
„Le Mozart des pickpockets“ © UniFrance
Während des Festivals in Clermont-Ferrand stellte Unifrance eine Studie über den Verkauf französischer Kurzfilme ins Ausland vor. Im Untersuchungszeitraum, dem Jahr 2008, wurde ein deutliches Wachstum festgestellt. Gegenüber 2007 stiegen die Verkaufserlöse um 65% auf 510.592 Euro. In 586 Verträgen wurden 375 verschiedene Filmtitel verkauft. Der erfolgreichste Film war der Oscar- und César-Preisträger „Le Mozart des pickpockets“ von Philippe Pollet-Villard.
Auf dem Filmtheatermarkt wurden 12% der Verkäufe erzielt, während der Fernsehmarkt mit 69% das wichtigste Verbreitungsmedium für Kurzfilme bleibt. Andere Abspielkanäle, wie etwa Video-on-Demand, Mobiltelefon und ähnliche Plattformen spielten keine nennenswerte Rolle.
Die Untersuchung entstand im Auftrag der Commision des producteurs et exportateurs de produits courts bei Unifrance unter der Leitung von Martine Vidalenc und Ron Dyens.
Quelle: UniFrance

Festivalbesucher Huelva © Spaininfo
Das staatliche Instituto de la Cinematografía y de las Artes Audiovisuales (ICAA) hat Vertreter der wichtigsten spanischen Festivals eingeladen, um zu erörtern, wie Festivalbesucher als Kinozuschauer gezählt werden können. Eine Arbeitsgruppe, der zunächst die Leiter der Festivals von Valladolid, San Sebastián, Sitges, Huelva und Ourense angehören, soll ein geeignetes Verfahren erarbeiten.
Die Frage ist von Bedeutung insofern eine Filmförderungsregel eingeführt wurde, nach der die Zuwendungshöhe von der Zahl der Zuschauer eines Films abhängig gemacht wird. Jedoch erlebt der spanische Film im eigenen Land eine Kinokrise und werden insbesondere qualitativ anspruchsvolle Filme immer seltener in gewerblichen Kinos gezeigt. Deshalb haben unabhängige Filmemacher und Autoren verlangt, dass auch die Filmzuschauer auf Festivals gezählt werden, wo sich der spanische Film anders als in den Kommerzkinos noch großer Beliebtheit erfreut.

Børn elsker film © Dorte Bengtson/DFI
Das Dänische Filminstitut (DFI) hat zusammen mit dem öffentlich-rechtlichen Sender DR einen Fördertopf für Kinderanimationsfilme eingerichtet. Im Jahr 2010 stehen 15 Millionen DKK (2 Mio €) zur Verfügung. Der neue Fond soll insbesondere junge Filmemacher helfen innovative Projekte mit niedrigen Produktionskosten zu entwickeln.
Zielgruppe der Filmprojekte sollen Kinder im Alter zwischen 7 und 10 Jahren sein. Die Filme sollen im Kinderkanal des DR ausgestrahlt werden. Filme mit einer Länge von 25 Minuten können mit bis zu 1,6 Mio DKK gefördert werden.
Quelle: Nordisk Film & TV Fond

CCCB Barcelona © CCCB/Dani Freixa
Das seit neun Jahren bestehende Festival Internacional de Documentales de Barcelona wird 2010 nicht mehr stattfinden können. Nachdem bereits 2009 das katalanische Kulturwirtschaftsinstitut ICIC die Förderung des Festivals eingestellt hatte, zog dieses Jahr auch das städtische Centre de Cultura Contemporània de Barcelona (CCCB), zugleich Veranstaltungsort des Festivals, seine Unterstützung zurück. Damit war das Ende von Docúpolis besiegelt.
Docúpolis war auf dem Gebiet des Dokumentarfilms ein Pionier unter den spanischen Filmfestivals. Der Leiter des Festivals, Hugo Salinas, führt inzwischen das Projekt unter dem Namen „Docúpolis iberoamericano“ als eine Serie von Dokumentarfilmveranstaltungen an verschiedenen Orten in Chile fort.
URL: http://www.docupolis.org

