
Die französische Version des Kurzfilmmagazins des deutsch-französischen Senders ARTE 'Court-circuit', das jeden Mittwoch erst nach Mitternacht und nur in einigen europäischen Ländern ausgestrahlt wird, kann jetzt weltweit und zeitunabhängig im Internet gesehen werden.
Für frankophone Zuschauer hat ARTE die Internet-Plattform 'Court-Circuit off' eingerichtet. Das eigentliche Kurzfilmmagazin ist dabei nur eines von mehreren Programmangeboten. Die Plattform bietet eine ganze Reihe von Rubriken, die web-spezifisch sind und damit die Fernsehausstrahlung nicht nur begleiten, sondern dem Medium Internet entsprechend über sie hinausgeht.
In der Online-Version des Magazins 'Kurzschluss' können die Filme und Berichte aller seit Anfang des Jahres produzierten Ausgaben einzeln, also 'interaktiv' aufgerufen werden. Wie in der Fernsehsendung sind dies – neben den Kurzfilmen selbst – die meist sehenswerten Berichte und Interviews 'Making of', 'La premi?re fois' und 'Zoom'. Auch finden sich hier die etwas infantilen, pädagogischen Ratgeber 'La Leçon du Professeur Kouro' und 'Le Truc' wieder. Leider fehlt eine Suchfunktion mit deren Hilfe bestimmte Themen, Filmtitel oder Regisseure in den Magazinbeiträgen gefunden werden könnte.
Neben dem Magazin bietet 'Court-circuit off' die Rubriken Neuigkeiten (Actualité), Atelier, Kurzfilme, Forum, Wettbewerb und Podcast. Die Struktur ist allerdings verwirrend und erschwert die Navigation. Dies liegt wohl daran, dass 'Court-circuit off' offenbar nicht als eigenständige Plattform in einem Guss konzipiert wurde. So greifen einzelne Rubriken auf andere, bereits bestehende Web-Angebote auf dem Server von ARTE zurück, die jeweils anders strukturiert und gestaltet sind.
Die Rubrik Kurzfilme ('Courts métrages') führt auf eine Seite, die ausschließlich dem Animationsfilm gewidmet ist. Derzeit sind es etwa 40 Filme. Aktuell (Ausgabe vom 15.08.07) kam 'Candy Boy' hinzu – der erste Animationsfilm von Pascal-Alex Vincent ('Far West', 'Hollywood malgré lui'). Die Filme in dieser Rubrik können im Realplayer-Format kostenlos angeschaut werden, während es in der Video-on-Demand-Abteilung noch etwa 100 kurze Spielfilme gibt, die kostenpflichtig sind – mit supermarkttypischen Preisen zwischen 0,99 bis 2,99 Euro.
Die Rubrik 'Concours' ist ein reines Online-Angebot - sozusagen ein Bonus - von ARTE France. Es handelt sich um einen dotierten Animationsfilm-Wettbewerb für Studierende an französischen Filmschulen. Die 71 Wettbewerbsbeiträge können als Quicktime-Movie betrachtet werden.
Die Rubrik 'Forums - Blogs - Chat' führt nur auf eine weitere Übersichtseite mit den Unterrubriken Blogs, Forum und Podcast, die zum Teil auch direkt aus dem Hauptmenü erreichbar sind. 'Blogs' führt auf den allgemeinen ARTE-Blog, der natürlich nicht kurzfilmspezifisch ist. Im 'Forum' wiederum geht es lediglich um das Thema des eigenen Online-Wettbewerbs für Schulfilme. Unter der Rubrik 'Podcast' kann man die oben genannten Kurzschluss-Magazinbeiträge für iTunes, iPod oder als Flux RSS abonnieren.
Unter 'Info pratiques' finden sich nützliche Informationen für die Produktion, den Vertrieb und das Abspiel von Kurzfilmen. Interessant sind auch die sendereigenen Informationen über den Ankauf von Kurzfilmen in den vergangenen Jahren sowie Kontaktangaben der Redaktionen.
Wirklich interaktiv ist, neben einem Ratespiel über Filmformate, das Atelier Final Cut. Dort ist es möglich einen Film online zu schneiden und zu vertonen. Allerdings wird das Ausgangsmaterial vorgegeben. (vgl. zu diesem Thema auch unseren Artikel „Kurzfilm-Remixing im Internet“) Konzipiert wurden diese interaktiven Schnittstellen von der Multimedia-Agentur Trois Fois Plus, die sich auf Online-Spiele spezialisiert hat.
Insgesamt ist 'Court-circuit off' ein interessanter Versuch eine Fernsehsendung ins Internet zu verlängern und als Web-TV medienspezifisch zu gestalten, auch, wenn sich die 'Interaktivität' auf das Abrufen vorproduzierter Inhalte beschränkt. Fernsehen ist und bleibt eben ein 'Push'-Medium!
(rww)