
Wie bereits berichtet hat Kodak im Jahr 2005 die Produktion des legendären Super-8-Films K40 eingestellt. Stattdessen wurde der Ektachrome 64T als Nachfolger vorgestellt. Von Kodak selbst sind außerdem noch Schwarzweiß-Umkehr-Filme lieferbar: Plus-X 7265 und der höher empfindliche Plus-X 7266. Und weiterhin werden die als 35mm-Film bekannten Farbnegativ-Filme Vision2 200T und 500T in Super-8-Kassetten konfektioniert. Diese Emulsionen werden insbesondere für die direkte elektronische Abtastung, zum Beispiel bei der Produktion von Musikvideos, eingesetzt. Weitere Informationen und Links zu anderen Super-8-Seiten im Internet gibt es auf der unten angegebenen Kodak-Seite.
Nun überrascht doch einigermaßen, dass allein im Jahr 2006 zwei neue Super-8-Filme auf den Markt gekommen sind. Bei solchen „Neuerscheinungen“ handelt es sich in der Regel um Konfektionierung von (35mm-) Filmsorten in Super-8-Kassetten. So wird in Deutschland mit europäischem Vertrieb von Wittner Kinotechnik eine Ektachrome-Emulsion, die lichtempfindlicher ist, als die von Kodak auf Super-8 verbreitete Emulsion, unter dem Namen Chrome 100D als Super-8-Film angeboten. Der zweite neue Filme stammt von GK Film, ebenfalls eine deutsche Firma, die seit diesem Jahr unter der Bezeichnung Cinevia einen 50ASA Fuji-Film in Super-8-Kassetten anbietet.
Doch auch in Frankreich ist man in Sachen Super-8 noch rührig. Super8France hat für 2007 angekündigt einen neuen Film auf den Markt zu bringen. Über die Herkunft der Emulsion ihres „HR1“ schweigt sich die Firma mit Sitz in Lille aber aus - sie verraten nur, dass es sich nicht um Kodak-Material handele!
Neu und in Deutschland und Europa erst ab November 2006 erhältlich sind Super-8-Filme der amerikanischen Firma Pro8mm. Pro8mm wurde in Cambridge, MA als Super8 Sound gegründet – ein Name, der eingefleischten Super-8-Fans sicherlich noch in Erinnerung ist. Unter der Internet-Adresse super8sound.com findet sich heute allerdings eine Kuriosität: eine Super-8-Hotel-Kette. Pro8mm hingegen bietet jetzt mit Sitz in Burbank, also aus dem Zentrum der amerikanischen Filmindustrie, neben Filmen und Spezial-Kameras auch Laborarbeiten, Filmtransfers und digitale Serviceleistungen an.
Interessant bei Pro8mm sind vor allem die knapp 20 verschiedenen 35mm-Film-Emulsionen, die unter dem eigenen Label Pro8 in Super-8-Kassetten konfektioniert werden. Dabei handelt es sich um Negativ- und Umkehrfilme der Hersteller Kodak und Fuji. So gibt es jetzt für alle nur erdenklichen Aufnahmezwecke sowohl Farb- als auch Schwarzweiß-Filme unterschiedlicher Empfindlichkeit von 10 ASA bis 500 ASA für Tages- oder Kunstlicht. Darunter auch der Kodak EXR, eine Emulsion speziell für Digital Mastering als Super-8-Film. Pro8mm hat sogar noch 8mm-Filme – im alten Format aus der Zeit vor der Einführung von Super 8 – im Programm. Für diese 8mm-Filme bietet Pro8mm als einzige Firma in den USA eine digitale Abtastung an.
Obwohl es noch Festivals und viele Filmclubs – insbesondere in Italien und Deutschland – gibt, die auch Super-8-Filme vorführen, ist die Zeit des Super-8-Films als Vorführformat wohl vorbei. Super-8 ist heute ein eher exotisches Aufnahmematerial für spezielle Zwecke und Effekte. Das Negativmaterial und die Abtastungen machen statt der Filmprojektion die Verbreitung auf allen digitalen Plattformen möglich.
Ein künstlerisch und historisch interessantes Projekt in diesem Zusammenhang ist die Website „Filmers Almanac“ des Filmemachers Owen O’Toole. Aber natürlich gibt es inzwischen auch Videoblogs, die digitalisierte Super-8-Filme zeigen. In den Startlöchern für einen Launch im Jahr 2007 steht ganz aktuell „Lost in Light“, ein nicht-gewerblicher VBlog, der Filmemachern im Tausch für die Überlassung der Veröffentlichungsrechte im Internet eine kostenlose Digitalisierung ihrer Filme anbietet.
Im Internet gibt es natürlich auch unzählige Websites über alle nur erdenklichen Aspekte des Super-8-Films. Darunter sogar ein Super-8-Wiki! Wer sich fundiert informieren möchte, dem sei aber besonders die Website „Little Film“ von Toni Treadway und Bob Brodsky empfohlen, die seit 1975 „superserious 8“ aktiv sind. 40 Jahre nach der Einführung des Formats scheint sich offenbar der Slogan einer der vielen Super-8-Seiten im Internet bestätigen zu lassen: „Super 8 is Thriving in the Digital Age“!
Doch zu viel Wissen darf man bei den Digital Agern wohl nicht voraussetzen, so gab es in einem Technik-Forum auf die Frage »Gibt es eine Möglichkeit, meine alten Super-8-Filme zu digitalisieren?« unter anderem folgende Antworten: »Na klar. Du brauchst eine Grafikkarte mit TV Eingang (...) Unnötiges scheidest du raus und brennts es anschließend auf DVD« und ein besonders schlauer Mensch meinte: »Schließe das Gerät, wo die Super8-Filme reinpassen gleich an Computer an über ein Cinchkabel. Über ein Zwischengerät bedeutet nur Qualitätsverlust!«
Super-8-Seite von Kodak: www.kodak.com/US/en/motion/s8mm/index.jhtml
Super-8-Wiki: super8wiki.com
Lost in Light: lostinlight.org
A Filmers Almanac: www.filmersalmanac.net
Little Film: www.littlefilm.org
ps. Das Centre Pompidou in Paris widmet zum Jahresende 2006 dem künstlerischen Super-8-Film eine umfangreiche Filmreihe, mit der die filmhistorische Bedeutung des Formats belegt werden soll. Unter dem Titel „S. 8“ ist vom 1. bis 22. Dezember jeden Tag ein anderes Super-8-Programm zu sehen. Es sind sowohl Themenprogramme als auch Filmemacher-Profile. Die Vorführungen in den Kinos der ‚Beaubourg’ wurden in Kooperation mit dem Collectif Jeune Cinéma und Light Cone konzipiert.
www.centrepompidou.fr/Pompidou/Manifs.nsf/0/819C1B482BA3999AC12572140035C5F1