Hanoi 2010 Plakat © HNP
Im Oktober 2010 wird in Vietnam zum ersten Mal ein internationales Filmfestival veranstaltet. Das Vietnam International Film Festival findet vom 17. bis 21. Oktober in Hanoi statt. Veranstalter sind das vietnamesische Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus, das Vietnam Film Department und die Vietnam Media Corporation. Das Festival plant sieben Sektionen, darunter auch einen Wettbewerb für Kurzfilme.
Der Focus des Festivals wird vor allem auf dem Kino Südostasiens liegen. Außerdem möchte man die lokalen und regionalen Kinomärkte unterstützen, die gerade einen Aufschwung erleben.
Der Start des Festivals wurde seit vier Jahren vorbereitet. Dabei wurden die lokalen Veranstalter vom Pusan International Film Festival (Süd-Korea) beraten.
Das Festival wird im Rahmen der 1000-Jahr-Feier der Stadt Hanoi stattfinden. Veranstaltungsort ist ein neues Multiplex-Zentrum.
Info: http://www.thanglonghanoi.gov.vn/

Openfilm © Screenshot
Openfilm mit Sitz in Miami ist eine Videosharing-Plattform der besonderen Art: im Unterschied zu YouTube und anderen, kann zwar jeder Filme hochladen, doch werden diese erst öffentlich zugänglich nachdem ein firmeneigenes Auswahlgremium zugestimmt hat. Damit wollen die Betreiber von Openfilm sicher stellen, dass ausschließlich Qualität auf ihrer Plattform zu sehen ist.
Damit auch die technische Qualität stimmt, setzt Openfilm bei der Wiedergabe auf Flashvideos in hoher Auflösung mit einer HD-Option.
Openfilm richtet sich insbesondere an junge unabhängige Filmemacher, Filmfestivals und Filmschulen. Diesen werden auch eigene Kanäle angeboten, in denen sie auf übersichtliche Weise ihre Arbeiten darstellen können.
Openfilm verfügt über ein Advisory Board, dem erfahrene und bekannte Persönlichkeiten angehören – zur Zeit unter anderen James Caan und Rupert Duvall. Das Advisory Board veranstaltet regelmäßig Webchats, in denen registrierte Nutzer Fragen stellen und sich beraten lassen können. Die Mitglieder des Advisory Board entscheiden auch über die Gewinner von Wettbewerben, welche Openfilm veranstaltet.
Die Website ist werbefinanziert und erhebt bei den Filmemachern eine Subskriptionsgebühr. An Werbeeinnahmen werden Filmemacher zu 50% beteiligt. Die Filmemacher können zusätzlich ihre Filme zu einem selbst gewählten Preis zum Download anbieten. Openfilm erhält bei jedem Verkauf einen festen Betrag.
Openfilm kooperiert auch mit Internet-Fernsehanbietern, wodurch sich weitere Optionen für die Verbreitung von Filmen eröffnen. Die Plattform wird von der Private Equity Firma Enerfund finanziert.
URL: http://www.openfilm.com

„Alumbramiento“ von Eduardo Chapero-Jackson © p.o.v No. 27
Der britische Wissenschaftsverlag Intellect (Bristol, UK) bereitet zur Zeit die Herausgabe einer neuen Zeitschrift vor, die dem Kurzfilm gewidmet ist. „Short Film Studies“ will einen Beitrag zur Forschung leisten, indem die Auseinandersetzung mit einzelnen Kurzfilmen als Grundlage für ein besseres Verständnis dieser Kunstform dienen soll. Für jede Ausgabe werden zwei oder drei Kurzfilme als Untersuchungsgegenstand ausgewählt und aus unterschiedlichen Perspektiven umfassend in mehreren Artikeln von Experten besprochen. Dazu gehören auch jeweils Interviews mit den Regisseuren, die Darstellung aller Einstellungen des betreffenden Films und ein Link zur Sichtung des Films im Internet.
Herausgeber des Magazins ist Richard Raskin, der an der Universität Aarhus in Dänemark lehrt und bisher die Zeitschrift p.o.v. mit einer ähnlichen Konzeption herausgegeben hat. Mit der Dezember-Ausgabe letzten Jahres wurde p.o.v. zugunsten des neuen Magazins eingestellt.
Für die erste Ausgabe von „Short Film Studies“ ruft Raskin nun Autoren auf, sich mit Beiträgen zu beteiligen. Als Untersuchungsgegenstand wurden folgende Filme ausgewählt: „The War is over“ von Nina Mimica (I), „Undressing my Mother“ von Ken Wardrop (Ireland) und „Village/Old Man“ von Miles Goodall (F/ZA). Wer sich beteiligen möchte, ist eingeladen sich mit einer Kurzbeschreibung des geplanten Beitrags an Richard Raskin zu wenden. Die Deadline für den kompletten Artikel ist der 15. April 2010. In Zukunft soll „Short Film Studies“ zweimal im Jahr erscheinen.
URL des Verlags: Intellect Books http://www.intellectbooks.co.uk/journals/view-Journal
Kontakt zum Herausgeber
Das National Film Board of Canada/Office National du Film du Canada (NFB/ONF) hat Ende 2009 ein Projekt ins Leben gerufen, das ein Jahr lang die Auswirkungen der Finanzkrise auf das tägliche Leben der Kanadier begleitet. Die Web-Dokumentation besteht aus jeweils vierminütigen Kurzfilmen und aus Fotoreportagen, in denen sich Bürger mit ihren alltäglichen Erfahrungen und Sorgen äußern können.
Das Projekt mit dem Titel „GDP – Measuring the Human Side of the Canadian Economic Crisis“ (GDP = dt. Bruttosozialprodukt) wird zweisprachig produziert und flächendeckend auf das ganze Land ausgedehnt. Unter der Leitung der Dokumentarfilmemacherin Hélène Choquette steht „von Küste zur Küste“ ein Team von Filmemachern und Fotografen zur Verfügung, um die Erfahrungsberichte gemeinsam mit den betroffenen Bürgern vor Ort in den Regionen des Landes zu erstellen.
GDP ist ein Multimedia-Projekt, das ausschließlich im Internet veröffentlicht wird. Nach Ablauf eines Jahres soll es als kollektive Geschichte eines Landes in der Krise abgeschlossen werden. Insgesamt sind bis dahin 250 Kurzfilme und Photo-Essays geplant.
Die Website ist nach Regionen und nach Themen strukturiert. In Ergänzung zu den Kurzfilmen und Photo-Essays besteht die Möglichkeit in einem Blog Stimmen und Meinungen zu den Beiträgen und Themen des Projekts, aber auch generell zur Krisensituation zu äußern und öffentlich zu diskutieren.
URL: http://gdp.nfb.ca/index

