
Seit November 2005 ist Kortfilm.be, eine belgische Website, die ausschließlich dem Kurzfilm gewidmet ist, online. In Rubriken wie Rezensionen, Festival, Interview oder Kurzfilm online berichtet Kortfilm.be in niederländischer Sprache über das aktuelle Kurzfilmschaffen. Eine Nutzerforum und ein Festivalführer für Professionelle ergänzt das Angebot. Der Schwerpunkt von Kortfilm.be liegt aber bei der Filmkritik. Kortfilm.be ist damit nicht nur die einzige flämische Website für Kurzfilm, sondern auch eines der wenigen Magazine weltweit, das regelmäßig Kurzfilmkritiken veröffentlicht.
Gründung und Gründer
Kortfilm.be ist als ein selbständiger Ableger die Schwester-Website des Online-Magazins K.U.T., das 1999 von Filmliebhabern - überwiegend Studenten der Freien Universität Brüssel - als Filmzeitschrift im Netz gegründet wurde. Wie K.U.T. ist Kortfilm.be vor allem am belgischen Markt orientiert. Die wichtigste Motivation für die Gründung war nämlich das Fehlen einer guten belgischen, nicht-kommerziellen Filmsite in niederländischer Sprache. Die Organisationsstruktur von K.U.T. und Kortfilm.be entspricht einer Filmzeitschrift in den Printmedien. Es gibt Redakteure für bestimmte Bereiche beziehungsweise Interessensgebiete, freie Mitarbeiter und einen Chefredakteur. Die Redaktionen von K.U.T. und Kortfilm.be arbeiten unabhängig voneinander. Bindeglied ist Frank Moens, der gemeinsame Chefredakteur und Webmaster. Frank Moens, einer der drei Gründer von K.U.T. arbeitet im Übrigen als Programmkurator für das Zed Cinema in Leuven und ist Programmkoordinator des International Short Film Festival Leuven.
Kurzfilmkritik zwischen 4 Sternen und einer Null
Am Umfangreichsten unter den sechs redaktionellen Rubriken der Website ist die Rubrik Rezensionen. Inzwischen können dort fast 400 Kritiken von belgischen und internationalen Kurzfilmen gelesen werden. Obwohl auch der französischsprachige belgische (für die es andere Medien gibt) und der internationale Kurzfilm gut vertreten ist, steht die flämisch-belgische Produktion im Mittelpunkt.
Zum Anspruch der Redaktion gehört es mindestens alle flämischen Kurzfilme, die auf inländischen Festivals gezeigt werden, zu besprechen. Diesen Filmen wird damit erstmals eine öffentliche Plattform gegeben, die keine Filmzeitschrift oder ein anderes Medium anbietet. Denn, wie in vielen anderen Ländern, wird auch in Belgien meistens nur im Zusammenhang von Festivals über Kurzfilm geschrieben und in der Presse wird, wenn überhaupt, nur über einige wenige Spitzenproduktionen geschrieben. Mit Kortfilm.be gibt es erstmals eine unabhängige Stimme, die sich mit der gesamten Produktion kritisch auseinandersetzt und die Filmemacher mit seriöser Kritik konfrontiert und damit ernst nimmt.
In den Rezensionen auf Kortfilm.be wird jeweils der Inhalt des Films kurz wiedergegeben, die Ästhetik charakterisiert, gelegentlich über die Autoren informiert und eine kurze, kritische Beurteilung gegeben. Jeder Rezension sind die wichtigsten Infos zum Film wie Regie, Laufzeit, Herkunftsland und Festivalteilnahmen zur Seite gestellt. Die Regienamen sind mit Filmlisten verknüpft, die es erleichtern weitere Filme derselben Regisseure zu finden, während die Festivalteilnahmen mit Festivalberichten in der Rubrik Festivals verlinkt sind.
