Geldgebern aus aller Welt in jeder Phase der Herstellung, an deren Ende dann ein abendfüllender Kinofilm mit dem Titel „Money & Me“ steht.
Zunächst werden Filmemacher eingeladen Beiträge zum Thema in einer Länge von maximal drei Minuten in den Kategorien Dokumentar-, Spiel- oder Animationsfilm einzusenden. Das können Porträts von Millionären und Tellerwäschern, inszenierte Filme mit Schauspielern oder Animationsfilme, die Zusammenhänge des Finanzsystems darstellen, sein. Dabei sind alle Filmtechniken zugelassen.
Anschließend werden per Online-Votum sieben Filme jeder Kategorie gewählt. Die ausgewählten Filme werden im November 2010 auf dem Festival in Hamburg gezeigt und dann von Bitfilm mit verbindenden Elementen, Musik und Zwischentiteln zu einem abendfüllenden Film kompiliert. Das Resultat soll 2011 als Kinofilm herausgebracht und anschließend auf DVD, als Video on Demand oder im Fernsehen weitervermarktet werden.
Die Filmemacher behalten alle Rechte an ihren Originalwerken und geben Bitfilm das Recht, nach dem ‚Open-Source-Prinzip‘ etwas Neues daraus zu mixen. Sie erhalten nach Vertragsabschluss eine Mindestgarantie und sind an zukünftigen Einspielergebnissen prozentual beteiligt. Die Preisträger jeder Kategorie erhalten außerdem ein Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro.
Die Finanzierung des Films erfolgt zusätzlich zu herkömmlichen Quellen per Crowd Funding. Das heißt, dass sich Jedermann an der Finanzierung beteiligen kann. Bitfilm verkauft hierzu „Filmbits“ für jede Sekunde des Films zum Preis von 300 Euro. Mit dem Kauf eines Anteils – rechtlich ein zinsloses Darlehen – ist der Anspruch auf eine prozentuale Gewinnbeteiligung verbunden. Die Anteilseigner bekommen außerdem eine, nach Anteilen gestaffelte, höhere Stimmenzahl bei der Online-Abstimmung.
Anteile können bis zum 1. Juli 2010 zum Preis von 300 Euro gezeichnet werden – anschließend werden die Preise erhöht. Filmeinreichungen sind bis zum 31. Juli 2010 möglich.
URL: http://www.bitfilm.com/festival/

www.jonasmekas.com © Screenshot
Im März 2007 berichteten wir, dass Jonas Mekas sich und seine Arbeiten auf einer neuen Internet-Plattform präsentiert. In einem Quicktime-Movie kommentierte er damals das Projekt wie folgt: »Do I really know what I am doing in this adventure? I am not so sure. I am not so sure. I have no idea where this will end up - this adventure«.
Die Skepsis, die dabei mitschwang, war, wie man heute sieht, berechtigt. Denn, wenn man heute die URL www.jonasmekas.com aufruft, zeigt sich nur noch eine blanke Internetseite. Hintergrund: Betreiber der Website ist die Maya Stendhal Gallery, die einige Arbeiten von Mekas vertritt beziehungsweise vertreten hat und in den letzten Jahren wichtige Mekas-Ausstellungen betreute. Offenbar hat sich Jonas Mekas mit der Galerie zerstritten und, laut einem Eintrag im Blog des Pariser Labels RE:VOIR, sogar zum Boykott der Galerie aufgerufen, wenn sie die Website fortführe und dort weiterhin seine Filme online anbiete.
Derzeit ist Mekas dabei eine neue, eigene Website unter der URL http://jonasmekasfilms.com einzurichten. Bislang ist nur ein Platzhalter zu sehen. Einige Filme von Jonas Mekas gibt es aber zwischenzeitlich bei RE:VOIR zum anschauen und Downloaden.
Links:
– Neue Website von Jonas Mekas
– RE:VOIR Blog
– Unser Bericht vom März 2007