Kortfilmer.nu © Screenshot
Eine der ersten professionellen Pay-per-View-Plattformen für Kurzfilme, das schwedische Glimz.net, wird vom Netz genommen. Die Betreiber widmen sich ab sofort ausschließlich als Aggregator dem Vertrieb von Kurzfilmen.
Glimz.net wurde von Johan A. Larsson und Palle Torsson, einem Filmemacher und einem Informatiker, gegründet, um qualitativ anspruchsvolle Kurzfilme im Internet gegen Gebühr anzubieten. Die Online-Plattform startete im Jahr 2003 mit Kurzfilmen aus dem Katalog von Folkets Bio. Später kamen viele Partner - ab 2005 auch aus dem nicht-schwedischen Ausland - hinzu. Im Unterschied zu vergleichbaren Plattformen, bot glimz.net nicht nur Fiction, Animation und Unterhaltung an, sondern auch Kinder-, Dokumentar- und Avantgardfilme.
Bereits in den letzten Jahren war Glimz AB parallel zu dem Online-Angebot im Filmhandel tätig. Diese Aktivität wurde jetzt zum Kerngeschäft und die Pay-per-View-Seiten sind vom Netz genommen. An deren Stelle bietet glimz.net jetzt Produzenten und Einkäufern die Möglichkeit Filme des Portfolios zu recherchieren und in einem passwortgeschützten Bereich kostenfrei zu sichten.
Das Portfolio umfasst inzwischen mehr als 800 Titel aus 57 Ländern, die Glimz AB als Aggregator anderen Online-Plattformen, aber auch traditionellen Kanälen und Medien anbietet. Lizenzen für ein Teil der Filme, genauer gesagt, für das 2008 von Glimz gemeinsam mit Filmkontakt Nord herausgegebene, kuratierte Programm Vision IN/OUT (s.a. unser Bericht wurden an die Firma Headweb verkauft, die diese Filme auf ihrer Video-on-Demand-Plattform Kortfilmer.nu (dt. „Kurzfilm jetzt“) anbieten.
URL: http://www.glimz.net

Poster 2009 © Kara Filmfest
Eigentlich hätte Ende Januar in Karachi (Pakistan) das 8. Kara-Filmfestival stattfinden sollen. Die Filmauswahl und weite Teile des Programms standen bereits fest. Aus finanziellen Gründen musste das Festival kurzfristig abgesagt und auf unbestimmte Zeit verschoben werden.
Wie die Veranstalter mitteilen, war es nicht möglich das Festival durchzuführen, da aufgrund der Wirtschaftskrise die Fördermittel des Festivals zu stark gekürzt wurden.
Das Karachi International Film Festival wird von der nicht-gewerblichen KaraFilm Society, ein Zusammenschluss junger Filmemacher, ausgerichtet und versteht sich als Plattform für das alternative und unabhängige Kino.
URL: http://karafilmfest.com/index.htm

