
Die in Europa führende Messe für "interaktive Inhalte" MILIA stand im Mai 2005 ganz im Zeichen von Mobile Content. Neben Konferenzen zum Thema wurden im Palais des Festivals von Cannes vor Vertretern großer Mobiltelefonhersteller und Netzbetreiber erstmals Micromovie-Kurzfilme gezeigt.
Die Branche boomt also. Ist dies vielleicht eine historische Chance für Kurzfilmproduzenten? Und welche Akteure vermitteln zu welchen Konditionen das große Geschäft mit dem kurzen Film? Bislang gibt es nur wenige Mittler zwischen Herstellern von Kurzfilmen und potentiellen Abnehmern von Micromovies in der Telekommunikationsbranche. Es ist eine strukturelle Schwäche der Kurzfilmszene, daß für ihre Produkte kaum Vertriebswege etabliert sind, der einzelne Filmemacher aber mit der Vermarktung überfordert ist. Die wenigen existierenden Akteure orientieren sich bislang vorwiegend an Kino und Fernsehen, haben also - bis auf wenige Ausnahmen - kaum Kontakte zu den neuen Märkten.
Digital Content-Pioniere in Deutschland: Bitfilm
Das 1999 in Hamburg gegründete Unternehmen Bitfilm GmbH ist in Deutschland Pionier im Bereich der neuen Märkte zwischen Film und digitalen Medien. Die Bitfilm GmbH produziert und vermarktet seit ihrer Gründung Filme für Internet, Fernsehen, DVD und mobileEndgeräte.
Zugleich trat Bitfilm auch als Veranstalter auf. Zunächst mit dem Bitfilm-Festival im Rahmen des Kurzfilmfestivals Hamburg (2000 bis 2002), danach im Rahmen des Filmfests Hamburg. Neben Wettbewerben für Flashanimationen und andere digitale Formate, veranstaltete Bitfilm bereits ab 2003 auch einen Wettbewerb für Micromovies. Über das Festival hält das Unternehmen direkten Kontakt mit Kurzfilmmachern und der jungen Szene.
Der Schwerpunkt von Bitfilm liegt im Lizenzhandel. Seit 2001 ist Bitfilm unter anderem Content Provider für die Deutsche Telekom beziehungsweise T-Online. Auch die auf dem Entertainment-Portal T-Vision angebotenen Kurzfilme werden von Bitfilm geliefert. Das Portal wurde mit Kurzfilmen getestet. Inzwischen spielen bei T-Vision Kurzfilme aber eher die Rolle von Teasern, da die Video-on-Demand-Technik über ADSL inzwischen auch die Verbreitung langer Spielfilme erlaubt.
Bitfilm hat sich dieser Entwicklung zum digital verbreiteten abendfüllenden Film angepasst undhat längst entsprechende Angebote im Portfolio - ist also nicht ausschließlich auf den Kurzfilm angewiesen. Äüßeres Zeichen ist die Ausschreibung des Preis 30.000 Euro dotierten Preises "Goldener Haifisch" für lange digitale Spielfilme auf dem letzten Bitfilm-Festival.
Der Kurzfilm spielt aber bei Bitfilm nun erneut eine wichtige Rolle, denn die Nachfrage nach "Short-Attention-Filmen" wurde fast nahtlos vom Content-Bedarf der neuen mobilen Verbreitungsnetze abgelöst und Bitfilm war von Anfang an dabei: das möglicherweise erste deutsche Micromovie für Mobiltelefone ("You've got V-Mail") wurde von Bitfilm produziert und immerhin beim ersten Nokia-Micromovie-Wettbewerb in Tampere (2003) ausgezeichnet.
Bitfilm konnte von diesem Vorsprung profitieren und den Netzanbieter Vodafone als Vertragspartner gewinnen. Seit Anfang 2005 beliefert Bitfilm Vodafone, das täglich einen anderen Kurzfilm im "Kurzfilm TV" seines MobileTV-Portals bringt. Aber auch die Mobilkommunikationszweige grosser Medienunternehmen wie Burda Wireless und Arvato Mobile, eine Bertelsmann-Tochter, gehören zu den Geschäftspartner von Bitfilm.