Alle rezensierten Filme sind in einer qualitativen Rangfolge alphabetisch aufgelistet. Als Beurteilungskennzeichen vergibt die Redaktion 1 bis 4 Sternchen für mehr oder weniger gute, aber immerhin sehenswerte Filme und - diplomatisch - eine Null für alle anderen. Mit 4 Sternchen werden nur die absoluten Topfilme ausgezeichnet. Bis jetzt sind es erst 5 Filme, die in den Augen der Redaktion diesen Status verdient haben, darunter „Arktis“ von Jürgen Reble (D), „Six Shooter“ von Martin McDonagh (Irland) und der Klassiker „Particles in Space“ von Len Lye (NZ/UK). Im Übrigen sind die Urteile recht mild und einfühlend - niedergemacht wird niemand! So haben die meisten der 400 Filme mindestens einen Stern und nur knapp 30 erhielten eine Null, darunter - wie in der Spitzenklasse - ein weiterer deutscher Kurzfilm...
Festivalberichte
In der Rubrik „Festival“ wird nach Jahren geordnet – ab 2004 – über Kurzfilmfestivals berichtet. Es sind bis auf eine Ausnahme (Clermont-Ferrand) bisher nur belgische Festivals, die von den Redakteuren besucht und besprochen wurden. Es wird keine Festivalkritik betrieben, sondern eher faktenbezogene Berichterstattung, die das Profil der jeweiligen Festivals skizziert. Auch in dieser Rubrik gibt es eine Informationsleiste, in der unter anderem alle Festivalfilme, die in der Rubrik Rezension besprochen sind, verlinkt sind.
Weitere Rubriken: DVD-Rezensionen, Artikel und Interviews
Die Rubrik Interviews ist interessant, aber mit nur fünf Beiträgen – darunter ein Gespräch mit Nicolas Provost und ein Interview mit den Machern des COURTisane-Festivals –noch nicht sehr umfangreich. In den knapp zehn redaktionellen Beiträgen in der Rubrik Artikel geht es um so unterschiedliche Themen wie Kurzfilm im Internet oder das Porträt eines Videokünstler anlässlich einer Ausstellung in Antwerpen. In einer weiteren Rubrik werden alle Kurzfilm-DVDs vorgestellt, die in Belgien erschienen sind - vor allem Editionen des Kurzfilmfestivals Leuven und des Labels „Come and See“. Auch diese Artikel sind über Personennamen, Festivals und Filmtitel mit den anderen Rubriken verlinkt.
Kurzfilm online in Kooperation mit dekortefilmonline.nl
Eine erst kürzlich verabredete Kooperation mit der niederländischen Online-Plattform dekortefilmonline.nl („der kurze Film online“) ermöglicht es Kortfilm.be und seinen Besuchern einige der besprochenen Filme auch als Streaming-Video anzuschauen. Die niederländische Plattform ist ein Dienst des Verbundes NPS zwischen dem öffentlich-rechtlichen Sender VPRO und der Zeitung de Volkskrant, der bislang zwar Kurzfilme online anbot, aber noch nicht über Rezensionen der Filme verfügte. Die Kooperation, in der sich also beide Partner ergänzen, ist zunächst auf belgische Filme beschränkt, wie zum Beispiel „The Diver“ (Nicolas Provost) und „Alice et Moi“ (Micha Wald).
Netzwerk für den Kurzfilm
Durch die vielen Querverbindungen zwischen Filmkritiken, Artikeln, Streaming Videos und DVD-Rezensionen bekommt der Besucher der Website einen guten Überblick und Entscheidungshilfen etwa für den Besuch eines Festivals oder den Kauf einer DVD. Allerdings ist die interne Verlinkung so engmaschig, dass man die Website kaum verlassen kann :-) Durch diese konsequente interne Verlinkung verdichtet sich der Blick und wird die flämische Kurzfilmszene überschaubar. Gleichzeitig wird aber auch die Arbeitsweise der Redaktion transparent.
Eine kleine dynamische Redaktion
Insgesamt arbeiten sieben Personen für Kortfilm.be. Bis auf eine Teilzeitstelle, die durch eine öffentliche Förderung möglich wurde, arbeitet das Team ehrenamtlich. Durch die geschickte Ausnutzung von Synergie-Effekten, die den Besuch oder die Mitarbeit an Kurzfilmfestivals mit Sichtungen und Gesprächen verbinden, welche sich dann sowohl in den Rezensionen als auch Interviews und Festivalberichten niederschlagen, wächst Kortfilm.be sozusagen organisch mit hohem Tempo und bietet einen hohen Informationswert für alle Kurzfilm-Liebhaber und Professionelle.
URL: www.kortfilm.be
Reinhard W. Wolf