Analogue Renaissance – Kodak stellt neue Super 8 Kamera vor

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2 Varianten der neuen Super-8-Kamera © Eastman KODAK Pressedienst

Voraussichtlich im Mai 2017 wird Kodak eine neue Super-8-Kamera auf den Markt bringen. Das zwischenzeitlich wegen der Digitalisierung des Films ins Schlingern geratene Unternehmen besinnt sich auf seine Ursprünge und wagt auf eine ‚Analogue Renaissance‘ aufzuspringen. Während das Unternehmen längst breit  und überwiegend im digitalen Marktsegment aufgestellt ist – vom Baby-Monitor bis zur 4K Virtual Reality 360° Kamera – pflegt es weiter analoge Produkte wie Filmemulsionen oder Selfie-Fotopapier. Im Januar stellte die Eastman Kodak Company nun auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas, fast 25 Jahre nach dem letzten Modell, den Prototyp einer neuen Super-8-Kamera vor.

Bereits 2016 hatte Kodak eine S-8-Kamera angekündigt und Filmemacher und Super-8-Aktivisten eingeladen, sich mit Vorschlägen an der Entwicklung zu beteiligen. Danach geschah lange Zeit – zumindest öffentlich – nichts und es sah so aus als würde das Projekt im Sande verlaufen. Im Nachhinein erklärte Kodak den Grund für die Funkstille: die Reaktion auf die erste Ankündigung sei so überwältigend und die Wünsche an Features einer neuen Kamera seien anders und so detailreich gewesen, dass man das ursprüngliche Konzept überdacht habe. Folge ist die Vorstellung eines erneuerten Prototyps.

Diese, auf der Messe vorgestellte neue Special Edition erinnert äußerlich an die alten Brownie-Modelle. Tatsächlich ist es aber eine digital gepimpte Analogkamera mit ausklappbarem digitalen Sucherbildschirm, einem HDMI-Anschluß, synchronen Digitalton, einem Port für SD Karten und einem USB-Anschluß für die Stromversorgung. Zur analogen Ausstattung gehört ein Ricoh-Objektiv mit C-Mount-Gewinde und natürlich der Filmkassetten-Schacht.

Als Filmkassetten werden drei Farbemulsionen von Kodak Vision (50D, 200T und Highspeed 500T) konfektioniert. Dies sind Negativfilme! Das heißt, Kodak verzichtet auf die Option der Super-8-Projektion und bietet stattdessen – im Filmpreis inbegriffen – die digitale Konvertierung an. Wie beim alten Konzept können die belichteten Filme mit einem Voucher per Post eingesandt werden. Zusätzlich zum entwickelten Film gibt es dazu aber einen Link zum Download einer digitalen Videofassung.

Eher als Exot wird Kodak aber außerdem noch eine Kassette mit Umkehrfilm anbieten und zwar mit der Tri-X Emulsion, also einem Schwarzweiß-Film!

Infolge der Rückmeldungen aus der Community hat sich Kodak entschlossen nicht nur einen einzigen Kameratyp zu entwickeln, sondern mehrere Modelle und ein ausbaufähiges ‚Ecosystem’ drumherum. An der traditionellen Achillesferse des Kassettensystems, nämlich dem greiferlosen Bildandruck, der für die typische Unschärfe verantwortlich ist, scheint Kodak nach Interventionen der Community am Modell von 2016 gearbeitet zu haben. Die Aufnahmen der neuen Kamera sind deutlich schärfer. Die digitalen Testfilme zeigen übrigens Bilder im Seitenverhältnis 16:9, was vermuten lässt, dass das gesamte Aufnahmesystem überarbeitet wurde.

Das getestete und jetzt auf der Messe CES vorgestellte Modell der Special Edition stellt nach Kodak das ‚High End’ der Produktpalette dar. Wann weitere Modelle mit welchen Features folgen ist noch nicht bekannt. Voraussichtlich im Mai erscheint als erste Kamera auf dem Markt eine Limited Edition für $2000. Die Preise der Standard-Modelle sollen, wie sich ein Firmenvertreter gegenüber dem Wall Street Journal geäußert hat, zwischen $400 bis $750 liegen. Die Filmkassetten inklusive Entwicklung und Konvertierung sollen zwischen $50 bis $75 kosten.

Schon allein wegen des Preises werden die neuen Super-8-Kameras wohl kein Consumer-Massenprodukt wie damals werden. Sie richten sich wohl eher an Filmstudenten und Künstler, die weiterhin analog aufnehmen möchten. Das weiß das Unternehmen sicher selbst. Für seine Werbekampagne holte sich Kodak wohl deshalb neben Hollywood-Größen wie Scorcese, Spielberg und Tarantino auch Unterstützung bei Filmemachern und Künstlern wie Jem Cohen und Isaac Julien. Ob die Markteinführung gelingt und das Marketing Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Zu widersprüchlich ist doch das Auftreten mit Slogans wie »Designed for Creating« einerseits und »Easier than Ever« andererseits, was fatal an George Eastman’s »You press the button, we do the rest« erinnert.

Reinhard W. Wolf