Britshorts Ltd. - Shorts International
In Großbritannien ist mit ähnlichen Strategien Britshorts Ltd. (London) am Markt. Der Rechtehändler behauptet den weltweit größten Katalog an Kurzfilmen zu haben (mehr als 2000 Titel). Im Jahr 2000 von den ‘old economy’ Produzenten Robert Fox (Ealing Studios) und Barnaby Thompson gegründet, ist das Unternehmen cross-medial in den Bereichen Produktion, Distribution und Branded Entertainment tätig. Unter dem Label Shorts International werden Kurzfilm-Lizenzen an Fernsehanstalten, Internet-Provider, Airlines und Mobilfunkunternehmen verkauft. Zu den Branding-Kunden gehören Firmen wie Tiscali, Nike, Diesel und Jameson.
Britshorts bewirbt seinen Katalog mit dem hohen Anteilen an Filmen mit bekannten Stars und mit Preisen auf internationalen Festivals. Unter den ausdrücklich genannten Festivals ist nur ein Kurzfilmfestival erwähnt (Clermont-Ferrand neben Sundance, Cannes und Edinburgh). Unter anderem vertreibt Shorts International die Kurzfilme einiger bekannter Filmhochschulen wie der dffb Berlin, London Film School und der Animationsfilmabteilung des Royal College of Art (London). Vor allem aber hat Shorts International die britischen Exklusivrechte am Katalog des amerikanischen Kurzfilmhändlers Hypnotic Inc. (New York / Los Angeles), der zu Vivendi Universal gehört und exklusiver Distributionspartner für das Kurzfilmarchiv des American Film Institute (AFI) und unter anderem die Beiträge des australischen Kurzfilmfestivals Tropfest ist.
Im Mobilfunksektor arbeitet Britshorts Ltd. mit Orange UK (France Telecom Gruppe) und O2 plc zusammen. Mit Orange wird der Mobilfunkkanal Shorts TV betrieben und mit O2 ist Britshorts als Content-Partner an einem Pilotprojekt für digitales Mobilfernsehen (DVB-H) beteiligt, das von Arquiva (ehemals NTL Broadcast) und Nokia betrieben wird.
(Real) Big Players auf der Suche nach Mobile Content - einige Beispiele
Der Digital Mobile Content Markt hat solche Dimensionen angenommen, daß inzwischen alle große Medienunternehmen beteiligt sind oder entsprechende Initiativen gestartet haben. Dies manifestiert sich auf der Ebene von Global Players nicht durch neue Unternehmensgründungen, sondern durch Firmenübernahmen. Auf diese Weise wird nicht nur fehlender Content, sondern werden auch fehlende Kenntnisse auf dem betreffenden Marktsegment – wie zum Beispiel dem Kurzfilm – eingekauft.
So hat im Oktober 2005 die Viacom-Tochter MTV für 49 Mio $ den Internet-Kurzfilmanbieter iFilm gekauft. iFilm ist nach AtomFilms der größte Filmhändler für Kurzfilme in den USA. Der Kurzfilmkatalog, des ehemals dem Begriff ‘independent’ verpflichteten Unternehmens, wird vermutlich benötigt, um Viacom gegenüber der bevorstehenden Konkurrenz von Apple und Pixar auf dem Mobile-TV-Markt eine bessere Position zu verschaffen.
Das deutsche Musikfernsehen VIVA, das wie MTVinzwischen zu Viacom gehört, ist im Herbst diesen Jahres eine Partnerschaft mit dem deutschen Mobilfunk-Netzanbieter E-Plus (eine Tochter der niederländischen KPN) eingegangen, um einen gemeinsamen mobilen Unterhaltungskanal anzubieten, bei dem Video eine große Rolle spielt.
Mobile und/oder Tele-Visionen
Der Einstieg großer Medienkonzerne, die auch auf dem Fernsehmarkt aktiv sind, legt die Vermutung nahe, daß der Mobile Content-Markt in Zukunft nicht von der Film-, sondern von der Fernsehbranche beherrscht werden könnte. Dafür gibt es auch technische und strategische Gründe. So ist noch nicht ausgemacht, ob sich Funktechniken wie UMTS, G3 oder i-mode gegenüber der digitalen Fernsehtechnik für Handhelds durchsetzen können - zumal bei ersteren bereits Bandbreiten-Engpässe befürchtet werden. Dann hätten allerdings die Mobilfunknetzbetreiber, die bisher beneidet werden, weil sie doppelt von der neuen Entwicklung profitieren - durch Pay-per-View-Einnahmen und Netznutzungsgebühren– das Nachsehen. Die Telefonhersteller könnten sich jedoch auf die neue Situation mit der Produktion von Handhelds einstellen oder den Mobiltelefon-Sektor ganz fallen lassen, wie etwa Siemens, deren Communications-Abteilung stattdessen auf IP-Telefonie und andere drahtlose Übertragungswege, wie zum Beispiel DVB-H setzt.
