In Großbritannien ist für die sozialen und kulturellen Beziehungen mit dem Ausland der British Council zuständig. Eine wichtige Säule des British Council ist die Kulturarbeit. In der Londoner Zentralverwaltung ist hierfür die „Arts Group“ zuständig ist. Innerhalb von „Arts“ betreuen jeweils eigene Abteilungen die Sparten Architektur, Bildende Kunst, Film, Literatur, Musik, Tanz und Theater.
Die 2007 neu eingesetzte Leiterin der Kulturabteilung, Venu Dhupa, hat nun zum Jahreswechsel vorgeschlagen die Fachreferate aufzulösen und unter neuen Gesichtspunkten zu reorganisieren. Anstelle von Sparten soll die Kulturabteilung in Arbeitsbereiche wie "Progressive Facilitation", "Market Intelligence Network", "Knowledge Transfer Function" und "Modern Pioneer" gegliedert werden. Die bisherigen Referatsleiter wurden aufgefordert sich um neu zu schaffende Stellen zu bewerben.
Diese Umstrukturierungsvorschläge haben zunächst intern und, nachdem es öffentlich wurde, auch außerhalb des British Council für einigen Wirbel gesorgt. So wandten sich jüngst mehr als 100 britische Künstler in einem offenen Brief, der am 12. Januar 2008 im Guardian veröffentlicht wurde gegen die Umstrukturierung. Die unterzeichnenden Künstler – u.a. Tracey Emin, Damien Hirst, David Hockney, Gilbert & George, Sam Taylor-Wood – sorgen sich besonders um die Zukunft der Visual-Arts-Abteilung und deren anerkannt guter Arbeit bei internationalen Ausstellungen und im internationalen Kulturaustausch. Für diese Arbeit seien auch in Zukunft erfahrene Fachleute und eine Fachabteilung erforderlich. In dem Protestbrief wurde auch beklagt, daß die Veränderungen ohne vorherige Konsultationen in Angriff genommen wurden.
Zu den bereits durchgesetzten Veränderungen gehörte nämlich auch die Abschaffung des Visual Arts Advisory Panel, einem unabhängigen Beratungsgremium. Ein Mitglied dieses Gremiums, Richard Dorment, hatte sich zuvor ebenfalls mit harter Kritik an die Öffentlichkeit gewandt (»crass bureaucrats are placing the arts in real danger«).
Von den Veränderungen ist auch die Filmabteilung betroffen, die bereits zuvor einen Teil ihrer Selbständigkeit verloren hat als sie mit dem Umzug aus eigenen Räumen in ein Großraumbüro der Zentralverwaltung mit anderen Abteilungen zusammengelegt wurde. Außerdem wurden Ende 2007 zwei langjährige Mitarbeiter ihres Postens enthoben. Die immerhin weltweite Filmarbeit wurde auf die wenigen verbleibenden Fachreferenten und vor allem auf Assistenten und Praktikanten umgewälzt.
Zu diesen Aufgaben gehörte bislang die Konzeption und Organisation von Filmprogrammen, Retrospektiven und Workshops für die über 70 Auslandsinstitute sowie die Zusammenarbeit mit ausländischen Filmfestivals und filmkulturellen Institutionen. Für diese Arbeit sind nicht nur Filmkenntnisse, sondern auch Kenntnisse über spezifische, lokale Strukturen und nachhaltige Beziehungen des wechselseitigen Vertrauens mit den Professionellen in den Partnerländern erforderlich. Dies gilt auch für die Binnenbeziehungen: Für britische Filmemacher bietet der British Council eine wichtige, professionelle Unterstützung bei der Vermittlung von Filmen ins Ausland – eine Arbeit, von der insbesondere Künstler, der Nachwuchs und alle anderen, die nicht von der Industrie getragen werden, profitieren.
Gerade im Bereich des künstlerischen Films hat es in den vergangenen Jahren in Großbritannien immer wieder Umstrukturierungen gegeben, die fast alle zu dessen Nachteil ausfielen. So bei der Fusion der London Film and Video Development Agency mit Film London und dem Wegfall von Förderprogrammen im Bereich des künstlerischen Films. Eine Entwicklung, die dazu führte, daß sich viele Filmemacher von Film/Kino abwandten und nur noch arbeiten können, wenn sie auf dem Kunstmarkt reüssieren. Die geplante Umstrukturierung beim British Council erinnert aber fatalerweise an die Auflösung der Filmabteilung des Arts Council, der auch eine Zusammenlegung von Fachreferaten vorausging.
Insbesondere im Bereich des künstlerischen Kurzfilms, der von der Industrie vernachlässigt wird, hat der British Council in den letzten Jahren unverzichtbare Arbeit geleistet. Bedauerlicherweise hat Filmkultur, und insbesondere der Kurzfilm, in Großbritannien – anders als die Bildende Kunst – keine starke Lobby. Immerhin hat es aber im Januar im Unterhaus eine parlamentarische Anfrage zur Zukunft der Filmarbeit des British Council gegeben.
Infolge der öffentlichen Diskussion hat der British Council inzwischen erstmals öffentlich reagiert und mitgeteilt, die Reorganisation sei zunächst suspendiert. Über die Zukunft der Kulturabteilung wolle man nun erst nach einer internen und externen Beratungsperiode – bis Ostern – entscheiden.
Ob und wie die Arbeit der Filmabteilung fortgesetzt werden kann, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Bleibt zu hoffen, daß es im Rahmen der Beratungen gelingt eine Lösung zu finden, die in den Außenbeziehungen den professionellen Ansprüchen der Fachwelt genügt und in der internen Arbeitsorganisation die interdisziplinären Überlegungen der neuen Leitung integriert ohne bewährte und erfolgreiche Strukturen zu zerschlagen.
Info über die Arbeit der Filmabteilung
Filmportal des British Council
(rww)