Frank Otto u. Aaron Koenig mit Filmbits © Bitfilm
2010 will sich das Hamburger Bitfilm-Festival neu erfinden: anstelle eines Online-Festivals für digitale Filme experimentieren die Veranstalter mit der weltweiten Crowd Production eines Episodenfilms zum Thema Geld. Das besondere an dem Projekt ist die gemeinsame Beteiligung von Filmemachern, Publikum und Geldgebern aus aller Welt in jeder Phase der Herstellung, an deren Ende dann ein abendfüllender Kinofilm mit dem Titel „Money & Me“ steht.
Zunächst werden Filmemacher eingeladen Beiträge zum Thema in einer Länge von maximal drei Minuten in den Kategorien Dokumentar-, Spiel- oder Animationsfilm einzusenden. Das können Porträts von Millionären und Tellerwäschern, inszenierte Filme mit Schauspielern oder Animationsfilme, die Zusammenhänge des Finanzsystems darstellen, sein. Dabei sind alle Filmtechniken zugelassen.
Anschließend werden per Online-Votum sieben Filme jeder Kategorie gewählt. Die ausgewählten Filme werden im November 2010 auf dem Festival in Hamburg gezeigt und dann von Bitfilm mit verbindenden Elementen, Musik und Zwischentiteln zu einem abendfüllenden Film kompiliert. Das Resultat soll 2011 als Kinofilm herausgebracht und anschließend auf DVD, als Video on Demand oder im Fernsehen weitervermarktet werden.
Die Filmemacher behalten alle Rechte an ihren Originalwerken und geben Bitfilm das Recht, nach dem ‚Open-Source-Prinzip‘ etwas Neues daraus zu mixen. Sie erhalten nach Vertragsabschluss eine Mindestgarantie und sind an zukünftigen Einspielergebnissen prozentual beteiligt. Die Preisträger jeder Kategorie erhalten außerdem ein Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro.
Die Finanzierung des Films erfolgt zusätzlich zu herkömmlichen Quellen per Crowd Funding. Das heißt, dass sich Jedermann an der Finanzierung beteiligen kann. Bitfilm verkauft hierzu „Filmbits“ für jede Sekunde des Films zum Preis von 300 Euro. Mit dem Kauf eines Anteils – rechtlich ein zinsloses Darlehen – ist der Anspruch auf eine prozentuale Gewinnbeteiligung verbunden. Die Anteilseigner bekommen außerdem eine, nach Anteilen gestaffelte, höhere Stimmenzahl bei der Online-Abstimmung.
Anteile können bis zum 1. Juli 2010 zum Preis von 300 Euro gezeichnet werden – anschließend werden die Preise erhöht. Filmeinreichungen sind bis zum 31. Juli 2010 möglich.
URL: http://www.bitfilm.com/festival/

www.jonasmekas.com © Screenshot
Im März 2007 berichteten wir, dass Jonas Mekas sich und seine Arbeiten auf einer neuen Internet-Plattform präsentiert. In einem Quicktime-Movie kommentierte er damals das Projekt wie folgt: »Do I really know what I am doing in this adventure? I am not so sure. I am not so sure. I have no idea where this will end up - this adventure«.
Die Skepsis, die dabei mitschwang, war, wie man heute sieht, berechtigt. Denn, wenn man heute die URL www.jonasmekas.com aufruft, zeigt sich nur noch eine blanke Internetseite. Hintergrund: Betreiber der Website ist die Maya Stendhal Gallery, die einige Arbeiten von Mekas vertritt beziehungsweise vertreten hat und in den letzten Jahren wichtige Mekas-Ausstellungen betreute. Offenbar hat sich Jonas Mekas mit der Galerie zerstritten und, laut einem Eintrag im Blog des Pariser Labels RE:VOIR, sogar zum Boykott der Galerie aufgerufen, wenn sie die Website fortführe und dort weiterhin seine Filme online anbiete.
Derzeit ist Mekas dabei eine neue, eigene Website unter der URL http://jonasmekasfilms.com einzurichten. Bislang ist nur ein Platzhalter zu sehen. Einige Filme von Jonas Mekas gibt es aber zwischenzeitlich bei RE:VOIR zum anschauen und Downloaden.
Links:
– Neue Website von Jonas Mekas
– RE:VOIR Blog
– Unser Bericht vom März 2007