Die Entwicklung wird auch davon abhängen, wie flexibel die eher konservativen Fernsehsender auf die neue Situation reagieren - zumal ihre Innovationskräfte durch IPTV noch an einer zweiten Front gebunden werden. Inzwischen haben einige öffentlich-rechtliche Fernsehsender schon die Initiative ergriffen. Allen voran die alt-ehrwürdige BBC, die nicht nur im Internet eine One-Minute-Film-Seite anbietet, sondern auch schon eigene "Mobile Services" eingerichtet hat und dort die kürzesten Filme aus dem Repertoir ihres Online-Portals mit Kurzfilmen für Mobiltelefone abrufbar macht (siehe: www.bbc.co.uk/mobile).
Mit dem Einstieg der großen Medienkonzerne und privaten Fernsehsender ist auch ein großer Einfluß auf die Inhalte absehbar, was letztlich zur Verflachung der Qualität führen könnte. Beispiele wie die BBC - mit inhaltlich und ästhetisch eher anspruchsvollen Kurzfilmen - sind und bleiben wohl die Ausnahme. Tatsächlich ist der Einfluß der Fernsehbranche auf Mobile Content bereits jetzt ernüchternd. Entweder es wird bereits vorhandenes Material ‘wiederaufbereitet’ (sogenannte Retransmisions) oder von Produzenten aus der Fernsehbranche nach dem Vorbild altbekannter Fernsehformate neu produziert.
So läßt zum Beispiel der US-Fernsehsender ABC seine Mystery-Serie "Lost" fürs Handy nachproduzieren. Und der Netzbetreiber Verizon hat bei Fox Television ein Handy-Adaption der Fernsehserie "24" in Auftrag gegeben, die in einminütigen Episoden als ‘mobisodes’ verbreitet werden sollen.
Auch in Europa sind die großen Fernsehprogrammlieferanten längst in den Startlöchern. Allen voran Endemol mit ihren firmentypischen Formaten. So erfreut Endemol die Orange-Kunden in Großbritannien mit "Celebrity Big Brother" oder liefert Live-Bilder von Operationen plastischer Chirurgen fürs Handy an. Mit "FanTessTic" und "Totally Frank" sind auch Mobi-Soaps im Repertoire. Auf der MIPCOM TV hat Endemol kürzlich zwei eigene Mobil-Phone-Kanäle angekündigt. Neben einem Comedy-Channel mit »kurzen, lustigen Clips« ist ein Extreme Reality Channel geplant, der in einer Pressemitteilungen beschrieben wird als: »a non-stop parade of the bizarrest and weirdest video clips« (Quelle: www.endemol.com).
Diese Produkte sind recht weit von dem entfernt, was man üblicherweise als Kurzfilm schätzt und kennt!
Auch bei der Kölner Start-up-Firma plan_b media, ein Lizenzhändler – gegründet von ehemaligen Studenten am Laboratory for Mixed Realities der Kunsthochschule für Medien, spielen Kurzfilme neben Games, Klingeltönen und iTV-Produkten nur noch eine untergeordnete Rolle. Innerhalb des Geschäftsbereichs Video - mit dem Sparten Cartoons, Comedy, Sports, Movies und Erotic highlights - ist der Kurzfilm im engeren Sinn kaum vertreten. Neben internationalen Cartoons sind dies vor allem mehr als 10.000 "Funny Home Video-Clips"! Den bislang größten (Film-)Erfolg hatte plan_b media allerdings mit der Langfilm-Adaption Star Wars Episode III. Weitere abendfüllende Spielfilme für das Mobiltelefon wie "A Nightmare on Elm Street" sollen den Erfolg fortführen...
Vertriebsmodell Klingel-Video
Ähnlich aufgestellt, aber bezüglich des Produkt-Angebots auf seichteste Unterhaltung ausgerichtet, ist der Vermarkter Jamba! (in den USA: Jamster), ein Unternehmen der VeriSign-Gruppe. Das Hauptgeschäft sind immer noch Klingeltöne, bei denen Jamba zumindest in Europa Marktführer ist. Allein am Firmensitz in Berlin beschäftigt Jamba fast 500 Mitarbeiter. Jamba vermarktet auch Videos und Cartoons fürs Handy, darunter Lizenzen von plan_b media (Mordillo, Moorhuhn u.a.). Im Vordergrund stehen ‘funny videos’ und Erotikangebote. Die Mobile Videos werden auf die gleiche aggressive Art beworben und vermarktet wie Klingeltöne. Die aufdringlichen Werbespots im Privatfernsehen stossen allerdings inzwischen bei vielen Zuschauern auf Ablehnung. Auch das Erscheinungsbild von VIVA hat Jamba! nach der Übernahme durch Viacom wesentlich mitgeprägt und wird von den ehemaligen Fans des Musikfernsehens als Niedergang beklagt. Eine im Herbst 2005 angekündigte Kooperation zwischen Jamba! und MTV Networks für gemeinsame mobile Dienste wird diese Form des Life-Style-Entertainments zwischen Games, Dating-Angeboten, Cartoons und Klingeltönen dann auch im Mobiltelefonsektor weiter verbreiten.
Am unteren Ende der Wertschöpfungskette
Wo bleibt bei diesen imposanten Wertschöpfungsketten der Filmemacher oder Produzent? Bislang gibt es weder von den Vermarktern, den Lizenzhändlern noch den Produzenten ein schlüssiges Konzept für die Akquise von Micromovies. Gerade im Kurzfilmsektor fehlt es an entsprechenden Strukturen. Die meisten Kurzfilmemacher sind zugleich Autor, Regisseur und Produzent. Als Autorenproduzenten sind sie bei der Vermarktung allein auf sich gestellt. Es gibt noch nicht einmal einen Produzentenverband, der ihre Interessen vertritt oder etwa in Rechtefragen beratend zur Seite steht.
Für die Lizenzhänder und Vermarkter stellt sich umgekehrt das selbe Problem. Größere Unternehmen wollen und können nicht mit einzelnen Autorenproduzenten in Kontakt treten und Geschäftsbeziehungen pflegen. Außerdem suchen sie nicht einen einzelnen Kurzfilm oder Clip, sondern Quellen für die zuverlässige, kontinuierliche Belieferung größerer Stückzahlen. Micromovies sind eben Massenware und keine Individualprodukte. Hierfür sind Zwischenhändler gefragt, die sich in der Kurzfilmszene auskennen. Diese sind rar und nur einige haben auch das Vertrauen der Filmemacher. So ist der Produktmangel auf dem Micromovie-Markt weniger die Folge eines Ungleichgewichts zwischen Nachfrage und Angebot, sondern eher ein Vermittlungsproblem.
Wie im ersten Teil dieses Artikels dargestellt haben Netzbetreiber und Telefonhersteller deshalb den Weg gewählt mit Wettbewerben und durch Festivalkooperation direkt an Content zu kommen. Auch sind inzwischen eigenständige Wettbewerbe oder Festivals für Micromovies ins Leben gerufen worden, von denen nicht immer klar ist, welche Ziele sie mit welchen Interessen verfolgen. Oft ist noch nicht einmal durchschaubar, ob es sich um ein kulturelles Projekt, ein wirtschaftliches Unternehmen oder gar ein Scheinprojekt (zum Einsammeln von Lizenzen) handelt. Filmemachern und Produzenten kann man nur empfehlen sich vor einer Teilnahme gut zu informieren und vor allem das Kleingedruckte der betreffenden Reglements genau durchzulesen. Denn – sei es aus Geringschätzung, Naivität oder skrupellosem Geschäftskalkül – oft genug werden die Filmemacher dabei über den Tisch gezogen ...
Lockangebote und das Kleingedruckte in Wettbewerbsreglements
Viele Veranstalter von Wettbewerben, aber auch Agenturen und Distributionsunternehmen locken einfach nur mit der ‘kostenlosen’ Verbreitung von Filmen - über die sich die Filmemacher doch freuen sollen. Andere winken als Anreiz und zu Promotionzwecken mit hohen Preisgeldern. Doch, wenn die Teilnahmebedingungen so gestaltet sind, daß nur ein oder zwei Beiträge die Chance auf eine Auszeichnung oder Prämie haben, während alle anderen Teilnehmer ohne Entgelt die Rechte an ihren Werken abtreten, dann gleichen solche Veranstaltungen aus Sicht der Filmemacher einem Lotteriespiel mit sehr hohem Einsatz – insbesondere wenn Exklusivrechte abgetreten werden, da damit ja eine andere Vermarktung unterbunden wird.
So mußten zum Beispiel die Teilnehmer am Mobile Movie Award von O2 (Berlin 2004/2005) einen Vertrag unterschreiben, in dem sie die ausschließlichen Nutzungsrechte »einschließlich aller denkbaren Rechtspositionen an Ideen, Entwürfen und Gestaltungen« sowie »die Übertragung des Eigentums an den eingereichten Datenträgern« an O2 übertragen. Bei dieser Rechteübertragung eingeschlossen war sogar »das Recht zur Änderung, Bearbeitung und Umgestaltung, zur Vervielfältigung, Verbreitung, Sendung, Ausstellung, Vorführung und das Recht zur Weiterübertragung an Dritte«. Schließlich räumte sich 02 auch noch das Recht ein Muster oder Modelle der eingereichten Arbeiten im eigenen Namen in das Musterregister eintragen zu lassen (um, bei Gefallen, Fortsetzungen oder Serien in eigener Regie produzieren zu können ohne fragen oder gar bezahlen zu müssen?).
Nicht so krass waren die Bedingungen beim Orange Short Film Contest, der 2005 für Orange Frankreich von Wonderphone und Premium Films (Paris) ausgerichtet wurde: die Exklusivrechte wurden auf die Preisträger und die Auswertung im Orange Mobile Phone Network beschränkt. Und in der neuen Ausschreibung für 2006 gibt es fairerweise die Möglichkeit eine zusätzliche Teilnahme am Online-Wettbewerb um einen Publikumspreis mit Veröffentlichung im Internet abzulehnen. (siehe Website: http://orangefilmcourt.orange.fr)
Anregung der Micromovie-Produktion durch gezielte Förderung
Die gezielte Förderung von Micromovie-Filmprojekten ist bislang noch eine Ausnahme. Lediglich in Großbritannien gibt es mit Pocket Shorts seit 2004 eine entsprechende Initiative. Pocket Shorts wurde von der Agentur Blink (www.blinkmedia.org) für Filmstudenten aus Nordengland ausgedacht und wird aus öffentlichen Lotto-Mitteln finanziert. Inzwischen hat sich Schottland mit einer eigenen regionalen Ausschreibung angeschlossen. In Schottland werden mit Unterstützung durch Scottish Screen 8 Projekte mit je maximal ?3000 gefördert.
Den beiden Ausschreibungen gemeinsam ist, daß sie wie eine Produktionsförderung funktioniert, d.h. eingereicht und beurteilt werden eine Projektbeschreibung und eine Kalkulation. Darüberhinaus werden aber auch Workshops über die spezifischen Anforderungen an Filmen für Mobiltelefone angeboten. Die ersten Ergebnisse wurden dieses Jahr auf dem Edinburgh Film Festival und beim Kurzfilmfestival Brief Encounters in Bristol vorgestellt. In beiden Fällen wurden die Pocket Shorts nicht über das Mobiltelefonnetz, sondern - ähnlich wie dieses Jahr die Micromovies bei Interfilm Berlin - über einen Bluetooth-Automaten verbreitet.
Ob die öffentliche Förderung einspringen muß, um letztlich einer ohnehin boomenden Industrie auf die Sprünge zu helfen, ist sicherlich kritisch zu beurteilen. Angemessener wäre es, wenn die Mobile Entertainment-Branche - zum Beispiel anstelle von Wettbewerben - mit Produktionsförderungen selbst ihren Nachwuchs sponsoren würde.
Was bleibt unterm Strich?
In der Ankündigung der anfangs erwähnten Messe MILIA 2005 hieß es: »according to the latest research from Strategy Analytics, the mobile contentmarket will reach $70 billion in 2008 of which mobile video content will represent $5.7 billion«. Inwieweit Kurzfilmemacher von dem Kuchen profitieren können ist noch offen. Die wenigen Zahlen, die über Filmankäufe bekannt wurden, sind eher ernüchternd. So meldete filmecho/filmwoche, daß Orange Frankreich den Produzenten lediglich 50 bis 60 Euro pro Minute zahlen wolle. Angesichts der Dynamik des Markts und der großen Nachfrage sind solch niedrige Preise paradox. Doch die Formierung der Wertschöpfungsketten steht noch in den Anfängen und bei einer besseren Vertretung der eigenen Interessen können Kurzfilmproduzenten in Zukunft hoffentlich bessere Deals abschließen. Denn, wer kennt sich besser mit kurzen Dramaturgien aus als Kurzfilmemacher?
Reinhard W. Wolf